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04.04.2006

09:30 Uhr

Technik + Wissen

Vorfahrt mit Stroh

An der Tankstelle kommt es in den nächsten Jahren zur Revolution: Mit neuem Kraftstoff aus Biomasse wollen die Industrieländer unabhängiger vom immer teureren Erdöl werden.

"Alaska ist mein Lieblingsland", sagt Tom Blades unter dem Gelächter seiner Zuhörer. Dabei meint es der Vorstandschef des sächsischen Unternehmens Choren durchaus ernst. "Die Wälder dort sind vom Borkenkäfer völlig zerfressen. Deshalb zahlen die Behörden gutes Geld, wenn sich jemand findet, der ihnen das Holz abnimmt." Er nähme das Holz gerne: Choren produziert Diesel aus jedweder Biomasse, auch aus Holz.

Dennoch wird Blades keine Fabrik in Alaska bauen, zumindest jetzt noch nicht. Vorrang hat für ihn derzeit die Fertigstellung der ersten großen Produktionsstätte für synthetischen Kraftstoff im sächsischen Freiberg.

Vom Frühjahr 2007 an sollen hier jährlich bis zu 15 000 Tonnen "SunFuel" hergestellt werden - Dieselkraftstoff aus Biomasse, in der die Energie der Sonne gespeichert ist. Schon bald sollen eine 200 000-Tonnen-Anlage in Lubmin an der Ostsee sowie weitere Raffinerien in Deutschland und in Europa folgen. Und Alaska? "Wir wollen uns nicht verzetteln", bremst Bodo Wolf, der Erfinder des Sun-Fuel-Verfahrens, den Eifer der Kollegen.

Der Produktion von Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen haben sich weltweit eine ganze Reihe junger Unternehmen verschrieben, Choren ist eines davon.

Die steigenden Preise von Rohöl und Erdgas sowie die Anstrengungen der USA und der Europäischen Union, die Abhängigkeit vom fossilen Brennstoff Erdöl und den oft politisch labilen Förderländern zu verringern, beflügeln derzeit die Produktion von flüssigen und gasförmigen Kraftstoffen aus landwirtschaftlichen Produkten und Biomasse. Biodiesel, synthetischer Diesel, Biogas und Ethanol als Benzinersatz: Mit Sprit aus landwirtschaftlichen Produkten und organischen Abfällen soll der Anteil der mineralischen Treibstoffe in den kommenden Jahren massiv zurückgedrängt werden.

In Deutschland gibt es so viel überschüssige Rohstoffe (Restholz, Stroh, Küchenabfälle, Klärschlamm), dass sich daraus 30 Millionen Tonnen Diesel gewinnen ließen: Das hat Professor Konrad Scheffer vom Institut für Nutzpflanzenkunde an der Universität Kassel errechnet. Das wäre sogar noch etwas mehr als die Menge Dieselkraftstoff, die 2005 in Deutschland verbraucht wurde - 28,7 Millionen Tonnen.

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