Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2012

08:06 Uhr

Pläne der EU-Kommission

Autos sollen nicht mehr röhren dürfen

VonThomas Ludwig

Um den gesundheitsschädlichen Lärm auf der Straße zu begrenzen, will die EU-Kommission den Herstellern strenge Vorgaben machen. Die laufen Sturm gegen die Brüsseler Ideen: Die Zeitpläne seien vollkommen unrealistisch.

Ein Dezibelmessgerät an einer Hauptstraße in Hannover. dpa

Ein Dezibelmessgerät an einer Hauptstraße in Hannover.

BrüsselDas Vorhaben der EU-Kommission, den Verkehrslärm auf Europas Straßen schnellstmöglich um bis zu ein Viertel zu senken, stößt in der Automobilindustrie auf Widerstand. „Das Ziel ist zu ambitioniert, die Umsetzung in dem vorgesehenen Zeitrahmen nicht machbar“, heißt es beim Verband der Automobilindustrie (VDA).

Anlass für die Kritik ist ein Vorschlag von Industriekommissar Antonio Tajani, schärfere Geräuschgrenzwerte einzuführen. Demzufolge soll der Lärm von Personenkraftwagen, Kleinlastern und Bussen innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung um zwei Dezibel sinken. Drei Jahre später sollen die Werte um weitere zwei Dezibel sinken. Für Lastwagen ist eine Reduzierung um einen Dezibel im ersten und um zwei Dezibel im zweiten Schritt geplant.

Was wenig klingt, fordert die Industrie stark. So bedeutet eine Verringerung um zwei Dezibel nach Auskunft von Technikern eine Dämmung der Fahrzeuggeräusche um rund 40 Prozent. „Diese starke Reduzierung ist technisch in so kurzer Zeit nicht machbar“, sagte Ulrich Eichhorn, Technischer Geschäftsführer des VDA. „Eine so scharfe Grenzwertsenkung ignoriert die in der Automobilindustrie notwendigen Entwicklungs- und Produktionszyklen und hätte zur Folge, dass jeder dritte Pkw in Europa innerhalb von zwei Jahren überarbeitet werde müsste.“

Trotz des erhöhten Verkehrsaufkommens in Europa sind die Grenzwerte für Geräuschemissionen seit 1996 unverändert. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge könnten in Westeuropa infolge von durch Lärm erzeugten Stress jährlich bis zu eine Million gesunder Lebensjahre verloren gehen.

Für Industriekommissar Tajani ist das Anlass genug, regulatorisch einzugreifen. „Unser Vorschlag führt zu einer gesünderen Umwelt“, erklärte Tajani. Zudem ließen sich die Fahrzeuge international besser verkaufen.

Dass der Vorstoß ausgerechnet vom für Unternehmen zuständigen Vizechef der Kommission kommt, verwundert Wirtschaftspolitiker. „Es ist der berühmte Griff zu viel in die Regulierungskiste der grünen Bürokratie“, kritisierte Holger Krahmer, FDP-Industriepolitiker im EU-Parlament: „Ein Sportwagen muss röhren, sonst verkauft er sich nicht.“

Auch das Bundesverkehrsministerium ist dem Vernehmen nach verärgert über den Vorstoß aus Brüssel. Widerstand ist programmiert, sagen Diplomaten. Die Bundesregierung hatte 2011 einen eigenen, moderaten Vorschlag zur Lärmbekämpfung beim Fachgremium der Vereinten Nationen unterbreitet, das weltweit Automobilstandards setzt.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

03.02.2012, 08:22 Uhr

Wer braucht denn Lärm? Ein paar pubertierende Jugendliche. Soll doch Brüssel das machen. Da richten sie woanders keinen Schaden an.

ich habe kein Problem mit leiseren Autos, besonders wenn ich an die Menchen in der Nähe von Autobahnen und stark befahrenen Straßen denke.

Und unsere Autobauer sind doch die größten, besten usw....

Butterbrot

03.02.2012, 08:59 Uhr

Selten so einen Stuß gelesen.
Als Anwohner einer vielbefahrenen Bundestrasse und einer Autobahn empfinde ich nicht die normalen PKWs, die Proleten oder die vorbeiröhrenden Sportwagen als störend. Was stört, ist der Radau, der durch LKWs, Busse und Motorräder entsteht.

Account gelöscht!

03.02.2012, 09:14 Uhr

Ich bi aber einfach davon ausgegangen, daß LKWs, Busse und Motorräder ebenso betroffensind !!!??

Was sind Proleten in diesem Zusammenhang?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×