Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2013

16:03 Uhr

R1234yf

Daimler setzt weiter auf verbotenes Kältemittel

Weiter R134a statt R1234yf: Wegen Sicherheitsbedenken will Daimler in seinen Fahrzeugen weiter auf ein eigentlich verbotenes Kältemittel setzen. Damit riskiert Daimler den Entzug der Zulassung für einige Modelle.

Die neuen Modelle der A- und B-Klasse sind von dem Streit um das Kältemittel R1234yf betroffen. dapd

Die neuen Modelle der A- und B-Klasse sind von dem Streit um das Kältemittel R1234yf betroffen.

StuttgartDer Autokonzern Daimler verweigert weiter den Einsatz eines neuen Kältemittels in seinen Fahrzeugen und nimmt damit sogar den Entzug der Zulassung für bestimmte Modelle in Kauf. "Wir gehen davon aus, dass uns nichts anderes übrigbleibt, als das neue Mittel nicht einzusetzen", sagte ein Daimler-Sprecher am Mittwoch in Stuttgart der Nachrichtenagentur dapd. Es berge hohe Risiken für Insassen und Ersthelfer im Falle eines Unfalls. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) unterstützt das Vorgehen und wirbt um eine Übergangsfrist, um Sicherheitsbedenken auszuräumen.

Auf das neue Mittel mit dem Namen "R1234yf" hatte sich die Autoindustrie weltweit geeinigt, weil es vergleichsweise gute Umwelteigenschaften hat. In einem Crashtest von Daimler fing es allerdings Feuer. Der Konzern kündigte daraufhin an, weiter auf das eigentlich verbotene Kältemittel "R134a" zu setzen.

Laut EU-Richtlinie dürfen Kältemittel in Klimaanlagen von Fahrzeugen, die ab 1. Januar 2011 zertifiziert sind, einen bestimmten Grenzwert zur Umweltverträglichkeit nicht überschreiten. Weil die Hersteller des neuen Kältemittels Lieferschwierigkeiten hatten, wurde das alte Kältemittel bei neuen Modellen noch bis Ende 2012 geduldet, in alten Modellen kann es gemäß Richtlinie noch bis Ende 2016 eingesetzt werden.

Seit 1. Januar 2013 drohen nun aber Strafen. Laut einem Rechtsgutachten des Deutschen Bundestags, aus dem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im Dezember zitierte, müssten "verhältnismäßige, wirksame und abschreckende Sanktionen" angewandt werden. Das könnte der Zeitung zufolge bedeuten, dass im Extremfall die Typgenehmigung der betroffenen Modelle entzogen wird.

"Das neue Kältemittel ist nicht einsetzbar"

Bei Daimler wurden die neue A- und B-Klasse nach dem neuen Kältemittel zertifiziert, auch das neue Modell des Sportwagens SL ist betroffen. Dem Daimler-Sprecher zufolge ist es fraglich, ob es zu Strafen für den Konzern kommt. Durch den Crashtest, bei dem das neue Kältemittel Feuer fing, sei eine neue Situation eingetreten.

"Das neue Mittel ist nicht einsetzbar", betonte er. Der Konzern befinde sich in Abstimmung mit den EU-Behörden und dem Kraftfahrtbundesamt (KBA). "Die Gespräche verlaufen gut", sagte der Sprecher. Beim KBA hieß es lediglich, es handle nach den gesetzlichen Vorgaben.

Daimler kann auch auf Unterstützung der anderen Hersteller zählen. VDA-Geschäftsführer Ulrich Eichhorn hatte sich bereits im vergangenen Jahr für eine Übergangsfrist von mindestens einem halben Jahr ausgesprochen. "Es muss klar sein, dass ab 1. Januar 2013 weiterhin das herkömmliche Mittel 134a eingesetzt werden kann. Hier ist - auch von Brüssel - eine klare Abwägung zwischen Klimaschutz und Sicherheit vorzunehmen", sagte er dem Magazin "auto, motor und sport".

Einem VDA-Sprecher zufolge werden nach dem Daimler-Test jetzt zusätzliche Tests durchgeführt. Auf den Vorschlag von Eichhorn habe es noch keine Reaktion der Behörden gegeben. Es gebe allerdings auch keine Ansage, dass Strafzahlungen vorgesehen sind.

Auch BMW spricht sich für weitere Tests aus. "Wir nehmen sehr ernst, was sich da ergeben hat", sagte ein Sprecher. Das Unternehmen befinde sich im Dialog mit dem VDA. Allerdings drängt bei BMW die Zeit auch nicht, da aktuell kein Fahrzeug nach den neuen Anforderungen zertifiziert werden muss.


Von

dapd

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Brasil

02.01.2013, 16:39 Uhr

Nichts wird passieren, alles wird so gemacht, wie die Machthaber hinter den Politmarionetten es wollçen
Schliesslich bedarf es einiger Anstrengungen, die Menscheit soweit zu eliminieren, wie es den Rothschilds & Co. genehm ist! Ja, schreiben sie ruhig Vreschowrungstheorie und lassen sich einfach ueberraschen, denn dann sind sie ein typisch Deutscher!

blackdust

02.01.2013, 19:01 Uhr

Typisch Mercedes: Einen "Premium"-Aufschlag bei jedem verkauften PKW kassieren, aber als erster aufschreien, wenn mal in die PKW-Technik investiert werden muss. Wieso weigern sich dann Hersteller wie Dacia/Renault nicht, die müssen das Ganze schließlich wesentlich preiswerter in die Autos verbauen (... die eben trotzdem nicht leicht bei Crashs entflammen). Bei Daimler ist längst nichts mehr Premium, aber das merkt man bereits, wenn man mal einen PKW von denen gefahren ist und die Fahrererfahrung dann mit anderen PKW anderer Hersteller vergleicht. Natürlich hat man auch schön lange mit der Bekanntgabe der Entscheidung gewartet, damit sich der Prozess, ein ggf. anderes geeignetes Kältemittel zu finden, weiter verzögert... Der Umwelt tut man damit keinen Gefallen, dem "Premium"-Anspruch der Marke m.E. jedenfalls auch nicht. Für Daimler und deren Verantwortlichen wird mit Sicherheit keine Konsequenz aus der Entscheidung folgen.

ThorstenBadow

02.01.2013, 21:15 Uhr



Gut, dass im Internet jeder Spinner anonym jeden blödsinnigen Dreck von sich geben darf. Dahinter steckt immer ein Dummkopf.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×