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24.02.2012

11:31 Uhr

Statistik

Nach 20 Jahren wieder mehr Verkehrstote

Fast 4.000 Menschen sind 2011 im Verkehr ums Leben gekommen. Die Zahl ist gestiegen, zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten. Die Statistiker sehen das Wetter als Hauptursache. Die Polizeigewerkschaft GdP findet das absurd.

Ein Kruzifix erinnert an einen tödlichen Unfall. ddp

Ein Kruzifix erinnert an einen tödlichen Unfall.

BerlinErstmals seit 20 Jahren ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland wieder gestiegen. Sie ging 2011 zudem noch stärker nach oben als erwartet, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. 3.991 Menschen starben nach vorläufigen Ergebnissen im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen. Dies waren 343 Getötete oder 9,4 Prozent mehr als 2010. Erste Schätzungen von Dezember 2011 seien von einem Plus von sieben Prozent ausgegangen. Rund 391.500 Menschen wurden verletzt. Dies ist eine Zunahme um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer sagte: „Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung sind die Witterungsbedingungen“. Die Verkehrssicherheitsarbeit bleibe ein zentrales Anliegen der Bundesregierung. Ziel sei es, die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu schützen, eine sichere Infrastruktur bereitzustellen und gute Rahmenbedingungen für intelligente Fahrzeugtechnik zu schaffen.

Auch das Bundesamt teilte mit, ein wesentlicher Grund für die negative Entwicklung im Jahr 2011 sei das Wetter gewesen: Relativ milde Wintermonate, ein sehr warmer, trockener Frühling und ein vergleichsweise schöner Herbst hätten zu mehr Getöteten und Verletzten geführt. Es werde „mehr und häufig schneller gefahren“, hieß es. Zudem seien mehr „ungeschützte Verkehrsteilnehmer“ wie Fußgänger und Zweiradfahrer unterwegs. Dadurch steige die Schwere der Unfälle.

Der Dezember 2011 habe die negative Entwicklung im vergangenen Jahr deutlich verstärkt, teilte das Bundesamt mit. Nach vorläufigen Ergebnissen wurden in diesem Monat 364 Menschen im Straßenverkehr getötet, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahresmonat. Dies war der höchste Wert in einem Dezember seit 2007.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), forderte mehr Geschwindigkeitskontrollen. „Jetzt muss die Hauptunfallursache angegangen werden, und das ist nun mal überhöhte Geschwindigkeit“, sagte Hofreiter. „Das bedeutet: Besser überwachen und schärfer bestrafen.“

Der Chef der Polizeigewerkschaft GdP, Bernhard Witthaut, wies die Erklärung als absurd zurück: „Die Menschen sind doch nicht am Sonnenbrand gestorben. Wir müssen der Leichtsinnigkeit, Rücksichtslosigkeit und Regelwidrigkeit im Straßenverkehr den Kampf ansagen.“ Die Entwicklung sei Beleg für den Niedergang der guten Sitten im Straßenverkehr. „Rücksichtlose Fahrweisen, Alkohol, überhöhte Geschwindigkeit und die Missachtung von Verkehrsregeln nehmen zu.“

Regional gibt es deutliche Unterschiede. In Hamburg fiel die Trendwende in der Verkehrssicherheit am radikalsten aus. In der Hansestadt starben zwölf Menschen nach Verkehrsunfällen. Das entspricht einem Anstieg von 54 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Quote um 32,4 Prozent, in Thüringen um 25 Prozent. Das gefährlichste Pflaster für Verkehrsteilnehmer ist Mecklenburg-Vorpommern. Gemessen an der Einwohnerzahl ist dort das Risiko, auf der Straße zu Tode zu kommen, mit 87 Toten auf eine Million Einwohner am größten.

Allerdings stiegen nicht überall die Verkehrstoten-Zahlen. In Rheinland-Pfalz sank die Quote um 6,3 Prozent. Damit liegt das Bundesland in der Statistik am besten. Weniger Unfalltote als im Vorjahr wurden 2011 auch in Baden-Württemberg, Brandenburg und im Saarland registriert.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.02.2012, 11:55 Uhr

Um die Unfallzahlen zu senken braucht es nicht viel. Man muss nur die richtigen Instrumente einsetzen. Wenn jedes Fahrzeug über einen Unfall-Daten-Schreiber verfügen Würde, dann würde die Disziplin ganz erheblich zunehmen. Das Fahren mit eingeschalteten Fahrlicht wie auch eine echte Winterreifenpflicht wären nützlich. Außerdem müssten alle Neufahrzeuge mit einem Abstandsradar ausgestattet sein. Die LKW-Unfälle, es sind i.d.R. Auffahrunfälle würden rapide zurück gehen.

Die Polizei plädiert für eine Halterhaftung. Die ist abzulehnen, weil diese unseren Rechtsgrundsätzen widerspricht. Nebenbei gesagt, geblitzt wird nicht an Unfallschwerpunkten, sondern da wo es in der Kasse klingelt und das ist durchaus als Abzocke einzustufen.

Manchmal müssen Verkehrsteilnehmer vor sich selber geschützt werden. Das gilt besonders für Radfahrer und Fußgänger. Besonders die Radfahrer verhalten sich sehr rücksichtslos, denn die wissen, dass sie mangels Kennzeichen kaum zur Rechenschaft gezogen werden können. Das geht aber nur, wenn die Bussgelder in einen 3-stelligen Bereich erhöht werden. Da kann dann keiner mehr von Abzocke sprechen.

Perlenkette

25.02.2012, 18:45 Uhr

In Deutschland werden die Autos PS-stärker und die Fahrer(innen) mental älter. Die Verkehrsdichte nimmt zudem nicht ab, sondern eher zu. Auch bei Motorrädern ist ein PS-Sprung vorhanden, ohne dass aber das Fahrer besser geschützt ist.
Junge Menschen sind mit PS-Kraft emotional überfordert und alte Menschen erlahmen natürlich in ihrem Seh-, Hör- ud Reaktionsvermögen. Also steigen völlig natürlich die Unfallzahlen.

In der fernen Zukunft werden das Risiko Assistenzsysteme abnehmen, aber die "Freiheit" der Verkehrsteilnehmer wird verloren gehen. Tuning wird dann mehr ein Interieurschwerpunkt und das Fahren wird dann mehr wie das synchrone Einklinken in eine Perlenkette.

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