Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.09.2014

10:05 Uhr

Suzukis scharfe Spaßgranate

Swift trifft Hayabusa

VonBenjamin Bessinger
Quelle:Spotpress

Mit dem auf 330 PS aufgebohrten Vierzylinder der monströsen Hayabusa wird aus dem kreuzbraven Suzuki Swift eine kleine Granate, die großen Spaß macht. Leider ohne Chance auf Serienfertigung.

Eigentlich ist der Suzuki Swift ein kreuzbraver Kleinwagen.  Suzuki

Eigentlich ist der Suzuki Swift ein kreuzbraver Kleinwagen. Bis zum dem Zeitpunkt, zu dem ihm Superbike-Motor eingebaut wird.

Eigentlich ist der Suzuki Swift ein kreuzbraver Kleinwagen. Zwar sieht er ganz chic aus und geht mit etwas gutem Willen sogar als günstige Kopie des Mini durch. Doch spätestens wenn man den Zündschlüssel dreht, erlebt man eine arge Enttäuschung. Denn mehr als 136 PS hat der Swift auch als Sport nicht zu bieten, und selbst der schwerste Bleifuß kommt nicht an die 200 km/h.

Damit ist gegen Kraftzwerge wie den Mini Cooper S, den VW Polo GTI oder den Opel Corsa OPC kein Blumentopf zu gewinnen. Es sein denn, man überlässt den Junior aus Japan Menschen wie Niki Schelle.  Denn der Bayer ist nicht nur Rallye-Profi und Suzuki-Werksfahrer, sondern vor allem ein Tüftler, der sich für keine verrückte Idee zu schade ist. Selbst wenn der den Wagen dafür mit einem Motorrad kreuzen muss.

„Aber Crossover liegt ja im Trend‘“, sagt Schelle mit einem verschmitzten Lachen: „Und wer wenn nicht Suzuki hätte das Recht, es mal mit dieser Kreuzung zu versuchen?“ Schließlich bauen die Japaner nicht nur den Swift, sondern auch das Monstermotorrad Hayabusa, das mit knapp 200 PS und über 300 km/h zu den schnellsten Motorrädern der Welt zählt.

So oder so ähnlich müssen die Gedanken gewesen sein, die Schelle mit seinen Kollegen bei Suzuki irgendwann beim Feierabendbier gewälzt hat. Und eher er sich’s versah, stand er in England in einer Rennwerkstat und brachte zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört: Swift trifft Hayabusa, ein braver Kleinwagen wird gekreuzt mit einem Biest - und heraus kommt eine Bestie.

Binnen fünf Wochen hat Niki Schelle den Bug des Kleinwagens ausgeräumt, den Antrieb gedreht und im Heck den 1,3 Liter großen Vierzylinder der Hayabusa eingebaut.  Suzuki

Binnen fünf Wochen hat Niki Schelle den Bug des Kleinwagens ausgeräumt, den Antrieb gedreht und im Heck den 1,3 Liter großen Vierzylinder der Hayabusa eingebaut.

Binnen fünf Wochen hat Schelle den Bug des Kleinwagens ausgeräumt, den Antrieb gedreht und im Heck den 1,3 Liter großen Vierzylinder der Hayabusa eingebaut. Und weil ihm das noch nicht wild genug war, hat er die Motorrad-Maschine gleich noch mit einem Turbo aufgerüstet und so die Leistung mal eben auf 330 PS gesteigert. Dazu noch ein Sportfahrwerk, ein ausgeräumtes Innenleben mit nicht viel mehr als einem kleinen Lenkrad, zwei großen Schalensitzen, Hosenträger-Gurten und Sicherheitskäfig und eine dezent nachgeschärfte Rennkarosse – fertig ist die kleine Spaßgranate.

Schon beim Aufbau des Super-Swift hat Schelle ordentlich geschwitzt. Denn es war gar nicht so einfach, den Antrieb nach hinten zu verlagern, den Motorradmotor mit einem automobilen Renngetriebe zu verheiraten und die unterschiedlichen Schaltkreise miteinander zu verknüpfen, erzählt er von den Kniffen der Konstruktion. Von den thermischen Herausforderungen im Heck ganz zu schweigen.

Um den Brummkreisel irgendwie auf Kurs zu halten, muss man auch noch den Motor und das sequentielle Sechsgang-Getriebe bändigen, das ähnlich funktioniert wie im Motorrad Suzuki

Um den Brummkreisel irgendwie auf Kurs zu halten, muss man auch noch den Motor und das sequentielle Sechsgang-Getriebe bändigen, das ähnlich funktioniert wie im Motorrad

Doch all das waren Wellness-Wochen, verglichen mit der Zeit hinter dem Steuer. Denn jetzt, wo der Swift mal fertig ist und sich die ungleichen Partner aus dem Suzuki-Imperium aufeinander eingespielt haben, ist der Kleinwagen eine teuflisch heiße Kiste und jede Fahrt wird zum Höllenritt. Und zwar nicht nur, weil der Motor hinter der dünnen Plexiglasscheibe im Heck heizt wie Brennstäbe in einem Atomkraftwerk. Sondern vor allem, weil in diesem Swift ein Feuer brennt, wie man es sonst allenfalls von Ferrari & Co kennt. Und es braucht nur ein paar Meter, dann hat es auch den Fahrer voll erfasst.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×