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07.05.2014

08:19 Uhr

Skoda Felicia

Das Ost-Cabrio der Käfer-Ära

Quelle:dpa

Als in Deutschland das Käfer Cabrio umherkurvte, gab es auch aus der damaligen Tschechoslowakei ein Open-Air-Modell: das Skoda Felicia Cabrio. Ein robustes Auto mit wenig Kraft und viel Charme.

Skodas zuckersüßes Cabrio Felicia muss sich nicht vor einer Borgward Isabella oder einem Karmann Ghia verstecken. Foto: Skoda/Petr Homolka dpa

Skodas zuckersüßes Cabrio Felicia muss sich nicht vor einer Borgward Isabella oder einem Karmann Ghia verstecken.
Foto: Skoda/Petr Homolka

Mlada BoleslavWer an Skoda denkt, dem kommen vor allem preiswerte Limousinen, Kombis und Familienautos in den Sinn. Für Fahrgenuss ist die tschechische VW-Tochter eher nicht bekannt. Gut, es gibt einen Octavia RS mit 162 kW/220 PS, und wenn man Fenster oder Schiebedach aufmacht, gibt es auch ein bisschen Frischluft. Doch ein Cabrio sucht man im Portfolio des stärksten Importeurs auf dem deutschen Markt vergebens. Zumindest unter den neuen Autos.

Wer jedoch im Internet bei den Gebrauchten schaut und dort den Filter für das Alter ein bisschen weiter öffnet, wird eines Besseren belehrt: vom Modell Felicia. Den Namen trug in den 90er Jahren ein Kleinwagen, doch in den 50er- und 60er-Jahren war „die“ Felicia, wie Skoda-Fans sagen, ein schmuckes und auch im Westen erhältliches Cabrio.

1957 eingeführt und anfangs 6.650 D-Mark teuer, erwehrte sich das offene Auto damals tapfer aller Vorurteile gegenüber dem Osten. Mit Leichtigkeit fuhr es umher und kannte keine Grenze zwischen Ost und West. Karmann Ghia, Borgward Isabella, VW Käfer Cabrio? Was die im Westen können, das können wir auch, so lautete die unterschwellige Botschaft des Autos mit dem Glück im Namen.

Genau 40 Jahre nach dem Ende der Produktion ist die „Isabella des Ostens“ nicht von allen vergessen. „Das Auto hat mittlerweile eine riesige Fangemeinde“, sagt Jens Herkommer, der in Schwarzenberg im Erzgebirge eine auf Skoda-Oldtimer spezialisierte Werkstatt betreibt. „Im Osten war die Felicia schon immer beliebt, weil es bei uns ja sonst kaum andere Traumwagen gab. Aber mittlerweile gibt es auch in den westlichen Bundesländern zahlreiche Freunde des kleinen Cabrios.“

Mit seinem hübschen Design und dem blinkenden Chromschmuck stiehlt der Klassiker bei den Oldtimer-Rallyes vor allem im Osten der Republik immer öfter so manchem Mercedes SL oder Porsche 911 die Schau - zumindest bis die Startflagge geschwungen wird.

Denn sobald sich der Pulk in Bewegung setzt, ist es vorbei mit der Herrlichkeit. Im Bug beginnt laut ein 1,2-Liter-Motor zu knattern. Mehr als 40 kW/55 PS sind dem Vierzylinder-Viertakter nicht zu entlocken. Bis das Cabrio mal auf Tempo 80 ist, dauert es.

Der Oldtimermarkt in Daten und Fakten

Preise klettern

Die Preise für historische Fahrzeuge sind 2013 gestiegen, das geht aus einer Berechnung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervor. Dessen Deutscher Oldtimer Index legte um 8,1 Prozent zu, 2012 betrug das Plus 4,2 Prozent. Vor allem im zweiten Halbjahr 2013 beobachtete der Verband eine deutliche Aufwärtsentwicklung im Markt.

BMW gefragt

Der BMW 520i (E12) hat laut VDA 2013 prozentual am meisten an Wert gewonnen. Damit steht in der Rangliste der Fahrzeuge mit dem höchsten Zuwachs gegenüber den Vorjahr erstmals ein Modell von BMW ganz oben. Den ersten BMW der 5er-Reihe produzierten die Münchner von 1972 bis 1981.

