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28.02.2013

15:15 Uhr

SLS AMG Coupé Electric Drive

Die geballte Ladung

Quelle:MID

Mercedes stellt den elektrisch angetriebenen SLS AMG Coupé Electric Drive mit herausragenden Leistungsdaten vor: Der E-Sportler wartet mit 1.000 Nm Drehmoment und einer Leistung von 750 PS auf.

Vier Elektromotoren im Mercedes SLS AMG Coupé Electric Drive leisten 552 kW/750 PS und entwickeln ein Drehmoment von 1.000 Nm. PR

Vier Elektromotoren im Mercedes SLS AMG Coupé Electric Drive leisten 552 kW/750 PS und entwickeln ein Drehmoment von 1.000 Nm.

Le Castellet/FrankreichMercedes legt mit dem elektrisch angetriebenen SLS AMG Coupé Elektric Drive den Schalter um. Der serienreife Super-Stromer kostet stolze 416 500 Euro. Das schwäbische E-Mobil markiert das fertige Produkt, das vor drei Jahren mit einem Prototypen bei der Tuning-Tochter AMG aus Affalterbach begonnen hat. Es steht für das preislich und technisch oberste Ende der Skala der Elektroautos. Mehr geht momentan nicht. In der Branche gilt der SLS AMG Coupé Electric Drive als Referenzmodell und bester Technologieträger für das emissionsfreie Fahren in der Zukunft, so sie denn so kommt.

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Ein Auto, wie es noch keines gab und wohl auch nicht mehr geben wird. Eine ingeniöse Meisterleistung, in dreijähriger Entwicklungsarbeit entstanden. Ein High-Tech-Hammer. Und er kommt keine 200 Kilometer weit.

"Wir machen da weiter, wo andere aufhören", sagt Daimlers Entwicklungsvorstand Thomas Weber nicht ohne Schmunzeln. Der kleine Seitenhieb war Audi gemünzt, die jüngst den Stecker aus ihrem Elektroprojekt gezogen haben, angeblich wegen Batterieproblemen. Mercedes dagegen sieht sich auf der Pole Position und ist der erste deutsche Hersteller, der bereits mit dem Smart seit vorigem Jahr ein Elektroauto an Privatkunden verkauft. Der kleine City-Flitzer avancierte vom Start weg zum Bestseller. Dem SLS AMG Coupé Electric Drive wird dies allerdings nicht passieren. Nur bis Ende Oktober läuft seine Bestellfrist. "Danach ist Schluss, egal, wie viele es dann geworden sind", sagt AMG-Chef Ola Källenius.

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Wer einmal Elektroauto gefahren ist, möchte es immer wieder tun. Trotzdem elektrisieren die Stromer die Masse der Autokäufer nicht. Das ist auch eigentlich kein Wunder, ihre Probleme sind seit über 100 Jahren bekannt.

Der Elektro-SLS übertrifft im Automobilbereich alles bislang da Gewesene. Das Fahrzeug wartet mit 1 000 Nm Drehmoment aus dem Stand heraus und 552 kW/750 PS Leistung auf. Der Batterie-Flügeltürer ist damit das stärkste AMG-Fahrzeug aller Zeiten, das auch mit seinen Fahrqualitäten punkten kann. Dabei geht es nicht primär um den Sprint auf 100 km/h, den der SLS AMG Coupé Electric Drive in weniger als vier Sekunden abhakt, auch nicht um die elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h - das können andere Sportwagen auch. Es ist die schier unglaubliche Agilität in Verbindung mit dem fast lautlosen Surren des Antriebs.

Dies alles ist umso verblüffender, da der Strom-SLS fast eine halbe Tonne mehr auf die Waage bringt als sein 1 620 Kilo schweres Pendant mit Achtzylinder-Benzinmotor. Maßgeblichen Anteil an der Handlichkeit haben die vier - wie AMG es ausdrückt - "radnahen" Elektromotoren. Sie sitzen jeweils vorne und hinten auf der Achse. Sie bremsen oder beschleunigen jedes einzelne Rad individuell.

Der Mercedes SLS AMG Coupé Electric Drive kostet 416.500 Euro. PR

Der Mercedes SLS AMG Coupé Electric Drive kostet 416.500 Euro.

