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06.05.2013

16:53 Uhr

Pleite des Mercedes Citan

Crash für das Markenimage

VonLukas Bay, Frank G. Heide

Jeder dritte Citan von Mercedes muss zurück in die Werkstatt, sie sind zu unsicher. Kann Konzernchef Zetsche den Kleintransporter und den angeschlagenen Ruf der Marke wieder reparieren?

Daimler-Werbemotiv: Sondermodell Citan Worker. Der Transporter stammt aus einer Kooperation mit Renault, steht auf Basis des Kangoo - und ramponiert nun das Markenimage. PR

Daimler-Werbemotiv: Sondermodell Citan Worker. Der Transporter stammt aus einer Kooperation mit Renault, steht auf Basis des Kangoo - und ramponiert nun das Markenimage.

DüsseldorfEs gab eine Zeit, da konnten Crashtests einem Dieter Zetsche nichts anhaben. In einem Werbespot aus dem Jahr 2006 steuerte der damaligen Chrysler-Chef einen Jeep gegen eine Wand - und stieg danach unbeschadet aus. Ein neuer Crashtest hat am Daimler-Chef deutliche Spuren hinterlassen.

Der Citan, ein Kleintransporter, der in Kooperation mit Renault gebaut wird, hat beim NCAP-Crashtest so schlecht abgeschnitten wie bisher kein Nutzfahrzeug von Mercedes zuvor. Drei von fünf mögliche Sternen erhielt der Lieferwagen und Familien-Van - ein desolates Resultat. "Das Ergebnis ist selbstverständlich völlig unbefriedigend. Damit müssen wir uns natürlich beschäftigen", sagte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche im Interview mit der "WAZ".

Die Reaktion des Unternehmens ließ nicht lange auf sich warten. Daimler ruft 3500 Kleintransporter zurück in die Werkstätten, damit ist jeder dritte ausgelieferte Citan in Europa betroffen. Der Fenster-Airbag, der bei den jüngsten Crashtests nicht richtig geöffnet hatte, soll ausgetauscht werden. Ein Eingriff, der als Wiedergutmachung für die besorgten Kunden verstanden werden kann, allerdings auch nicht alle Probleme löst. Neben dem Seitenairbag kritisieren die Crashtest-Experten des ADAC auch die harten Strukturen im Armaturenbrett, die hohe Verletzungsgefahr für Fahrer und Beifahrer im Brustbereich sowie fehlende Gurtwarner beim Beifahrer und auf der Rückbank.

Darum bleibt offen, was man im Rahmen des Rückrufs bei den betroffenen Citan-Modellen konkret nachbessern will? Zwei Stahlstreben einschweißen, für bessere Crashtestergebnisse? So schnell wird aus einem Renault wohl doch kein Mercedes. Der Kleintransporter von Mercedes, der in weiten Teilen baugleich mit dem Renault Kangoo ist, dürfte Daimler damit weiterhin beschäftigen. Die Probleme, die schon beim Kangoo im Jahr 2008 festgestellt worden waren, scheinen im Daimler-Modell übernommen worden zu sein. In seiner Klasse schneide der Citan immer noch relativ gut ab, werden die Verantwortlichen nicht müde zu betonen. Mit dem Citan vergleichbare Kastenwagen, wie etwa der Dacia Lodgy, hatten 2012 ebenfalls nur drei Sterne bei Crashtests bekommen, der Ford B-Max errang hingegen im gleichen Jahr fünf Sterne.

Für Daimler-Chef Zetsche und das Führungsteam der Van-Sparte ist der Crashtest ein Fauxpas sondergleichen. Für den Transporter ist auf Vorstandsebene seit Anfang April der bisherige Daimler-Truck-Chef Andreas Renschler zuständig. Bis Ende März verantwortete das Geschäftsfeld noch der damalige Produktionschef der Autosparte, Wolfgang Bernhard.

Eigentlich sollte der Citan den Markt für Kleintransporter für die Stuttgarter erschließen. Für den Citan erwartete Mercedes europaweit einen Marktanteil von vier bis fünf Prozent. Europaweit werden derzeit jährlich rund 700.000 Transporter verkauft. Im Duell mit dem größten Konkurrenten, dem Caddy von Volkswagen, verliert das erste gemeinsame Produkt der deutsch-französischen Kooperation zwischen Daimler und Renault nun den Anschluss.

Kommentare (16)

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Citan_abwracken_sofort

06.05.2013, 15:59 Uhr

Dr. Zetsche sollte mal schleunigst anfangen und seinen Kopf eischalten!

Wer bitteschön braucht so ein Fahrzeug?

Familien?

Die hätten aber sicherlich gerne ein Fahrzeug, in dem die lieben Kleinen nicht gleich zu Tode zerquetscht werden, falls der Citan mal von einem kleinen Fiat "geküsst" wird!

Es gab doch schon einmal eine Mercedes Fehlkonstruktion namens "Vaneo". Die hässliche Schrottkarre wollte auch kein Mensch haben, egal für wie praktisch das Konzept von der Marketingabteilung angepriesen wurde!

Mein Gott, baut gefälligst anständige Limousinen für die obere Mittelklasse + Oberklasse, sowie Nutzfahrzeuge die was taugen, aber hört auf den Markennamen mit so einem Mist wie Citan, Vaneo etc. weiter zu ruinieren.



Account gelöscht!

06.05.2013, 16:16 Uhr

Herr Zetsche ist DER Crash für Mercedes. Drei "Helden" hintereinander an der Spitze dieser einstmals funkelnden Firma. Zetsche haut zusammen mit seinem Chef-Designer Wagener den letzten Sargnagel rein. China, übernehmen Sie. Ein Bekannter von mir, der bei Sternens arbeitet, sagte ganz richtig: "Früher haben wir Mercedes' gebaut, heute bauen wir Autos."

Account gelöscht!

06.05.2013, 16:41 Uhr

Ich hätte fast diesen Citan gekauft, um die A-Klasse - W 169 - altersbedingt auszutauschen. Denn die neue A-Klasse ist nun mal nicht familientauglich. Für meine Frau und meine Kiner wollte ich unbedingt einen sicheren Mercedes. Ich dachte der sei besser als Dacia etc. Nun habe ich erfahren, dass sich dieser Zetsche und der ganze Daimler-Vorstand einfach sagen, dass der Dacia und der VW auch nicht besser sind. Ford ist besser laut Bericht. Der Mercedes-Kunde wird betrogen. Er kauft Dacia-Niveau zu Mercedes-Preisen. Eine Frechheit, was da Zetsche und Co. diesbezüglich für Argumente anführen. Der Mann muss weg! Er runiert die Marke und verkauft die Kunden für blöd. Ich werde mir keinen Citan kaufen, denn meine Familie ist mir mehr wert als die Dacia-Ebene in Bezuf auf die passive Sicherheit.

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