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17.09.2013

14:54 Uhr

Porsche 911-Design

Der lächelnde Sportwagen

VonGünter Weigel
Quelle:Spotpress

Was macht die Faszination des deutschesten aller Sportwagen aus? Ein Teil der Erfolgsgeschichte beruht auf dem im besten Sinne einfachen, über die Jahrzehnte behutsam weiterentwickelten Grunddesign.

Happy Birthday Porsche 911: Das Design - Der lächelnde Sportwagen Porsche

Der 911 lächelt, weil ihm der sportwagentypische, aggressive Kühlergrill fehlt

„Um einen Porsche 911 zu zeichnen, braucht man eigentlich nur zwei Striche“, sagt Tony Hatter. Der Brite muss es wissen, er arbeitet seit rund einem Vierteljahrhundert als Designer bei Porsche, und er hat Recht. Zumindest, wenn man Striche als gebogene Linien betrachtet. Beide steigen kurz an und fallen dann lang und dynamisch ab, die längere der beiden Linien fängt am Scheinwerfer an und endet am Heck, die andere markiert die Frontscheibe samt Dachverlauf.

Klare, einfache Linienführung, das ist eine der Grundideen des 911-Designs, die sich bis heute gehalten haben. Dazu eine definierte Schulter und eine darauf sitzende Kabine. Tony Hatter sieht das Elfer-Design als eine Art Goldenen Schnitt, der in perfekten Proportionen mündet. Diese Proportionen, die schon der Ursprungsentwurf von Ferdinand Alexander „Butzi“ Porsche definiert hat, sind allerdings bedingt durch technische Vorgaben, die bereits damals, also Ende der 50er-Jahre, gewissermaßen aus der Zeit gefallen waren.

„Der 911er versinnbildlicht Ferdinand Porsches Ideal der Heckmotorkonstruktion, technisch obsolet – schon beim 356 – und deswegen einmalig“, erklärt der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli. „Daraus ergab sich um 1950 ein Novum und seit dem 911er eine ästhetische Besonderheit: Der 911 ist der einzige Sportwagen, der lächelt – weil ihm der sportwagentypische, aggressive Kühlergrill fehlt.“

Im Grunde führt der Elfer eine Designidee der 30er in die Neuzeit. Damals galt die Tropfenform als aerodynamisches Ideal, eine Vorstellung, die heute überholt ist. Weil Ferdinand Porsche aus dem VW Käfer den Sportwagen 356 entwickelte, war für den Elfer als dessen Nachfolger das Grundprinzip des Heckantriebs vorgegeben und auch die entsprechende Form mit dem abfallenden Heck. Bei den heute üblichen hohen Geschwindigkeiten benötigt der Elfer deshalb einen Spoiler, um die Nachteile dieses Hecks auszugleichen.

Weil man Spoiler bei Porsche, sieht man von den explizit rennsportlichen Modellen ab, im Normalfall höchstens dezent integrieren möchte wuchs das Heck im Laufe der letzten drei Generationen des Elfers immer höher, um die aerodynamisch nötige Abrisskante zu ermöglichen, eine Kante, die Tumminelli allerdings stört. Er erkennt „im neuen Modell zum ersten Mal Blechfalten – über den Rückleuchten. Dieser kreative Touch steht für mich im unnötigen Widerspruch mit der Design-DNA von Porsche seit 1950: glatt, konvex, schlicht.“

Die Grundform bleib die eines Tropfens - beim Turbo zwecks Erhöhung des Anpressdrucks verwässert Porsche

Die Grundform bleib die eines Tropfens - beim Turbo zwecks Erhöhung des Anpressdrucks verwässert

Dabei haben die Porsche-Designer das alte Konzept insgesamt behutsam in die Neuzeit geführt. Das Auto wurde zwar länger und vor allem breiter, aber jede Generation ist auf den ersten Blick als Elfer zu erkennen. Eine Leistung, die auch der Design-Forscher und Kritiker Tumminelli mit Respekt betrachtet.

„Die Fähigkeit, eine Form über mehrere Baureihen aufrechtzuerhalten, ja sogar vor schlechten Zeiten zu schützen, sie dabei stets zu modernisieren, ohne bis heute an Erkennbarkeit zu verlieren, zeugt von einer richtigen, klugen Entwicklung“, urteilt der Kölner.

Für das Temperament des Elfers sorgen seit 50 Jahren Boxermotoren mit sechs Zylindern - und teilweise mit Turbo Porsche

Für das Temperament des Elfers sorgen seit 50 Jahren Boxermotoren mit sechs Zylindern - und teilweise mit Turbo

Seit Ferdinand Alexander Porsche kam das Unternehmen mit drei Designchefs aus. „Butzi“ verließ Porsche 1971. Danach führte Tony Lapin die gestalterische Kreativabteilung der Zuffenhausener. Zwischen 1989 und 2004 zeichnete Harm Lagaay für die Form der Modelle verantwortlich, seitdem ist Michael Mauer Chef der Designer.

Der ehemalige Leiter der Saab-Gestaltung hat heute die Aufgabe, sehr unterschiedliche Modellreihen mit den Design-Genen von Porsche zu versehen. Die stammen natürlich vom Elfer, und wenn man genau hinschaut, kann man selbst in der Linienführung des SUV Cayenne oder in der Form der Panamera-Limousine eine Idee des Elfers entdecken. Zugegeben, man braucht dazu vielleicht mehr als zwei Striche.

Innen gibt es klassischerweise fünf Rundinstrumente und ein Zündschloss links vom Lenkrad Porsche

Innen gibt es klassischerweise fünf Rundinstrumente und ein Zündschloss links vom Lenkrad

So gut das Design des Elfers allerdings auch sein mag, es ist nur eine Komponente des Erfolges dieser Sportwagenikone. Für Paolo Tumminelli ist der Porsche 911 zudem „der einzige Sportwagen, der keine Rechtfertigung erfordert: Die demokratische Abstammung von VW, die kindertauglichen 2+2 Sitze, die verhältnismäßig hohe Energieeffizienz, die Langlebigkeit, also auch der Werterhalt der Form sind in dieser Kombination einmalig“.

Kommentare (3)

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17.09.2013, 17:49 Uhr

Der 911 fasziniert nicht nur absolut sondern auch relativ zum Wettbewerb:
1. Japaner? Können keine Sportwagen, noch nie.
2. Ferrari ist eine Klasse höher und erheblich mehr dem Sozialneid ausgesetzt.
3. Amerikaner haben immer noch viel vom Ludenimage.
4. BMW, Audi und Mercedes sind weder Fisch noch Fleisch.
Weitere Ideen?

Account gelöscht!

17.09.2013, 22:29 Uhr

Wenn 911, dann muss es schon der Speedster sein (einer von nur 356). So einfach ist das !

Account gelöscht!

17.09.2013, 22:52 Uhr

Oder der 991 GT3
Eine Woche und zwei Tage noch... ;-)

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