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24.08.2013

17:08 Uhr

Studenten-Film

Mercedes ärgert sich über Fake-Video mit Hitler

Darf man mit Hitler Werbung machen? Oder in einem Werbeclip ein Kind überfahren lassen? Filmstudenten aus Baden-Württemberg haben ein provokantes Video gedreht – und fahren damit dem Autobauer Daimler an den Karren.

Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg haben einen provokanten Spot mit einem Mercedes gedreht – und damit den Unmut des Autobauers auf sich gezogen. dpa

Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg haben einen provokanten Spot mit einem Mercedes gedreht – und damit den Unmut des Autobauers auf sich gezogen.

StuttgartStudenten der Filmakademie Baden-Württemberg haben einen provokanten Spot mit einem Mercedes gedreht - und damit den Unmut des Autobauers auf sich gezogen. In dem Video erkennt das Auto dank seiner Technik Gefahren, „bevor sie entstehen“ - und tötet dabei kurzerhand den jungen Adolf Hitler. Die Macher mussten in das Video auf Wunsch des Autoherstellers nachträglich Hinweise einfügen, dass Daimler mit dem Spot nichts zutun hat.

„Ich verstehe das“, sagte Regisseur Tobias Haase der Nachrichtenagentur dpa. „Es hat dem Film aber auch nicht geschadet, auch wenn er vorher schöner war.“ Der Werbespot ist für den Deutschen Nachwuchspreis First Steps nominiert, den Mercedes-Benz unterstützt.

„Wir sind der Überzeugung, dass es unangemessen ist, den Tod eines Menschen beziehungsweise eines Kindes sowie Inhalte mit einem Bezug zum Nationalsozialismus in einem Werbespot zu verwenden, auch wenn es sich hier nur um einen "fiktiven" Werbespot handelt“, erklärte Daimler am Samstag.

In dem Clip stoppt die Limousine auf dem Weg durch ein historisch anmutendes Dorf in Österreich dank des Fahrerassistenzsystems automatisch, wenn spielende Kinder auf die Straße rennen. Nur auf den kleinen Adolf steuert das Auto unbeirrt zu - und überfährt ihn. Am Ende bleibt das Kind auf dem Boden liegen. Seine Gliedmaßen formen ein Hakenkreuz. Letzte Einblendung: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“

Was Marken erfolgreich macht

Was der Experte sagt

Der Marketingfachmann Hermann H. Wala hat das Buch geschrieben: „Meine Marke. Was Unternehmen authentisch, unverwechselbar und langfristig erfolgreich macht“. Die Kernthesen im raschen Überblick.

Selbstverantwortung

Die Marke ist zu wichtig, um die allein der Marketingabteilung zu überlassen. Auch die Geschäftsleitung muss sie mitentwickeln und gegenüber Geschäftspartnern nach außen hin glaubwürdig verkörpern.

Werte

Authentische Werte sind Leitlinien, keine Parolen. Unternehmen werden auch an ihrem sozialen Engagement gemessen.

Emotionen

Wer die Aufmerksam der ohnehin übersättigten Konsumenten gewinnen will, muss sie emotional berühren. Kundenherzen gewinnt man nicht mit faktischen Produkteigenschaften, sondern durch das Erfüllen von Träumen.

Geschichte(n)

Eine gute Geschichte bewirkt mehr als die allermeisten Verkaufsargumente. Sie gräbt sich in Kundengedächtnis ein und schafft Identifikation.

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Dynamik

Spannend bleiben und gleichzeitig Kontinuität wahren – diesen Spagat schaffen erfolgreiche Marken. Dehnungen müssen zu ihr passen. Innovativ sein bedeutet, Kundenbedürfnisse immer besser zu erfüllen.

Positionierung

Positionierung ist ein Wettstreit der Wahrnehmungen, kein Wettstreit der Produkte. Einen Logenplatz im Kundentop erobert, wer es schafft, seiner Marke für die Zielgruppe begehrenswerte Differenzierungslinien zu verleihen.

Im Netz löste der Spot zwiespältige Reaktionen aus: Nutzer der Videoplattform Vimeo, auf der der Film zu sehen ist, bezeichnen ihn als „nicht witzig“ und „deutliche Kaltschnäuzigkeit“. Andere loben den Film als „geniales Stück“ oder schlichtweg „großartig“. Offen bleibt die Frage: Darf man mit Hitler Werbung machen - und in einem Film ein unschuldiges Kind überfahren lassen?

Zumindest sollten sich deutsche Autobauer in Sachen Werbung mehr trauen, findet Macher Haase. „Es gibt unglaubliches Potenzial, tolle Filme zu machen, aber die Firmen wollen zumeist ihre technischen Neuerungen gezeigt haben. Das ist langweilig“, sagte er.

Von

dpa

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