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14.04.2014

09:53 Uhr

Targa-Dächer bei Cabrios

Sonne tanken unterm Bügel

Quelle:dpa

Der Überrollbügel galt bei Cabrios jahrzehntelang als wichtiges Sicherheitsbauteil. Doch mittlerweile macht er sich eher rar. Porsche aber setzt jetzt beim neuen 911 Targa jetzt wieder auf den Henkel.

Der neue Porsche 911 Targa hat zwar ein modernes Dachkonzept, das sich auf Knopfdruck öffnet und schließt - aber der markante Überrollbügel ist wieder da. dpa

Der neue Porsche 911 Targa hat zwar ein modernes Dachkonzept, das sich auf Knopfdruck öffnet und schließt - aber der markante Überrollbügel ist wieder da.

StuttgartHenkelkörbchen oder Sicherheitscabrio: Für offene Autos mit Überrollbügel gibt es viele Spitznamen. Die Wagen hatten einst zwei Vorteile: Der Bügel machte sie sicherer und die Karosserie steifer. Weil es im Autobau mittlerweile moderne Werkstoffe wie hochfeste Stähle und neue Konstruktionen gibt, setzen aber nur noch wenige Hersteller auf die Querverstrebung. Lotus oder Alfa Romeo beispielsweise - und ganz aktuell: Porsche. Den Sportwagen 911 gibt es ab Mai wieder als Targa mit Bügel.

"Bei einem Targa mit feststehendem Sicherheitsbügel kann man mit wenig Kostenaufwand das Fahrzeug bei einem Überschlag sicherer machen. Die Technik ist aber ein Anachronismus", sagt Stefan Bigalke, Professor für Karosseriekonstruktionen an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Dafür hätten die Modelle einen sportlicheren Touch als Coupés oder Cabrios - eine Prestigefrage.

Auch Steffen Missbach, Sachverständiger beim TÜV Rheinland, sieht in der Gegenwart keine Vorteile bei der Fahrzeugsicherheit. "Bei einem modernen Cabrio mit einem aktiven Überrollschutz benötige ich aus sicherheitstechnischer Sicht keinen feststehenden Bügel mehr." Auch dass die Fahrzeugstruktur von Targa-Modellen zwangläufig steifer sei als bei modernen Cabrios, lasse sich nicht mehr grundsätzlich sagen.

Porsches Ur-Targa: Im Jahr 1965 stellten die Stuttgarter den 911 Targa mit herausnehmbarem Mitteldach vor. Das Bild zeigt den 911 Targa des Modelljahrs 1967 dpa

Porsches Ur-Targa: Im Jahr 1965 stellten die Stuttgarter den 911 Targa mit herausnehmbarem Mitteldach vor. Das Bild zeigt den 911 Targa des Modelljahrs 1967

Das war vor knapp 50 Jahren anders: Eher aus der Not geboren, entwickelte Porsche 1965 den ersten 911 Targa. Um die strengen Zulassungshürden für Cabrios auf dem US-Markt zu umgehen, wählten die Ingenieure einen Sicherheitsbügel, der die Karosserie umspannt: Anstelle der B-Säule sitzt der breite Targa-Bügel, eine C-Säule fehlt. Das herausnehmbare Dachteil wurde von innen entriegelt, ließ sich falten und vorne im Kofferraum des Hecktrieblers verstauen.

Der Bügel aus Edelstahl und ein dicker Frontscheibenrahmen sollten die Insassen im Falle eines Überschlags schützen. Gleichzeitig wurde die Karosserie steifer, was dem Fahrverhalten zugutekam. Das Resultat: "Fahrspaß wie in einem Cabriolet und die Sicherheit eines Coupés", sagt Porsche-Entwickler Mathias Fröschle.

Porsche ließ sich den Namen schützen und setzt das Prinzip mit dem herausnehmbaren Mitteldach noch bei anderen Modellen ein. 27 Jahre lang wurde der Ur-Targa gebaut, ab 1996 verwässerten große Glasdächer die Konstruktion. Außerdem hat Porsche seit 1983 ein vollwertiges Cabrio im Programm.

"Targa-Dächer sind etwas aus der Mode gekommen. Früher war die Konstruktion der einfachste Weg, das Dach eines Autos mit geringem Aufwand zu öffnen und das Verdeck platzsparend im Kofferraum unterzubringen", sagt Frank Herrmann vom Institut für Fahrzeugtechnik der Fachhochschule Köln.

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