Der SLS AMG Coupé Electric Drive benötigt weder Achsdifferenzial noch Sperre, und fährt dennoch permanent mit Allradantrieb. "Das Auto bewegt sich so, wie es der Computer vorgibt", sagt Ola Källenius. Die Elektronik kümmert sich ebenso um den Sound. Er wird digital erzeugt und über elf Bordlautsprecher eingespielt. Dies verhindert, dass der Hochleistungsstromer sich nicht wie eine Straßenbahn anhört.

Die 548 Kilo schweren Akkus des SLS bestehen aus drei Paketen und sind unter dem ehemaligen Mitteltunnel in einer Karbon-Box verbaut. Die 400-Volt-Stromspeicher besitzen nicht nur 60 kWh Kapazität, sondern auch die derzeit höchste Energiedichte von 110 Wh pro Kilogramm Gewicht.

Stromer kamen schon mal zu früh

Es begann 1881

Historisch gesehen war das Elektroauto schon öfter zu früh dran: Fünf Jahre vor Carl Benz erstem Auto mit Ottomotor fuhr bereits das erste Elektroauto. In den Kindertagen des Automobils behaupteten sich Elektroautos gleichberechtigt neben Dampfwagen und Verbrennern. Doch dann begann ein Jahrhundert des E-Mobil-Flopps. Nicht nur die begrenzte Fähigkeit der Energiespeicherung verhindert bis heute den Durchbruch der E-Autos.

Technische Puristen missgönnen bis heute Mercedes die Urheberschaft am Automobil. Sie reklamieren, dass nicht Carl Benz 1886 das erste Automobil der Geschichte gebaut hat, sondern der Franzose Gustav Trouvé fünf Jahre zuvor.

Der Erfinder und Elektroingenieur hatte 1881 in ein dreirädriges Fahrrad des englischen Herstellers "Starley Coventry" einen Elektromotor eingebaut. Mit Blei-Akkumulatoren erreichte das Vehikel, mehr rollender Prüfstand als Fahrzeug, eine Höchstgeschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde und schaffte eine Reichweite zwischen 14 und 26 Kilometern.

Vom Dreirad über die Kutsche zum Auto

Ein Jahr später bauten die englischen Professoren William Edward und John Perry ebenfalls ein elektrisch angetriebenes Dreirad. Die Regelung der Geschwindigkeit erfolgte über die Schaltung der zehn Akkumulatorenzellen. Jede hatte eine Kapazität von einer halben Kilowatt-Stunde bei einer Spannung von 20 Volt. Der Motor leistete 0,37 kW/0,5 PS. Zur weiteren Pionierleistung des Fahrzeugs gesellt sich die erste elektrische Beleuchtung bei einem Motorfahrzeug.

Werner Siemens baute 1882 in Halensee bei Berlin eine Kutsche mit elektrischem Antrieb. Das Fahrzeug konnte mehrere Personen befördern, lief aber über eine 520 Meter lange Versuchsstrecke nicht selbstständig mit einer Batterie, sondern zapfte Strom aus einer Oberleitung.

Die Ehre, das erste wirkliche Auto mit Elektroantrieb gebaut zu haben, gebührt der "Coburger Maschinenfabrik A. Flocken". Das vierrädrige Elektroauto für zwei Passagiere fuhr erstmals 1888. 2011 debütierte in Stuttgart eine Rekonstruktion des Fahrzeugs.

Frühe Erfolge

Da Ende des 19. Jahrhunderts mangels geeigneter Straßen noch nicht absehbar war, dass sich das Automobil zum brauchbaren Verkehrsmittel für Überlandfahrten qualifizieren würde, feierten Elektroautos als städtische Verkehrsmittel über kurze Distanzen beachtliche Erfolge. Zumal ihr Antrieb lautlos arbeitete. Angesichts des dichten Eisenbahnnetzes, das in jeden Winkel der Welt vorgedrungen war, erschien ein konkurrierendes Verkehrmittel als Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hatte. Alleine in Deutschland etablierten sich mehr als zwei Dutzend Hersteller von Elektrofahrzeugen.

