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29.03.2012

09:46 Uhr

Oldtimer-Leasing

Im Klassiker dem Fiskus davonfahren

Quelle:MID

Einen Oldtimer zu leasen, war lange Zeit nicht möglich. Nun bieten spezialisierte Firmen derartige Finanzierungsmodelle an. Doch das lohnt sich nur dann, wenn man einige Regeln beachtet, damit das Finanzamt mitspielt.

Ein Porsche 911 aus dem 70ern ist ein teurer Oldtimer. Unter gewissen Umständen lässt sich auch der betagte Sportwagen leasen. MID

Ein Porsche 911 aus dem 70ern ist ein teurer Oldtimer. Unter gewissen Umständen lässt sich auch der betagte Sportwagen leasen.

DüsseldorfBei vielen Autos ist es Liebe auf den ersten Blick: Den oder keinen! Das gilt besonders bei Oldtimern. Doch steht zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Inhalt des Portemonnaie. Bei Finanzierungslücken für den Traum-Oldie boten sich bisher nur zwei Lösungen an: Die Oma anpumpen oder einen Kredit bei der Bank beantragen. Nun öffnet sich ein dritter Weg. Findige Finanzierungsinstitute haben Leasing-Modelle für klassische Fahrzeuge entwickelt.

In der Regel eignet sich das Geschäftsmodell jedoch nur für Selbstständige, die auch die steuerlichen Vorteile nutzen können. Zu den Anbietern zählen eine Handvoll Spezialfinanzierer wie die AIL Classic Leasing, X-Leasing und Leasconcept.

Wird beim Leasingvertrag für einen Neuwagen meist eine jährliche Kilometerleistung vereinbart, steht beim Leasing eines Klassikers immer ein genau definierter Restwert am Ende der Vertragslaufzeit. Den mehrere Jahre im voraus zu kalkulieren, ist allerdings bei historischen Modellen ein Spiel mit mehreren Unbekannten. Ein Gutachten vom Oldtimer-Experten ist daher unumgänglich.

Die AIL Leasing geht mit folgender Beispielrechnung auf Kundenfang: Ein Porsche 911 von 1975 wird für 30.000 Euro angeboten. Ein freiberuflicher Architekt hat auf das Fahrzeug während des Urlaubs ein Auge geworfen und möchte es dienstlich nutzen: Zur eigenen Freude und um Kunden zu beeindrucken. Die Anzahlung beträgt nach AIL-Angaben null Euro, die Laufzeit wird auf 36 Monate festgelegt, die monatliche Rate beläuft sich auf 705 Euro und am Ende ist ein Restwert von 9.000 Euro zu finanzieren.

Für Rolf Huber, Geschäftsführer des Unternehmens, liegen die Vorteile auf der Hand. "Unter Berücksichtigung der Steuervorteile bringt unser Leasing-Angebot gegenüber dem Barkauf einen Vorteil von rund 11.000 Euro".

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Marcus Keller verleiht Traumwagen, die nicht selten älter sind als ihre Fahrer. Wenn die ihren Jaguar 120 Roadster oder Mercedes-Benz 280 SL als Dienstwagen leasen, beeindrucken sie damit nicht nur ihre Kunden, sondern auch den Fiskus. Denn für die begehrten Old- und Youngtimer gilt der alte Listenpreis – und das spart Steuern.

Bislang spielt das Oldtimer-Leasing in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle. Das liegt auch an steuerlichen Unwägbarkeiten. Wer den Oldtimer als Dienstwagen nutzt, und von vornherein eine Kaufoption festlegt – schließlich handelt es sich ja um eine "Liebesbeziehung" - riskiert, dass das Finanzamt den Vertrag insgesamt nicht akzeptiert. Dann sind die Steuerersparnisse futsch. Auch bei "Steuersparmodellen" mit hohen Raten und trickreichem Mini-Restwert wird das Finanzamt hellhörig. Hier soll ganz offensichtlich auf Kosten des Fiskus ein Klassiker angeschafft werden und dies lässt kaum ein Beamter durchgehen.

Ohnehin ist eine Oldtimer-Anschaffung auf Leasingbasis nur unter steuerlichen Gesichtspunkten lohnend. Huber: "Für den Privat-Käufer bietet es weniger Vorzüge, da dieser keine der genannten Vorteile erzielen kann. Außerdem muss der Privatkunde auf die Leasingrate Mehrwertsteuer zahlen, die er im Gegensatz zum gewerblichen Kunden nicht zurückerstattet bekommt."

Oldtimer und ihre Bewertung

Kein Oldie ohne Bewertung

Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

Note 1

Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

Note 2

Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

Note 3

Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

Note 4

Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

Note 5

Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

Ergänzungen

Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

Restauration

Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

Originalität

Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

Prominenz

Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

Kommentare (2)

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elmicha

29.03.2012, 10:12 Uhr

Topidee - nur was ist mit dem kleinen Schönheitsfehler, daß mir keiner garantiert, daß ich das mir über 3 Jahre so ans Herz gewachsene Schätzchen am Ende übernehmen darf...?
Michael Grippekoven (ClassicConsult)

Schweinchen_Schlau

03.09.2013, 08:49 Uhr

Versuchen sie doch mal Folgendes:

Steuerschädlich ist eine Kaufoption im Leasingvertrag. Was aber, wenn beispielsweise Ihre Mutter parallel zum Leasingvertrag mit dem Leasinggeber einen Kaufvvertrag über das Fahrzeug abschließt, der erst zum Ende der Laufzeit erfüllt werden muss (Leistung und Gegenleistung)? Den Vertrag bekommt die Steuer nie zu sehen, und falls doch, liegt keine Personenidentität zwischen Leasingnehmer und Erwerber vor ()deshalb sollte man bei gemeinsamer Veranlagung davon absehen, den eigenen Ehepartner als Käufer auftreten zu lassen. Was Ihre Mutter dann mit dem auto macht, ist ihre Sache; und wenn sie nach sechs Wochen feststellt, dass ihr der Wagen zu unbequem ist, was solls? Dann verkauft sie ihn halt wieder ...

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