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23.01.2012

15:42 Uhr

Porsche, Ferrari & Co

EU will Lärmpegel von Sportwagen senken

VonSilke Wettach
Quelle:WirtschaftsWoche

Die EU-Kommission will den Autolärm dämpfen und knöpft sich vor allem die Hersteller von Sportwagen vor. Die sollen ihre Modelle deutlich leiser machen. Das Verkehrsministerium ist über den Vorstoß verärgert.

So unbeschwert lässt sich bald der Klang des Sechszylinder-Boxer im Porsche 911 Cabrio nicht mehr genießen. Zumindest wenn es nach den Vorstellungen des EU-Industriekommissars geht. obs

So unbeschwert lässt sich bald der Klang des Sechszylinder-Boxer im Porsche 911 Cabrio nicht mehr genießen. Zumindest wenn es nach den Vorstellungen des EU-Industriekommissars geht.

BrüsselRöhrende Sportwagen sind bald passé, zumindest wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht. Unter Führung von Industriekommissar Antonio Tajani hat die Behörde einen Vorschlag für eine Verordnung vorgelegt, mit der sie den Fahrzeuglärm um ein Viertel senken will. Binnen sieben Jahren sollen Pkws höchstens noch 68 Dezibel erzeugen, bisher sind maximal 74 Dezibel erlaubt.

Für Sportwagen plant die EU eine Sonderregel: Für Karossen mit einem Leistungs-Masse-Verhältnis von über 150 Kilowatt je Tonne wie beispielsweise den Porsche Carrera 911 sind bis zu 69 Dezibel zulässig. Laut Verband der deutschen Automobilindustrie würde dieses etwas höhere Limit für fünf Prozent der in Europa angebotenen Sportwagenmodelle gelten.

Am kommenden Donnerstag verhandeln die EU-Länder in Brüssel erstmals über die Pläne. Besonders starker Widerstand wird aus Deutschland kommen, wo sich Daimler, BMW und Porsche an den Grenzwerten stören. Das Bundesverkehrsministerium ist verärgert über den Vorstoß der EU-Kommission, weil die Bundesregierung im Sommer einen eigenen Vorschlag zum Thema Lärmbekämpfung bei der UN/ECE eingebracht hat, einem UN-Gremium, das weltweit Automobilstandards setzt.

Nicht nur der Porsche, auch der neue M5 von BMW wäre nach der neuen Regelung zu laut. Bisher sind bis zu 74 Dezibel erlaubt. Reuters

Nicht nur der Porsche, auch der neue M5 von BMW wäre nach der neuen Regelung zu laut. Bisher sind bis zu 74 Dezibel erlaubt.

Der deutsche Vorschlag sieht drei abgestufte Vorgaben vor: 68 Dezibel für Kleinwagen mit einem Leistungsgewicht bis zu 120 Kilowatt pro Tonne, 70 Dezibel für Wagen bis zu 160 Kilowatt je Tonne und 73 Dezibel für weitere Autos über 160 Kilowatt je Tonne wie den Porsche Carrera 911. Die Werte sollen binnen zehn Jahren erreicht werden.

Die Bundesregierung erhielt dafür auf internationaler Ebene ein positives Echo. Länder wie Japan, Südkorea und die USA hätten Zustimmung signalisiert, berichten Diplomaten. „Es ergibt wenig Sinn, nun auf europäischer Ebene mit einem neuen Vorschlag anzukommen“, heißt es im Bundesverkehrsministerium.

In dem neuen Vorschlag macht die EU-Kommission auch Auflagen für Busse und Lastwagen, nicht aber für Motorräder. Der Verkehrsclub Deutschland moniert zudem, dass die geplante Lärmreduzierung für Lkws geringer sei als für Pkws, obwohl Lkws derzeit rund die Hälfte des Verkehrslärms verursachten.

Elektro- und Hybridautos sollen dagegen lauter werden, meint die EU-Kommission. Sie plädiert für akustische Systeme, damit Fußgänger die Wagen hören. Ob Hersteller ihre Autos so ausstatten, soll ihnen aber selbst überlassen bleiben. Daimler etwa will Elektroautos lautlos rollen lassen.

Autos wie der Audi R8 GT sind deutlich lauter als die von der EU-Kommission geplanten 68 (bei über 150 Kilowatt pro Tonne auch 69) Dezibel. dpa

Autos wie der Audi R8 GT sind deutlich lauter als die von der EU-Kommission geplanten 68 (bei über 150 Kilowatt pro Tonne auch 69) Dezibel.

Kommentare (22)

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ferdi

23.01.2012, 17:26 Uhr

In Berlin laut andere zu übertönen muss nicht gleichbedeutend mit Verstand sein. Genauso ist es bei den Autofahrern.

chinamed

23.01.2012, 18:20 Uhr

Sehr gute Idee, den Straßenlärm von Fahrzeugen zu vermindern. Das sollte bei laut röhrenden Motorrädern beginnen. Für Gewerblich auf das Fahrzeug angewiesene Berufstätige ist es eine Zumutung auf Hauptstraßen von Berlin aus Lärmschutzgründen mit 30 km zu schleichen.
Dann besser den Lärm an der Quelle vermindern.

Lord_Regulator

23.01.2012, 18:42 Uhr

Bitte bitte, liebe EU, wenn ihr schon alle lärmenden Nervensägen abstellen wollt, dann verbietet das Telefonieren in der Öffentlichkeit. Besonders in Bussen und Bahnen werde ich tagtätglich von 1000 verschiedenen Leuten genervt, die mir all ihre Probleme und privaten Dinge an den Kopf werfen! Und wenn ihr schon dabei seid: bitte reduziert ebenfalls den Regulierungslärm aus Brüssel, er macht mehr Menschen krank als EHEC, BSE usw. zusammen! Die armen unmündigen Bürger der EUdSSR - so etwas könnt ihr denen doch nicht zumuten!
Und da ja jeder heutzutage - dank Wirtschaftsaufschwung und steigenden Löhnen - Porsche, Ferrari usw. fährt - ist dieser Schritt bei dieser immens großen Fahrzeugzahl auf europ. Straßen sicherlich äußerst wirkungsvoll. Vorallem dann, wenn die besonders ökologisch denkenden Menschen auf Busse umsteigen, die ja viel leiser sind als jeder Sportwagen.

PS: Werden LKWs jetzt auch lärmtechnisch reguliert?

PPS: Den Regulierungswahn in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!

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