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25.05.2011

13:50 Uhr

Roadster für Puristen

Nur quer bist Du wer

Quelle:dpa

Offen, hart, direkt - und garantiert ohne Sitzheizung: Am Automarkt halten sich exklusive Roadster erstaunlich stabil. Die Nischenanbieter setzen auf Purismus für aktive Fahrer. Und genau das erhält sie am Leben.

Cabriofahren wird immer komfortabler: Bei Tempo 80 stellt sich das Windschott auf. Bei Temperaturen unter 25 Grad treten Sitzheizung und Nackenföhn ihren Dienst an. "Die Einschränkungen werden geringer", fasst Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics aus Limburg den Trend zu immer mehr Annehmlichkeiten im offenen Auto zusammen.

Doch gerade Puristen lehnen die neuesten Komfort-Errungenschaften von Cabrio und Roadster ab. Sie nennen Autos wie den Mercedes SLK oder den offenen Golf Cabrios für Warmduscher und suchen nach handfesten Alternativen. Die sind zwar selten geworden, und man findet sie kaum bei den Großserienherstellern. Doch vor allem aus England kommen noch immer ein paar Roadster für die radikaleren Frischluftfans.

Morgan dpa

Morgan ist ein rein britischer Familienbetrieb, der immer noch Autos auf Holzrahmen fertigt.

Erste Adresse für solche Autos ist die Firma Morgan Motor Cars in Malvern, die ihr erstes Auto 1910 baute. Heute haben die Briten rund ein halbes Dutzend verschiedener Modelle im Angebot, die weitgehend in Handarbeit gefertigt werden. Mit neuen Motoren und einem Mindestmaß an Elektronik halbwegs auf der Höhe der Zeit, erfolgt die Konstruktion noch nach alter Väter Sitte: Der Rahmen ist dem Unternehmen zufolge aus Holz, die Karosserie wird aus Aluminium gebogen und die Innenausstattung ist aus Leder. Nur das Verdeck besteht mittlerweile aus PVC.

Die Palette beginnt beim 4/4-Sport mit einem 116 PS starken Vierzylinder für gut 40.000 Euro und reicht bis hinauf zum Aero Supersports für rund 170.000 Euro. Dieser hat einen V8 mit 4,8 Litern Hubraum und 376 PS.

Quelle: PR

Doch mit dem neuesten Modell sucht Morgan mehr als zuvor seine Wurzeln: Der offene Threewheeler hat drei Räder und Platz für zwei Insassen. Schon zwischen 1910 und 1953 baute Morgan mehr als 30 000 solcher Zweisitzer.

Morgans Threewheeler

Der Name ist Programm: Morgans Threewheeler ist ein beinhartes Dreirad in Bootform, das 2010 neu aufgelegt wurde und sehr frühe Modelle der Briten wieder aufgreift.

Die Neuinterpretation als Mischung aus Auto und Motorrad treibt ein 1,9 Liter großer Motor von Harley-Davidson an, der 115 PS leistet und 185 km/h ermöglicht. Rund 40.000 Euro kostet der Wagen.

Caterham Super Seven

Leichtgewicht: Der Caterham Super Seven wiegt nur knapp 600 Kilo. Seine 125 PS reichen deshalb für eine imposante Beschleunigung aus.

Ähnlich alt ist die Grundkonstruktion des Super Seven, der 1957 von Lotus-Gründer Collin Chapman entwickelt wurde. Der Zweisitzer mit der charakteristischen Aluminium-Nase wird heute von Caterham in der Grafschaft Surrey England gebaut und wiegt noch immer keine 600 Kilogramm. Deshalb reichen ihm nach Angaben des Herstellers bereits 125 PS für eindrucksvolle Sprintwerte - das Basismodell ist in 5,9 Sekunden auf Tempo 100.

Der Purismus hat auch mildernden Einfluss auf die Preise, die in Deutschland bei rund 30.000 Euro beginnen.

Der Druck auf den roten Starterknopf und das Antesten des Gaspedals verursachen einen Höllenlärm. Wenn brutale Beschleunigungskräfte das 500-Kilo-Gefährt packen - in 4 Sekunden auf 100 km/h - , dann sucht der Beifahrer  im Caterham Superlight R 400 verzweifelt irgendetwas zum Festhalten.

Der Druck auf den roten Starterknopf und das Antesten des Gaspedals verursachen einen Höllenlärm. Wenn brutale Beschleunigungskräfte das 500-Kilo-Gefährt packen - in 4 Sekunden auf 100 km/h - , dann sucht der Beifahrer im Caterham Superlight R 400 verzweifelt irgendetwas zum Festhalten.

