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30.05.2012

10:58 Uhr

Preisnachlässe

VW hält Rabatt-Vorwurf für „Quatsch“

VonCarsten Herz

VW setzt auf systematische Rabatte, um die bundesweite Rabattschlacht zu befeuern, ergab eine Studie des Verkehrsexperten Ferdinand Dudenhöfer. Nun wehrt sich der Autokonzern: Er hält die Arbeit für „unseriös“.

Den Kleinwagen VW Polo bieten VW-Händler mit bis zu 23 Prozent Rabatt an. Die Rabattschlacht auf dem deutschen Automarkt gewinnt damit wieder an Schärfe. Pressefoto

Den Kleinwagen VW Polo bieten VW-Händler mit bis zu 23 Prozent Rabatt an. Die Rabattschlacht auf dem deutschen Automarkt gewinnt damit wieder an Schärfe.

FrankfurtAutoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat mit seiner aktuellen Rabattstudie einen offenen Konflikt mit Europas größtem Autokonzern Volkswagen ausgelöst. Der Hersteller wehrt sich vehement gegen die Kernthese der Erhebung, wonach VW mit deutlichen Nachlässen die Rabattschlacht in Deutschland befeuere.

Die Schlussfolgerungen seien "vollkommener Quatsch", sagte ein VW-Sprecher dem Handelsblatt. "Gerade er sollte wissen, dass ein Händler ein Einzelunternehmer ist und eigene Entscheidungen über seine Angebote trifft." Doch Dudenhöffer hält dagegen und erklärt, die Argumente von VW seien nicht "ernst zu nehmen".

Laut der Studie der Universität Duisburg-Essen, über die das Handelsblatt vorab berichtete, wurden im Mai erstmals mehrere Modelle von VW in Deutschland mit Nachlässen von bis zu 23 Prozent angeboten, womit der Marktführer die Rabattschlacht anheize. VW kontert nun: "Aus diesen regionalen, voneinander unabhängigen Angeboten auf eine von Volkswagen getriebene Verschärfung der Rabattsituation zu schließen ist nicht seriös und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage."

VW bestätigt damit indirekt die hohen Nachlässe, bestreitet jedoch, dass dahinter eine Vertriebsstrategie des Unternehmens stecke. Der Hintergrund: Die Händler in Deutschland sind eng über Verträge an die Hersteller gebunden, agieren aber - mit Ausnahme der Niederlassungen - selbstständig und auf eigene Rechnung.

Doch Dudenhöffer besteht darauf, dass die Nachlässe für wichtige VW-Modelle keine regionalen Einzelaktionen seien. Bundesweit werde der VW Golf über Internetvermittler mit 21 Prozent Nachlass im Durchschnitt angeboten, der Polo mit 18 Prozent - und stationäre Händler überböten diese Rabatte vereinzelt noch. "VW muss daher dicke Händler-Prämienprogramme am Laufen haben", sagte Dudenhöffer.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Rabattstudien in die Kritik geraten. Schon vor zwei Jahren hatten Händlerverbände kritisiert, dass die Expertisen den Preisverfall in der Branche anheizten.

ADAC-Umfrage 2011: So haben die VW-Marken abgeschnitten

Porsche

Dem Volkswagen-Konzern ist es gelungen, sich bei all seinen Marken in der ADAC-Kundenbefragung zu verbessern. Porsche führt das Feld mit einer Zufriedenheitsnote von 1,42 an.

Skoda

Skoda erreicht eine Marken-Zufriedenheit von 1,57. Die Bewertungen von 1899 Kunden führten zu Platz 12.

Audi

Audi belegt im Gesamtranking Platz 15. Die Kunden bewerteten ihre Zufriedenheit mit der Marke im Durchschnitt mit der Note 1,59.

Seat

Seat bekam von seinen Kunden die Note 1,72 verpasst. Damit belegt Seat Platz 21 unter den 35 getesteten Marken im ADAC-Ranking.

Volkswagen

Die Muttermarke schließlich schafft nur Platz 27, aber auch hier zeigt der Trend nach oben. 6406 Kunden vergaben durchschnittlich die Note 1,82.

Kommentare (3)

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30.05.2012, 11:27 Uhr

Komisch, die Tankstellenbetreiber sind ebenfalls Einzelunternehmer und können auch nix für die hohen Spritpreise...

Klugscheisser

01.06.2012, 18:51 Uhr

Tankstellenbetreiber verdienen rund 1 Cent pro Liter, unabhängig von der Höhe des Spritpreises.

aspi

12.06.2012, 14:31 Uhr

Duddenhöfer-Studien sind ziemlich oft daneben. Er sagte vor 2 Jahren den Deutschen Herstellern für 2010 ein Deseaster voraus, stattdessen war es ein blendendes Jahr. Mitte 2011 kritisierte er die langen Lieferfristen der deutschen Hersteller als "Ergebnis falscher Absatzplanung" (hätten sich die Konzerne an Duddenhöfers Absatzpprognosen gehalten, wären die Lieferfristen noch viel länger gewesen...). Im Herbst 2011 dann kündigte er dramatische Einbrüche für die deutschen Hersteller an, von denen bis heute - 10 Monate später! - nichts zu sehen ist. In einigen Börsenforen wird Duddenhöfer bereits als "Kontraindikator" für den Geschäftserfolg der deutschen Premiumhersteller gehandelt.

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