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13.04.2011

09:05 Uhr

Rolls-Royce 102 EX

Mehr Drehmoment als der V12-Benziner

Quelle:dpa

Umweltfreundlichkeit bei Rolls-Royce äußerte sich bisher durch Verbrauchsoptimierungen an ihrem V12. Kleinere Motoren - Fehlanzeige. Jetzt geht es gleich aufs Ganze: ein Elektro-Prototyp.

Der Autobauer testet mit dem "Experimental Car 102" einen Elektroantrieb.

Der Autobauer testet mit dem "Experimental Car 102" einen Elektroantrieb.

BerlinDie Autoindustrie steht unter Strom. Jetzt hat es sogar Rolls-Royce erwischt, der Autobauer experimentiert mit dem Elektroantrieb. Eingebaut ist er in einem Phantom, der so zum "Experimental Car 102" wird. Ausgerechnet Rolls-Royce: Gerade der Autobauer, der wie kein anderer für die Souveränität eines Zwölfzylinders steht, hängt sich ein modernes Mäntelchen um und experimentiert mit dem Elektroantrieb. Das "Experimental Car 102" basiert auf dem Phantom, dem Spitzenmodell von Rolls-Royce. Der Test dient vor allem der Meinungsforschung: "Wir wollen herausfinden, ob das ein alternativer Antrieb ist, den unsere Kunden akzeptieren würden", beschreibt Pressesprecher Frank Tiemann die Mission des großen Gleiters.

In der Ruhe liegt die Kraft

Die Ingenieure locken die Rolls-Royce-Gemeinde mit genau jenen Tugenden, die sie auch beim Benziner schätzen: Ruhe und Kraft. Denn wie jeder Stromer beschleunigt der elektrische Phantom nahezu geräuschlos, aber dafür umso drangvoller. Kaum mehr als das Rollen der Reifen und das Pfeifen des Windes ist zu hören, wenn der Dreitonner sich in Bewegung setzt. Und wie er das tut: Mit einem Elan, den man allenfalls einen Rhinozeros in Rage zugetraut hätte, wuchtet sich das Dickschiff in weniger als acht Sekunden auf Tempo 100. Das bei Tempo 160 schon wieder Schluss ist, liegt nur an der Vernunft der Ingenieure. Denn je stärker man Gas gibt, desto schneller schmilzt die Reichweite dahin. Das kann man auf dem Bordcomputer verfolgen. Gleichzeitig fällt die zur Batterieanzeige umgebaute Tankuhr um ein paar Grad zurück.

Rekord-Akku unter der Haube

Dass der Phantom trotz seines Gewichts so weit kommt, verdankt er der größten Batterie, die laut Rolls-Royce je in einen Pkw eingebaut wurde. Sie füllt den gesamten ehemaligen Motorraum, besteht aus 96 Lithium-Ionen-Zellen, wiegt 640 Kilogramm und hat eine Kapazität von 71 kWh. Zum Vergleich: Der Nissan Leaf fährt mit 24 und der Mitsubishi iMiev mit 16 kWh. Die luftgekühlten Akkus ermöglichen allerdings nicht nur eine vergleichsweise lange Fahrstrecke. Sondern im Gegenzug erfordern sie auch eine lange Ladezeit. Selbst bei 380 Volt dauert das Volltanken acht Stunden, und an der normalen Steckdose muss man rund 20 Stunden einplanen.

Da das Laden für Elektrofahrer zur lästigen Pflicht wird, will Rolls-Royce den Vorgang hübsch inszenieren: Die Steckerbuchse prangt deshalb unter einer gläsernen Tankklappe, die von innen blau beleuchtet ist. Oft öffnen muss der Rolls-Royce-Fahrer diese allerdings nicht. Weil sich das Strippenziehen in diesen Kreisen womöglich nicht geziemt, bekommt der elektrische Wagen auch eine spezielle Induktionsplatte am Wagenboden. Parkt man die Limousine über dem entsprechenden Gegenstück auf dem Asphalt, fließt der Strom auch ohne direkten Kontakt und vor allem ohne Kabel.

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