Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2013

19:08 Uhr

Streit um Kältemittel

EU lässt deutsche Autobauer abblitzen

Die deutschen Autobauer haben in Bezug auf das neue Kältemittel, das seit dem neuen Jahr verwendet werden muss, Sicherheitsbedenken. Doch die EU-Kommission will den Herstellern deshalb keinen Aufschub gewähren.

Mercedes-Benz Werk in Sindelfingen. dpa

Mercedes-Benz Werk in Sindelfingen.

BrüsselIm Streit mit der EU-Kommission über ein neues Kältemittel für Auto-Klimaanlagen haben die deutschen Pkw-Hersteller einen Rückschlag erlitten. Die Brüsseler Behörde sieht "keinen Grund", den Autobauern hierzulande mehr Zeit zur Einhaltung von EU-Vorgaben zu gewähren, wie aus einem Schreiben der Kommission hervorgeht, das der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorlag. Seit dem 1. Januar sieht ein EU-Gesetz vor, ein umweltfreundlicheres Kältemittel einzusetzen. Gegen die Vorgabe haben in der Europäischen Union nur deutsche Autobauer Sicherheitsbedenken vorgebracht.

Vor allem Daimler weigert sich, das neue Mittel zu verwenden, das weniger zur Erderwärmung beitragen soll. Bei simulierten Unfällen hatte sich die Substanz nach Unternehmensangaben im Motorraum entzündet und giftige Gase freigesetzt.

Kältemittelstreit: Deutsche Autohersteller verlassen Expertengremium

Kältemittelstreit

Deutsche Autohersteller verlassen Expertengremium

Daimler und andere deutsche Hersteller bilden gemeinsam eine Gegenfront.

Um Sanktionen abzuwenden, die bis zur Aberkennung der Typgenehmigung führen können, wollte der Stuttgarter Konzern eine sechsmonatige Ausnahmegenehmigung anstreben. Die EU verlangt, dass die neue Substanz mit der sperrigen Bezeichnung HFO 1234yf ab 2013 in Klimaanlagen eingesetzt wird.

Die gesamte Automobilindustrie hatte sich seinerzeit für das neue Kältemittel für ab Anfang 2011 neu genehmigte Fahrzeugtypen entschieden, um die EU-Vorgaben zum Klimaschutz zu erfüllen. Als die beiden US-Hersteller DuPont und Honeywell die Substanz nicht in ausreichender Menge liefern konnten, erlies die EU bis Ende 2012 ein Moratorium. Damit konnte das alte Kältemittel weiter genutzt werden, das klimaschädlicher ist.

Von

rtr

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.02.2013, 19:29 Uhr

" Bei simulierten Unfällen hatte sich die Substanz nach Unternehmensangaben im Motorraum entzündet und giftige Gase freigesetzt."

Na wie gut das die EU für uns alle denkt. Giftige Gase sind vielleicht "klimafreundlicher", dass das neue Kältemittel aber schneller zu einem Feuertod eines Unfallsopfers führen kann, ist offensichtlich unerheblich.

Rohling

11.02.2013, 20:04 Uhr

DuPont und Honeywell haben ein Patent und somit ein Monopol auf die meisten Kaeltemittel. Jedes mal wenn ein Patent auslaeuft, wie es mit R134a war, kommt duPont mit einem neuen Cocktail.
Es werden bestimmt reichlich Schmiergelder auf Regierungsebene bezahlt, um die Gesetzesauflagen fuer die neue Kuehlsubstanz durchzudruecken.
Sollte sich das Kuehlmittel wirklich als gefaehrlich herausstellen, kann man als Geschaedigter noch nicht einmal DuPont verklagen, denn unsere allmaechtige EU hat das Produkt in hoechster Instanz zugelassen.

Account gelöscht!

12.02.2013, 07:56 Uhr

An welchen EU Kommissar dürfen dann die Klagen zukünftiger Opfer / Witwen / Waisen gerichtet werden? Mit einer derartigen Entscheidung kommt auch die Verantwortung, für die Folgen mit allen Konsequenzen gerade zu stehen. Ich bin gespannt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×