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21.03.2012

17:19 Uhr

Oldtimer-Geschäft

Ein Flügeltürer wandert in die Schrottpresse

Quelle:MID

Mercedes-Benz Classic hat jetzt die Karosserie eines Mercedes-Benz 300 SL geshreddert. Der Fiberglas-Nachbau eines Fremdanbieters darf nicht in Verkehr kommen, da er das Urheberrecht verletzt.

Mercedes Benz Classic ließ diese nachgebaute Fiberglas-Karosserie eines 300 SL schreddern. Solche Nachbauten verstoßen gegen Urheberrecht. PR

Mercedes Benz Classic ließ diese nachgebaute Fiberglas-Karosserie eines 300 SL schreddern. Solche Nachbauten verstoßen gegen Urheberrecht.

EssenDas Oldtimer-Geschäft wird härter. Die Daimler-Tochter Mercedes-Benz Classic hat die nachgebaute Karosserie eines Mercedes-Benz 300 SL vernichtet. Aufgrund der juristischen Lage ist es nicht rechtmäßig, diese Karosserie in den Verkehr zu bringen. Sie war vom deutschen Zoll beschlagnahmt worden. Die Karosserieform des legendären "Flügeltürers" ist zugunsten der Daimler AG geschützt. Wer Nachbauten des Fahrzeugs herstellt, anbietet oder verkauft, verletzt die Rechte des Unternehmens. Das gilt auch dann, wenn für die Nachbauten keine Wort- oder Bildmarken des Unternehmens verwendet werden. Die Daimler AG geht seit Längerem energisch gegen Nachbauten vor.

Wie das Unternehmen jetzt im Rahmen der Techno Classica in Essen mitteilte, sahen die Stuttgarter durch den nichtautorisierten Nachbau des legendären Flügeltürers eine Verletzung des Urheberrechtschutzes. Das Landgericht in der baden-württembergischen Landeshauptstadt hat sich in einem rechtskräftigen Urteil (AZ 17 O 304/10) dieser Auffassung angeschlossen. "Wer Nachbauten herstellt, anbietet oder verkauft, verletzt die Rechte des Unternehmens", hieß es dazu vom Unternehmen jetzt in Essen anlässlich der Oldtimermesse Techno Classica.

Die Vernichtung der Karosserie nahm das von der Daimler AG beauftragte Mercedes-Benz Gebrauchtteile Center vor, das auch für die Verschrottung sämtlicher Mercedes-Benz-Prototypen aus den Entwicklungsbereichen verantwortlich zeichnet. Die dort eingesetzte zertifizierte Anlage arbeitet mit zwei Pressen und jeweils gut 30 Tonnen Druck. Im Falle des Nachbaus handelte es sich um eine 148 Kilogramm wiegende Fiberglas-Karosserie, die die Verdichtungsanlage in Bruchsegmente zerlegte. Mercedes betonte in Essen, dass der Hersteller auch künftig gegen Fälschungen und Replicas konsequent vorgehen wird.

Nach der Behandlung mit einer 30-Tonnen-Presse, blieben von der nachgebauten SL-Karosserie nur noch 148 Kilo Sondermüll. PR

Nach der Behandlung mit einer 30-Tonnen-Presse, blieben von der nachgebauten SL-Karosserie nur noch 148 Kilo Sondermüll.

Kommentare (9)

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itstk

22.03.2012, 13:59 Uhr

Ein weiterer Grund, auch und gerade in Deutschland nie einen Benz zu kaufen. Die Produktion der Originale wurde 1957 eingestellt. Nutzwert der verbliebenen "Überlebenden" gleich Null. Denn wenn da was kaputt geht, hat das Teil nur noch als Ersatzteillager einen Marktwert.

Es sollte eigentlich auch im Sinne des Herstellers sein, wenn von diesem goldenen Wurf der Automobilgeschichte auch in Deutschland Repliken hergestellt werden. Die öden Kisten der heutigen Windkanal-Generation, die sich im Prinzip nur noch im Kühlergrill unterscheiden, will doch eh keiner mehr freiwillig fahren...

aha

22.03.2012, 14:34 Uhr

Das klingt ja ziemlich abstrus, mit Urheberrecht zu argumentieren. Dann wäre ein Auffahrunfall (mit hoffentlich nur Blechschaden) ein Verfälschen eines Originals.

Verstehbar wird es aber, wenn man bedenkt, wie die Autoleute ihre alten Originale als "Legende" aufblasen, um Werbepotenzial zu generieren mit aktuellen Nachempfindungen.

Oldiedriver

23.03.2012, 11:15 Uhr

Langfristig gesehen halte ich die Haltung von Benzedes im Sinne ihres Eigengeschäftes für kontraproduktiv. Es wirkt auf mich unsympathisch und würde mich eher vom Erwerb eines Oldtimerfahrzeuges abhalten, für das ich keine Reproteile bekomme, sondern nur das kaufen kann, was Benz mir gnädigerweise verkauft.

Ich besitze einen alten Ford Mustang und Ford geht da einen völlig anderen und wesentlich vorbildlicheren Weg. Seit einiger Zeit läßt Ford beim Karosseriespezialisten Dynacorn autorisierte Karosserierepliken herstellen, die offiziell - wenn zusammengebaut - einen Ford Mustang ergeben. Das kann man zum Ersetzen seiner alten Gammelkarosse benutzen, man kann aber auch ein ganz neues Auto bauen.
GM und Chrysler sind auf den Zug mit aufgesprungen und auch deren Erfolgsmodelle gibt es mittlerweile für attraktives Geld als autorisierte Repliken. Auch wenn man keinen neuen Wagen aufbauen will macht das einem das Leben als Oldiebesitzer angenehmer.
Die Einstellung des Herstellers verbreitert die Fahrzeugbasis, erhöht die Kundenzufriedenheit, zeigt Präsenz und läßt nebenbei noch die Kasse klingeln für Lizenzen an Autos die seit 45 Jahren gar nicht mehr gebaut werden ohne, daß Ford selber auch nur eine einzige Presse anwerfen muß.

Benz hat noch viel zu lernen!

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