Leicht und luftig - das ist auch das Motto für die Lotus Elise aus Hethel. Auch ihr Verdeck muss man noch in Handarbeit aufspannen. Messfühler sind Fehlanzeige, niedrigen Temperaturen begegnet man besser mit Kleidung als der Klimaanlage.

Lotus Elise

Hier ist Handarbeit gefragt: Das Verdeck des Lotus Elise wird noch mit Muskelkraft bedient.

Dafür bietet auch die dank Aluminium-Konstruktion und minimalistischer Ausstattung weniger als 900 Kilo schwere Engländerin Beschleunigungswerte wie ein Porsche zum Preis eines Mittelklasse-Modells. Mit Motoren von 136 bis 220 PS schafft es der Roadster, zu haben ab 37.450 Euro, in 6,5 bis 4,6 Sekunden auf Tempo 100.

Das es auch noch teurer und exklusiver geht, beweist die Automanufaktur Wiesmann seit mittlerweile mehr als 20 Jahren. Ihre in Handarbeit entstehenden Roadster mit BMW-Technik liegen locker über 100.000 Euro. Das direkte Gegenteil sind Kit Cars, also Baukastenautos, die geschickte Schrauber auch selber zusammensetzen können. Der an den Lotus Super Seven und die nachfolgenden Modelle von Westfield, Caterham und Donkervoord erinnernde Irmscher 7 ist eine solche Alternative. Und es gibt weitere, wie beispielsweise den atemberaubenden Ariel Atom, das zeigt unsere Bildergalerie am Textanfang.

"Kleinserienhersteller wie Morgan oder Caterham leben ganz gut in dieser Nische", sagt Jato-Experte Margetts: "Würden sie konventionelle Roadster bauen, die sich an Modellen aus der Großserie messen lassen müssten, wäre das wahrscheinlich ihr Ende." Für die Massenhersteller gilt entgegen solchem Purismus: Ihre Autos könnten sie wohl kaum vermarkten, wenn sie nicht über ein Mindestmaß an Komfort und Luxus verfügten.

Bei Geländecabrios wie dem Jeep Wrangler oder dem Land Rover Defender nehmen die Kunden lästige Handarbeit zum Öffnen und Schließen ebenso noch in Kauf wie flatternde Verdecke im Fahrtwind. Aber bei Sportwagen aus der Großserie wird ein gewisser Schick vorausgesetzt. Nicht umsonst waren konsequente, auf klassische Roadster-Qualitäten reduzierte Autos wie der Renault Sport Spider oder der Smart Crossblade wenig erfolgreich und wurden ohne Nachfolger schnell wieder eingestellt.

Mazda MX-5

Grenzgänger: Der Mazda MX-5 hat zwar Sitzheizung und Klimaanlage, das Verdeck aber wird noch per Hand bedient.

Doch auch die Balance von Minimalismus und Annehmlichkeit kann zum Erfolg führen: siehe Mazda MX-5. Zwar gibt es den japanischen Roadster längst auch mit Klimaanlage und Sitzheizung. Aber zumindest das Verdeck öffnet sich noch allein durch Muskelkraft - wenngleich dafür zwei Handgriffe genügen. Das komme selbst beim verwöhnten Publikum bestens an, so die Japaner. Allein sein Erfolg spricht für den MX-5, den es schon seit 21 Jahren gibt. Mit mittlerweile über 900.000 Fahrzeugen ist er laut Mazda der erfolgreichste Roadster der Welt. Zum Erfolg hat sicher auch der Preis beigetragen: In Deutschland ist der mindestens 22.290 Euro teure Roadster einer der günstigsten am Markt.

Kommentare (1)

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Achim

25.05.2011, 19:21 Uhr

Das Gerücht vom Holzrahmen des Morgen ist offenbar nicht totzukriegen.
Aus Holz, genauer gesagt aus Eschenholz, ist jedoch nur der Unterbau der Karosserie, dieser wird dann mit Aluminium beplankt.
Der Rahmen selbst ist ein Leiterrahmen aus Stahl, wie man sie heute fast nur noch von LKWs kennt, mit Starrachse an Blattfedern.
Auf die Gefahr hin, ein peinliches Geheimnis preiszugeben:
Sitzheizung ist lieferbar und in einer lauen Sommernacht kann es im offenen Mog bei 160 km/h oder mehr (man sehe mir meine saloppe Diktion nach) saukalt werden!

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