Der Lohner-Radnaben-Porsche

Die Antriebstechnik verhalf auch einem jungen österreichischen Ingenieur zum Durchbruch. Der 24-jährige Ferdinand Porsche konstruierte 1899 für den seit 1821 aktiven Wagen- und Wagonbauer "k.u.k. Hofwagenfabrik Jakob Lohner & Co" in Wien ein Auto mit sogenannten "Radnabenmotoren". Dabei findet der Motor direkt im Rad Platz und sorgt ohne Einsatz von Antriebswellen für den direkten Vortrieb. Mit vier dieser Motoren realisierte Porsche ganz nebenbei den ersten Allradantrieb der Autogeschichte.

Alt-bekannte E-Auto-Probleme

Da das Gewicht der Batterie für eine akzeptable Reichweite rund eineinhalb Tonnen erreichte, konstruierte Porsche gleich den ersten Hybridantrieb mit einem Benzinmotor von Daimler, der als Generator die Radnabenmotoren mit Energie versorgte. Der Lohner-Porsche feierte 1900 seine Premiere auf der Weltausstellung in Paris. Bis 1906 entstanden rund 300 dieser Fahrzeuge, die zwischen 10.000 und 35.000 österreichische Kronen kosteten und vornehmlich als Taxen und bei der Wiener Feuerwehr zum Einsatz kamen. Wegen der geringen Reichweite floppte der Lohner-Porsche aber langfristig.

Starker Marktanteil in den USA

In den USA stellten 1900 die Autos mit Otto-Motoren nur einen Anteil von 22 Prozent am gesamten Fahrzeugbestand. 40 Prozent gingen an Dampfwagen, 38 Prozent an Elektroautos. In New York war sogar jedes zweite Automobil ein Elektrofahrzeug. 1912 erreichte der Elektroboom seinen Höhepunkt in den Vereinigten Staaten. 20 Hersteller hauten 33.842 E-Mobile.

Schlagartiger Bedeutungsverlust

Mit der rasant voranschreitenden Entwicklung von schnelllaufenden und leistungsstarken Otto-Motoren zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verloren die Elektroautos schlagartig an Bedeutung und überlebten nur noch in Nischen, beispielsweise als Lieferfahrzeuge.

Geliefert werden die Akkus von High Performance Powertrain in England. Die Firma beliefert unter anderem die Formel-1-Renner von Mercedes mit dem KERS-Hybridsystem. Dort allerdings muss der Strom nur für wenige hundert Meter während der Beschleunigung reichen, für den SLS verspricht AMG nach Normzyklus 250 Kilometer Reichweite.

Besonders stolz sind die Affalterbacher-Ingenieure darauf, in Sachen Elektro-Performance und Regelungssysteme sehr viel Know-how gesammelt zu haben, das nun allen Abteilungen im Unternehmen vom Daimler zur Verfügung steht. Sei es für die nächstes Jahr erscheinende Elektro-B-Klasse oder auch für zukünftige Plug-in-Hybride. "Wir können das jetzt", sagt Entwicklungschef Thomas Weber.

Technische Daten AMG SLS Coupé Electric Drive:

Zweisitziges Sportcoupé mit Flügeltüren, Länge 4,67 Meter/Breite 1,94 Meter/ Höhe 1,26 Meter /Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 176 Liter, Wendekreis: 13,2 Meter, Leergewicht: 2 110 kg, max. Zuladung: 325 kg, Batterie: 12 Lithium-Ionen-Module mit 72 Zellen, Kapazität: 60 kWh, Spannung: 400 V, Gewicht: 548 Kilo, Leistungsdichte: 110 Wh/kg.

Antrieb: Vier Permanentmagnet-Synchron-Elektromotoren, gemeinsames max. Drehmoment: 1000 Nm ab 1 U/min, gemeinsame Leistung: 552 kW/750 PS, 0-100 km/h: 3,9 Sek., Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (elektronisch begrenzt), Reichweite: 250 km, Effizienzklasse A+, Preis: 416 500 Euro.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

28.02.2013, 20:06 Uhr

Schitte, meine Portokasse ist gerade leer ... ^^

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