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14.04.2014

12:05 Uhr

Sinkender Absatz

Das Cabrio wird uncool

James Dean fuhr eins, John Travolta auch – doch Cabrios verlieren für die Autokäufer weltweit zunehmend an Reiz. Die Hersteller bieten ihre Erfolgsmodelle darum immer seltener „oben ohne“ an.

Für das Eos Cabrio von Volkswagen soll es wohl keinen Nachfolger geben. ap

Für das Eos Cabrio von Volkswagen soll es wohl keinen Nachfolger geben.

Cabrios, das waren lange das Fahrzeug der Unangepassten: James Dean fuhr in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ im offenen Porsche 550 Spyder seine Autorennen. John Travolta eroberte in „Grease“ im 948er Ford Deluxe Cabrio das Herz von Olivia Newton-John. Und die knallharten Detektive von „Miami Vice“ ermittelten noch in den 80ern im oben offenen Ferrari Daytona Spider 365 GTS. Doch die Legenden verblassen im Angesicht der jüngsten Verkaufsstatistik.

Die Nachfrage nach Cabrios ist seit 2004 um 44 Prozent eingebrochen. 465.800 Fahrzeuge - oder 0,7 Prozent aller weltweit verkauften Autos - sind oben offen. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig: In den wichtigsten Cabrio-Märkten USA und Europa wählen viele - insbesondere ältere Autofahrer - inzwischen lieber praktische Modelle wie SUVs. In den Wachstumsmärkten Indien und China werden geschlossene Modelle bevorzugt - Smog und überfüllte Straßen verderben dort den Cabrio-Spaß.

„Wenn man an Cabrios denkt, dann denkt man an offene Straßen und angenehme Fahrbedingungen - beides gibt es in Indien nicht“, sagt Depeesh Rathore von Emerging Markets Automotive Advisers aus Neu Delhi. Er kennt die Verhältnisse vor Ort. „In der Stadt steckt man im Stau. Wenn man das Verdeck öffnet, atmet man die Abgase der anderen ein. Fährt man neben einem Bus, kommt es sogar vor, dass etwas in das offene Cabrio geworfen wird.“ Wenn der Geruch der Freiheit nach Müll und Abgasen stinkt, vergeht den Autokäufern die Lust nach einem Cabrio.

Der sinkende Absatz lässt auch die Hersteller umsteuern. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg will Volkswagen darum für den VW Eos keinen Nachfolger mehr produzieren. Auch das Bluesport Concept, ein offener Roadster, den Volkwagen 2009 in Detroit enthüllt hatte, soll gar nicht erst in Serie gehen.

Kommentare (2)

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15.04.2014, 07:37 Uhr

Irgendwie nachvollziehbar - der Entwicklungsaufwand, ein offenes Auto genauso stabil, wie eine Limousine zu bauen, ist enorm, die Dachmechanik ist sehr komplex, weil es dem typischen Cabriofahrer offenbar nicht mehr zuzumuten ist, zwei Haken zu lösen und sich selbst um die Faltung des Verdecks zu kümmern. Da lobe ich mir das Klappdach meines Fiat 500 (alt) - ein Riegel auf und nach hinten klappen, fertig. Das ist dann zwar kein Cabrio, aber deutlich offener wie ein Schiebedach und das reicht mir auch. Bei einer Marge pro Auto selbst im Volumensektor um die 500 Euro rechnet sich ein Cabrio einfach nicht - da kann auch der deutlich höhere Preis die Entwicklungskosten nicht auffangen. Zumal die Hersteller offenbar denken, mit jeder neuen Generation das Rad neu erfinden zu müssen. Ein kleines Cabrio, einfach und ansprechend designt, mit mechanischem, handbetätigtem Verdeck, kein allzu großer Motor - das wäre auch heute noch ein Verkaufserfolg. Früher gab es das - besonders bei den Italienern und Engländern und daß sich so etwas noch heute verkaufen läßt, sieht man am Mazda MX-5. Nur so einen EOS - das will doch keiner, dem schwitzt die Spießigkeit doch aus jeder Pore. Und wie sagte der Chef-"Tester" von "Top Gear" Jeremy Clarkson noch: "The only person to ever look good in the back of a 4-seater convertible was Adolf Hitler." Derbe ausgedrückt, aber irgendwie hat er Recht.

Account gelöscht!

15.04.2014, 15:37 Uhr

Der Vorteil eines Cabrios ist: die Menschen im Ostblock können es NICHT gebrauchen und das zeigt sich in der Kfz-Diebstahlstatistik.

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