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07.01.2011

15:29 Uhr

Patent-Motorwagen

Ein Benz für die Ewigkeit

Nein, dieser Benz ist kein Traumauto und dürfte wohl höchst selten auf der Wunschliste von Auto-Enthusiasten auftauchen. Dafür ist der Patent-Motorwagen einzigartig. Vor 125 Jahren schrieb das knatternde Mobil Geschichte.

Benz Patent-Motorwagen dpa

Nachgestellte Szene: Bertha Benz fuhr 1 888 zu den Eltern nach Pforzheim. Der Trip im Patent-Motorwagen gilt als erste Langstreckenfahrt der Automobilgeschichte. (Bild: Daimler/dpa/tmn)

HB STUTTGART. Er ist nicht der schönste Oldtimer, nicht der wertvollste und auch nicht der schnellste. Dennoch gebührt ihm eine absolute Sonderstellung. Die Rede ist vom Benz-Patent-Motorwagen Nummer 1, ein Dreirad mit dem knatternden Einzylinder, das 2011 genau 125 Jahre alt wird. Es gilt gemeinhin als das erste Auto der Welt - das Datum der Patentanmeldung am 29. Januar 1 886 als sein Geburtstag und die Patentschrift Nummer 37 435 als Geburtsurkunde des Automobils.

Damit kam Carl Benz nur wenige Wochen seinem späteren Mitstreiter Gottlieb Daimler zuvor, der einen Verbrennungsmotor in eine Kutsche montierte und damit ebenfalls Automobilgeschichte schrieb. Doch mit einem Auto im heutigen Sinne hat der Motorwagen bis auf das Funktionsprinzip nur wenig gemein. Fahrer fanden auf einer hölzernen Bank Platz, mangels Dach gab es für sie keinen Schutz vor Wind und Wetter.

Ins Rollen kam der Wagen auf fingerdünnen Speichenrädern und dank eines Motorblocks von stolzen 100 Kilogramm, der gemächlich mit 400 Umdrehungen pro Minute tuckerte. Gestartet wurde mit einem Schwungrad. Was der Motor mit einem Liter Hubraum und nur einem Kolben dann freisetzte, lässt sich kaum in Pferdestärken messen - mit unter einem PS war die Leistung beziffert. Atemberaubend nach damaligen Maßstäben war die Höchstgeschwindigkeit des 270-Kilo-Vehikels von 16 km/h.

Seine ersten Fahrten absolvierte Benz Ende 1 885 aus Gründen der Geheimhaltung im Mannheimer Fabrikhof. Nach draußen traute er sich nur bei Nacht und Nebel. Anfangs schaffte er auf der Straße nur wenige hundert Meter, aber bald wurden es mehr. In seinen Erinnerungen schrieb der Pionier: "Jede Ausfahrt stärkte mein Vertrauen, bei jeder Ausfahrt lernte ich aber auch neue Tücken des Motors kennen."

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