Suche nach Chrom-Juwelen

Zwei Trends beobachteten Analysten 2013 auf dem Oldtimer-Markt: Einerseits gibt es den Investment-Trend in Sachwerte auszuweichen. Darunter fallen zum Beispiel die Auktionen, in denen seltene Fahrzeuge, wie der Flügeltürer Mercedes 300 SL, extrem hohe Preise erzielen ...

... oder Fahrfreude im Schnauferl

Auf der anderen Seite des Oldtimer-Booms stehen die echten Enthusiasten. Sie geben im Schnitt für ein Fahrzeug weniger als 20.000 Euro aus. Ein reines Liebhaberhobby, ist doch kein exorbitanter Wertzuwachs erkennbar: In der Regel kompensiert er nicht einmal die stetig anfallenden Wartungs- und Erhaltungskosten.

Teure Massenware

Innerhalb der vergangenen 15 Jahre haben zwei Volumenfahrzeuge besonders stark an Wert gewonnen: Bei der „Ente“ Citroen 2CV 6 und dem „Bulli“ VW T2 verzeichnet der VDA den höchsten Zuwachs. 

Rost statt Chrom

Der Flügeltürer Mercedes 300 SL erzielte in den vergangenen Monaten Rekordpreise. So zahlte ein Käufer auf einer US-Auktion 1,4 Millionen Dollar für ein restauriertes Exemplar, auf der gleichen Veranstaltung kam ein ramponierter Flügeltürer im Originalzustand gar für 1,9 Millionen Dollar unter den Hammer.

Mehr Youngtimer

Auf Deutschlands Straßen sind mehr Youngtimer unterwegs. Die Zahl der Fahrzeuge im Alter von 20 bis 29 Jahren stieg 2013 auf rund vier Millionen.

Im Schnitt fällt jeder dritte Youngtimer bei der Hauptuntersuchung durch und erhält im ersten Anlauf keine neue Plakette.

... und mehr Oldtimer

Nie zuvor fuhren mehr historische Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen als heute. Derzeit sind es mehr als 314.000 Klassiker mit H-Kennzeichen. Jedes Jahr wächst der Bestand um rund zehn Prozent. Dabei ziert das H-Kennzeichen nur solche Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind und nach einer amtlichen Prüfung als „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ anerkannt sind. Insgesamt sind rund 452.000 Autos mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel unterwegs.

Teurer Stern

Auch das aktuell teuerste Auto der Welt wurde 2013 versteigert: Für 29,7 Millionen Dollar (rund 21,8 Millionen Euro) kam ein Mercedes W 196 Silberpfeil Rennwagen aus dem Jahr 1954 unter den Hammer.

Im Schnitt fünfstellig

Laut dem Marktbeobachter „Classic-Tax" liegt der Durchschnittswert eines Oldtimers in Deutschland bei rund 15.000 Euro.

Kein Wunder, dass man sich anfangs ein bisschen schwer damit tut, den Fuß länger auf dem winzigen Gaspedal stehen zu lassen und die Spitzengeschwindigkeit von knapp 130 km/h auszukosten. Zumal man beim Schalten aufpassen muss, weil das H-Schema spiegelverkehrt umgesetzt wurde: Der erste Gang ist oben rechts, der vierte unten links.

Schön sind die liebevollen Details, die sich Skoda schon vor 40 Jahren hat einfallen lassen: die Schalter im Keramik-Imitat zum Beispiel, den wunderbaren Drehaschenbecher oder die handgenähten Seitentaschen in den Türen.

Laut Skoda-Spezialist Herkommer ist die Marktlage hervorragend: „Es sind noch genügend Autos zu haben.“ Um Technik und Ersatzteilversorgung müsse man sich keine Sorgen machen: Hinterachsen und Kardanwellen können zwar marode sein, lassen sich aber problemlos besorgen und austauschen.

Selbst die Preise seien relativ human, sagt Herkommer und taxiert fahrfähige Exemplare ohne Reparaturstau auf etwa 10.000 Euro. Wer gar mit 15.000 bis 20.000 Euro kalkuliere, der müsse quasi nur noch volltanken und losfahren.

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