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23.02.2016

11:58 Uhr

Tachobetrug

Wer hat an der Uhr gedreht?

Quelle:dpa

Ein Klick, ein Tastendruck und schon dreht sich die Uhr rückwärts: Dank moderner Programmiergeräte ist die Manipulation von digitalen Tachowerten bei Autos keine Zauberei. Doch das Fälschen ist kein Kavaliersdelikt.

Wie viel Kilometer ist der Gebrauchte schon gefahren worden? Der Kilometerstand ist schon längst keine verlässliche Quelle mehr. Zu leicht lässt er sich manipulieren. dpa

Kilometerstandanzeige im PKW

Wie viel Kilometer ist der Gebrauchte schon gefahren worden? Der Kilometerstand ist schon längst keine verlässliche Quelle mehr. Zu leicht lässt er sich manipulieren.

Um mehrere tausend Euro lässt sich der Wert eines Gebrauchten mit Hilfe eines gefälschten Kilometerstands steigern. Das gewisse Know-how vorausgesetzt, sind Tachomanipulationen selbst in der heimischen Garage machbar. Die Straftat - es handelt sich immerhin um handfesten Betrug - ist allerdings kein Kavaliersdelikt.

Der ADAC beziffert den jährlichen Schaden für Verbraucher auf knapp sechs Milliaden Euro. Angesichts von mehr als 40 Millionen zugelassenen Autos in Deutschland tappt die Polizei aber meist im Dunkeln.

Während Verkäufer von Gebrauchtwagen die Tachowerte zugunsten höherer Verkaufspreise nach unten schrauben, wollen Fahrer von Leasing-Autos mögliche Strafen wegen zu hoher Laufleistungen entgehen. Umgekehrt riskiert der Käufer nicht nur einen zu hohen Preis, auch die Sicherheit kann darunter leiden, wenn das Auto schon weiter gefahren ist als angenommen und wichtige Checks ausgeblieben sind.

Obwohl das Problem schon lange bekannt ist, fehlen bislang Gegenmaßnahmen. Autoclubs wie ADAC und Auto Club Europa (ACE) fordern von den Autobauern technische Lösungen in Form von Computerchips, die Politik mahnt die Einführung von Datenbanken an, in denen die Laufleistungen protokolliert werden.

Tachobetrug erkennen

Innenraum anschauen

Abgenutzte Pedale, aufgeriffelte Sitzpolster und ein abgegriffenes Lenkrad – solche Spuren im Innenraum deuten auf viele gefahrene Kilometer hin. Doch Vorsicht: Auch wenn der Innenraum gut in Schuss ist, kann der Motor bereits mehr gelaufen sein, als der Kilometerstand vorgibt. Denn vor dem Kauf hübschen die Betrüger nicht selten den Innenraum auf.

Unterlagen prüfen

Angegebene Kilometerstände in den Reparaturrechnungen, auf den Motorölwechsel-Anhängern und in Serviceheften sollten überprüft und verglichen werden. Wenn dabei Unstimmigkeiten auftauchen oder auch bestimmte Unterlagen ganz fehlen, ist Vorsicht geboten. Auf das Scheckheft allein sollte man sich aber nicht verlassen, denn die Angaben darin sind leicht zu fälschen. Hinweise dafür können beispielsweise zu identisch aussehende Unterschriften oder immer gleiche Stempelfarben sein. Im Zweifel lässt man sich die Einträge von der Werkstatt, die im Scheckheft steht, bestätigen.

Experten hinzuziehen

Oft reichen ein Kabel zum Steuergerät, ein Laptop und eine entsprechende Software aus, um den Kilometerzähler zurückzudrehen. Tachofilter erlauben, den Kilometerzähler sogar während der Fahrt auszustellen. Technisch lässt sich Tacho-Betrug in der Regel nicht nachweisen, erklärt der ADAC. Mitunter können in den Werkstätten Sachverständige jedoch den tatsächlichen Kilometerstand auslesen. Manche Autoclubs und Prüforganisationen wie der Tüv bieten außerdem Gebrauchtwagenchecks an, die eine genauere Einschätzung des tatsächlichen Autozustands liefern.

Die Autobauer meiden jegliche Ankündigungen. Stattdessen verweisen sie unisono auf ihren Branchenverband VDA. Dort heißt es, die Automobilindustrie unterstütze ausdrücklich Bestrebungen, den Besitz und Vertrieb von Geräten, mit denen Tachos manipuliert werden können, zu untersagen und unter Strafe zu stellen. Die Automobilindustrie habe sich vor einigen Jahren auf einen freiwilligen Sicherheitsstandard für moderne elektronische Komponenten geeinigt. Damit würden Kilometerstände verschlüsselt, die Manipulation erschwert.

Tatsächlich wird der Kilometerstand längst nicht mehr nur im Tacho abgespeichert. Motor- und Getriebesteuerung oder Fahrzeugschlüssel wissen ebenfalls über die Laufleistung Bescheid. Betrüger müssen also alle Daten ändern, wenn sie sicher gehen wollen, nicht aufzufliegen.

Kommentare (1)

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Herr Jörg Ullmann

23.02.2016, 12:57 Uhr

Es ist doch nach wie vor nicht tragbar, das es keine dritte unabhängige Quelle für den Kilometerstand eines Fahrzeugs gibt. TÜV, Dekra und Co wären eine gute "unabhängige" Institution um den effektiven Kilometerstand eines Fahrzeugs zu validieren. Der Schaden der durch Manipulation entsteht ist wohl kaum wirklich zu bemessen. Da es ja mittlerweile sogar eine Online Abmeldung des Kfz gibt, sollte es doch nun langsam auch möglich sein einen km-Stand unabhängig erfassen zu lassen. Jeder ist bereits seine täglich zurückgelegten Schritte durch dritte Instanzen (Fitnesstracker) zu erfassen / erfassen zu lassen. Warum denn dann nicht auch den Km-Stand des Kfz? :-)
http://www.der-automobilclub.de/problem-der-tachomanipulation-verlangt-nach-unabhaengiger-kontrolle

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