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07.10.2013

13:03 Uhr

Skurrile Rückrufaktionen

Von Rechts-Links-Schwächen und Benzin-Schnüffel-Spinnen

Quelle:Spotpress

Über Rückrufaktionen können normalerweise weder Autohersteller noch ihre Kunden lachen. In einigen Fällen aber doch.

Skurrile Rückrufaktionen - Von Rechts-Links-Schwächen und Benzin-Schnüffel-Spinnen giw/SP-X

Angriff der Gelben Sackspinne: Sie webte ihre Netze mit Vorliebe in der Tankentlüfting des Mazda6.

Eine Rechts-Links-Schwäche kann nicht erst im Straßenverkehr zum Problem werden, sondern bereits bei der Automobilproduktion. So geschehen im Honda-Werk in Lincoln, Alabama, wo Fließbandarbeiter das Schild mit der Modellbezeichnung des Vans an die rechte statt die linke Seite der Heckklappe klebten. Keine große Sache, könnte man meinen – trotzdem bittet der japanische Hersteller nun die Halter der betroffenen Fahrzeuge in die Werkstatt.

Wer die Begründung kennt, kann den kostspieligen Schritt allerdings nachvollziehen. Denn beim Wiederverkauf kann das inkorrekt montierte Typenschild vom potentiellen Käufer fälschlicherweise als Indiz für eine wenig sorgfältige Neulackierung im Zuge eines Unfallschadens gehalten werden. Wer keine Einbußen beim Wiederverkauf möchte, muss seinen Odyssey also um-labeln lassen.

Ebenfalls ein Problem mit rechts und links hatte im Jahr 2011 Citroen. Weil die Franzosen bei der Umrüstung ihrer Linkslenker-Autos für den britischen Markt nicht aufgepasst haben, mussten damals 20.000 Fahrzeuge in die Werkstatt. Zwar wurden dort die Pedale korrekt vom linken in den rechten Fußraum verlegt, die Mechanik und Elektronik blieben aber offenbar an Ort und Stelle und wurden nur von einem dünnen Stück Filz verdeckt. Trifft der Fuß des Beifahrers diese Schwachstelle, kann die Bremse ausgelöst werden.

Zu den ungewöhnlichsten Fällen der vergangenen Jahre zählte auch der Angriff der Gelben Sackspinne auf den Mazda6. Die Japaner mussten 2011 in den USA ihr Mittelklassemodell Mazda6 zurückrufen, weil die Arachniden mit Vorliebe in der Tankentlüftung ihre Netze weben – wohl auch, weil sie den Benzingeruch mögen. Dadurch verstopft das Ventil, der Tank kann Risse bekommen und schlimmstenfalls bersten. Insgesamt 52.000 Autos aus amerikanischer Produktion waren von dem Problem betroffen.

Zu den Klassikern der Rückruf-Geschichte zählt auch der Jeep Cherokee, der Anfang des Jahrtausends nicht nur mit einem leistungsfähigen Allradantrieb, sondern auch mit einer besonders potenten Sitzheizung auffiel. Ein Fehler in der Temperaturregelung führte bei Modellen von 2002 und 2003 zu extremer Hitzeentwicklung auf den lederbezogenen Vordersitzen. Im Extremfall wäre sogar ein Fahrzeugbrand möglich gewesen.

Wenn Hersteller und Verkäufer zu viel versprechen

Korrekte Angaben

Die Regel gilt zwar für alle Preisklassen. Aber die Fehler werden in der oberen Klasse schnell teurer. Darum sollte vor allem darauf geachtet werden, dass im Kaufvertrag das Herstellungsdatum korrekt angegeben ist und dass tatsächlich die Lieferung eines "Inland-Fahrzeugs" vereinbart wird und - falls nicht ausdrücklich gewünscht - die Lieferung eines Re-Imports ausgeschlossen ist.

Schriftliche Vereinbarungen

Gerade bei Edelautos gibt es viele Sonderwünsche. Umso wichtiger ist es, dass alle Vereinbarungen, wie beispielsweise die Lieferung eines speziellen Zubehörs, schriftlich niedergelegt werden.

Die richtige Unterschrift

Auch hier ist schon viel schief gelaufen. Deswegen raten Juristen dazu, unbedingt darauf zu achten, dass der Vertrag von einer vertretungsberechtigten Person auf Verkäuferseite unterschrieben wird.

Die richtige Reihenfolge

Ganz wichtig: Damit Autokäufer nicht ausgenommen werden, sollten sie den Kaufpreis nur Zug um Zug gegen Übergabe des Fahrzeugs mit allen Papieren zahlen. Wer sich hier großzügig zeigt und zu schnell zahlt, kann nachher eine böse Überraschung erleben.

Alle guten Dinge sind zwei

Ist der teure neue Wagen mangelhaft, hat der Verkäufer laut Experten nur zwei Reparaturversuche. Oft wird von Autohäusern und Herstellern behauptet, es gäbe noch einen dritten Versuch. Falsch. Nach schon nach zwei fruchtlosen Nachbesserungsversuchen kann der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten. Gerade bei hohen Kaufpreisen wird hier dann gern gestritten.

Eine Sache für den Anwalt

Nach dem zweiten Reparaturversuch kann die Einschaltung eines Anwalts unter Umständen weiterhelfen. Denn geht es um eine Rücktrittserklärung, sind verschiedene rechtliche Besonderheiten zu beachten.

Dass eine Vielzahl seltsamer Rückrufe aus den USA kommt, hat aber auch mit der dortigen Produktsicherheits-Politik zu tun, die manchmal fast schildbürgerhaft anmutet.

So auch im Fall des Cadillac SRX, der aufgrund einer falsch formulierten Bedienungsanleitung in die Werkstatt musste. In dieser wurde die automatische Abschaltung des Beifahrer-Airbags bei Nicht-Belegung des rechten Sitzes nicht erwähnt. Stattdessen hieß es, der Luftsack würde bei einem entsprechenden Crash immer auslösen. Aber statt nun einfach eine neue Anleitung an die Kundschaft zu verschicken, musste sich das Luxus-SUV in der Werkstatt die eigentlich intelligente Airbag-Steuerung deaktivieren lassen. Sicherlich die teurere und für den Kunden ärgerlichere Lösung.

Das Flying B von Bentley birgt bei einem Unfall Gefahren Bentley

Das Flying B von Bentley birgt bei einem Unfall Gefahren

Dass selbst Luxus-Hersteller vor Problemen nicht gefeit sind, musste 2010 auch die edle VW-Tochter Bentley erkennen. Peinlich genug, dass es beim damaligen Marken-Flaggschiff Arnage sowie seinen Coupé- und Cabrio-Ablegern Brooklands und Azure ausgerechnet an der prominent platzierten Kühlergrillfigur zu Korrosion kommen konnte.

Noch schlimmer, dass dadurch auch der Einklapp-Mechanismus beschädigt wurde, der das hervorstehende „Flying B“ bei einem Fußgängerunfall entschärfen soll. Was folgte war ein Rückruf von knapp 600 Autos allein in den USA.

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