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21.07.2012

09:15 Uhr

SUV-Modelle

Outdoor-Boom begeistert die Autobauer

VonMartin-W. Buchenau, Carsten Herz, Mark C. Schneider

Schon jetzt ist jeder siebte Neuwagen in Deutschland ein „Sports Utility Vehicle“. Nun hat der Trend sogar Kleinwagen erreicht. Die Entwickler trimmen auch sie auf Geländegängigkeit - die Absatzpotenziale sind gewaltig.

Montage eines BMW X3 im BMW-Werk Spartanburg in den USA. dpa

Montage eines BMW X3 im BMW-Werk Spartanburg in den USA.

Als gestern in Rastatt das erste Modell der Mercedes-A-Klasse vom Band rollte, sprach Daimler-Chef Dieter Zetsche von einem „weiteren Meilenstein der Wachstumsstrategie“ seines Konzerns. Und er kündigte an, dass es die A-Klasse bald auch als schicken, kleinen Geländewagen in Golf-Größe, den GLA, geben wird. Denn: „Kleine SUV sind das am stärksten wachsende Segment in der Autoindustrie.“

Tatsächlich haben die Sports Utility Vehicles, sportliche und geländetaugliche Familienkutschen, deutsche Straßen im Sturm erobert. Fast jeder siebte Neuwagen, der in der ersten Jahreshälfte verkauft wurde, war ein SUV. 2011 wurden nach Berechnungen des Car-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen gut 422.000 der geländegängigen Familienkutschen verkauft - obwohl das beliebteste Premium-SUV, der BMW X3, bei einem Listenpreis von 37.800 Euro beginnt.

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Zu den größten Verlieren gehören die Opelaner.

Der sportliche Geländewagen ist für viele heute mehr Lebensgefühl als Auto: „Ein SUV vermittelt durch seine Größe das Gefühl eines beweglichen Zuhauses“, sagte die Modedesignerin Jette Joop, die am Art Center College of Design im kalifornischen Pasadena Autodesign studiert hat, dem Handelsblatt. Auch für moderne Frauen, die ihren Erfolg gern mit Statussymbolen der Männer zeigten, seien die Autos interessant. Für andere stehe der SUV für Sicherheit - „vergleichbar mit dem Pulli des Freundes, der ihnen Geborgenheit vermittelt“.

Der Marktanteil des SUV-Segments wird nach Prognosen des Car-Center weiter rasant wachsen - auf 18 Prozent bis 2015. Denn die Autohersteller geben inzwischen nicht nur Familienkutschen mit großem Benzinverbrauch, sondern auch Klein- und Kompaktwagen eine SUV-Gestalt.

Der VW „Tiguan“ in Golf-Größe ist mit 29.032 verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr Bestseller auf dem deutschen Markt und bringt Volkswagen eine Marge von geschätzt 15 Prozent. Um an diese Erfolge anzuknüpfen, arbeiten die Wolfsburger auch an einer SUV-Variante des Kleinstwagens Up und einer Geländeversion des Polo, die 2015 auf den Markt kommen soll.

BMW bietet einschließlich seiner Tochtermarke Mini bereits fünf Geländemodelle und verkauft 480.000 SUV pro Jahr, das entspricht fast 30 Prozent des Absatzes. „Wir sehen weiteres Wachstum“, sagte ein Konzernsprecher, deshalb ist jetzt mit dem kompakten X4 das sechste Modell in Planung. Und der Daimler-Konzern, der 1997 mit der Mercedes-M-Klasse die SUV in Deutschland erst populär machte, legt mit der A-Klasse nach.

„Der Autobauer, der keine Kompakt-SUV im Angebot hat und das Angebot nicht permanent ausbaut, kann sich aus dem deutschen Automarkt zurückziehen“, sagt Car-Center-Direktor Ferdinand Dudenhöffer. Das lässt Schlimmes für die in der Krise steckenden Massenhersteller Opel und PSA Peugeot Citroën erahnen. Beide haben den boomenden SUV-Markt sträflich vernachlässigt.

Kommentare (19)

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norbert

21.07.2012, 09:35 Uhr

Es ist erstaunlich, wieviel Geld man den Menschen abnehmen kann, wenn man nur den richtigen Nerv trifft ...

madhouse

21.07.2012, 10:36 Uhr

Bei einer anderen Tageszeitung spricht man von einem drohenden Flächenbrand der Branche, Höchststand an taktischen Zulassungen, Preisschlachten und Höchstrabatte vor allem im gehobenen Segment und im Handelsblatt von einem Boom bei den SUV-Zahlen.
Wollen wir mal hoffen, dass das HB recht behält.

Sven

21.07.2012, 10:43 Uhr

Ich kaufe auch nur noch SUVs. Die Höhe ist beim Ausfahren aus unübersichtlichen Straßen Gold Wert, man hat eine viel bessere Übersicht über den Straßenverkehr. Außerdem macht die hohe Sitzposition viel mehr Fahrspaß (mit dem richtigen Fahrwerk wohlgemerkt). Last but not least hat man durch die höhere Bodenfreiheit viel mehr Sicherheit im Winter (nicht geräumte Parkbuchten und wenn man auf engen Straßen auf den Rand ausweichen muss) und bei steilen Garageneinfahrten.

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