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25.01.2012

15:03 Uhr

Ratgeber

Leihwagen als Gebrauchte lohnen nicht immer

Quelle:dpa

Junge Gebrauchte wie Jahreswagen oder Vorführfahrzeuge sind für Privatkäufer oft eine günstige Alternative zu Neuwagen. Der TÜV Süd weist aber zugleich auf die Nachteile dieser Schnäppchen hin.

Leihwagen aus Gebrauchte können Probleme bereiten. ap

Leihwagen aus Gebrauchte können Probleme bereiten.

MünchenBei Leasing-Rückläufern von Autovermietern oder aus Firmenflotten sind besonders hohe Nachlässe vom Neuwagenpreis möglich, hat der TÜV Süd festgestellt. Die Sachverständigenorganisation weist aber darauf hin: Der Wiederverkauf kann Probleme machen und der Wertverlust des Wagens sehr hoch ausfallen.

Viele Autokäufer haben laut dem TÜV Süd wegen der vermeintlich hohen Beanspruchung Vorbehalte gegenüber Mietwagen, deshalb lassen sie sich meist schwerer weiterverkaufen. Diese Vorbehalte teilen die TÜV-Experten zwar nicht, vor dem Kauf müssten aber stets alle Verschleißteile gründlich geprüft werden. Dass es sich bei einem Fahrzeug um einen ausgedienten Leih- oder Mietwagen handelt, dürfe nicht verschwiegen werden: Sie müssten im Kaufvertrag immer als solche gekennzeichnet sein.

Ein weiteres Problem beim Wiederverkauf könne die Ausstattung von Mietwagen machen: Fehlen bei diesen Autos fürs jeweilige Segment typische Extras, wird man sie nur schwer für gutes Geld wieder los, so der TÜV Süd. In der oberen Mittelklasse zum Beispiel seien beheizbare Ledersitze, Navi, Einparkhilfe, Schiebedach oder Xenon-Scheinwerfer sehr gefragt, im Kleinwagensegment Modelle mit fünf statt nur drei Türen. Unabhängig von der Marke seien in der oberen Mittelklasse außerdem Kombis beliebter als Limousinen.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Über all das müssen sich Autokäufer keine Gedanken machen, wenn sie einen Leasing-Rückläufer mit geringer Laufleistung günstig kaufen können und ihn viele Jahre lang fahren wollen. Denn als Dauerlösung rechnet sich die Anschaffung solcher Schnäppchenautos für den zweiten Halter durchaus, so der TÜV Süd.

Junge Leasing-Rückläufer von Autoverleihern und aus Firmenflotten werden nach TÜV-Angaben bis zu 40 Prozent unter dem Neuwagenpreis gehandelt, Jahres- oder Vorführwagen sind in der Regel teurer. Sie haben allerdings oft nur 5000 bis 10 000 Kilometer auf dem Tacho, bei jungen Mietwagen seien es dagegen häufig 20 000 Kilometer oder mehr.

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