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02.09.2014

13:39 Uhr

Teure Reparaturen

Wie die Hersteller mit Ersatzteilen Kasse machen

VonHans-Jürgen Klesse, Henning Krumrey, Philipp Mattheis, Rebecca Eisert
Quelle:WirtschaftsWoche

Die chinesischen Kartellbehörden nehmen westliche Autokonzerne wegen überhöhter Preise für Kotflügel und Außenspiegel ins Visier. Doch auch für deutsche Käufer sind die Preise für Ersatzteile ein Ärgernis.

Die Ersatzteilpreise der Hersteller gehen seit einigen Jahren durch die Decke. dpa

Die Ersatzteilpreise der Hersteller gehen seit einigen Jahren durch die Decke.

DüsseldorfUmgerechnet rund 50.000 Euro kostet eine Mercedes C-Klasse mit guter Ausstattung im Reich der Mitte. Würde ein Chinese dasselbe Auto ausschließlich aus Ersatzteilen einer von Daimler autorisierten Werkstatt zusammenbauen, müsste er rund zwölf Mal so viel hinlegen – satte 600.000 Euro.

Mit solchen Rechenbeispielen, verbreitet von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, gehen derzeit die Kartellbehörden der Volksrepublik gegen Autohersteller aus aller Welt vor. Ersatzteile, die zwölfmal so teuer sind wie eingebaute Komponenten, wie kann das sein? Schließlich kommen die Teile vom gleichen Zulieferer und gleichen sich wie ein Ei dem anderen.

Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied macht’s: Als Daimler-Originalersatzteil deklariert und verkauft, ist die Komponente um ein Vielfaches teurer als bei der Erstausstattung. Den Preis für das Originalersatzteil legt der Autohersteller fest – und streicht die teilweise gigantische Differenz selber ein.

Bisher kamen die Autohersteller damit durch, und das nicht nur in China. Doch zum 1. Oktober läuft dort ein Gesetz aus dem Jahr 2005 aus, nach dem Autoersatzteile nur von Händlern verkauft werden dürfen, die vom Hersteller autorisiert sind. Prompt tauchten Anfang August Beamte der Kartellbehörden bei Daimler in Shanghai auf, durchsuchten Büroräume und befragten Mitarbeiter. Kurze Zeit später traf es die VW-Tochter Audi, den amerikanischen Autokonzern Chrysler und den britischen Hersteller Jaguar sowie deren chinesische Joint-Venture-Partner. Der Vorwurf: Die Hersteller sollen jahrelang zu teure Ersatzteile an die Verbraucher verkauft haben und damit gegen das Anti-Monopol-Gesetz aus dem Jahr 2008 verstoßen haben.

Preis-Beispiele für ausgewählte Ersatzteile

Motorhaube

VW Golf VI

Autohersteller: 321 Euro

Freier Händler: 157 Euro

+104 Prozent

Ford Focus

Autohersteller: 330 Euro

Freier Händler: 138 Euro

+139 Prozent

Mazda 6

Autohersteller: 372 Euro

Freier Händler: 290 Euro + Frachtkosten (Sonderbestellung)

Quelle: ADAC

Frontstoßstange

VW Golf VI

Autohersteller: 311 Euro

Freier Händler: 122 Euro

+160 Prozent

Ford Focus

Autohersteller: 302 Euro

Freier Händler: 88 Euro

+243 Prozent

Mazda 6

Autohersteller: 362 Euro

Freier Händler: nicht erhältlich

Frontscheibe

VW Golf VI

Autohersteller: 289 Euro

Freier Händler: 154 Euro

+88 Prozent

Ford Focus

Autohersteller: 363 Euro

Freier Händler: 183 Euro

+98 Prozent

Mazda 6

Autohersteller: 456 Euro

Freier Händler: 290 Euro

+57 Prozent

Scheinwerfer rechts

VW Golf VI

Autohersteller: 194 Euro

Freier Händler: 120 Euro

+62 Prozent

Ford Focus

Autohersteller: 191 Euro

Freier Händler: 68 Euro

+181 Prozent

Mazda 6

Autohersteller: 362 Euro

Freier Händler: 217 Euro

+67 Prozent

Kotflügel vorne rechts

VW Golf VI

Autohersteller: 167 Euro

Freier Händler: 101 Euro

+65 Prozent

Ford Focus

Autohersteller: 170 Euro

Freier Händler: 67 Euro

+153 Prozent

Mazda 6

Autohersteller: 178 Euro

Freier Händler: 138 Euro

+29 Prozent

Mit ihren Razzien bei den Westkonzernen zerren die Behörden in China Geschäftspraktiken ans Licht der Öffentlichkeit, die sich nicht auf den weltgrößten Automarkt beschränken, sondern über weite Strecken auch in Deutschland ebenso verbraucherfeindliche wie gängige Praxis sind. Denn auch hier haben die Fahrzeughersteller den Markt für Ersatzteile fest im Griff: Sie bestimmen die Preise, und sie legen fest, wer solche Teile herstellen darf.

Die Folge: Wer sich eine Beule ins Auto fährt und einen neuen Kotflügel braucht, wird bei Reparaturen unverhältnismäßig teurer zur Kasse gebeten, als wenn er das Blechteil außerhalb von Vertragswerkstätten kaufen würde. Vorstöße der EU-Kommission in Brüssel, den Autoersatzteilmarkt zu liberalisieren, scheiterten bisher an der Lobby der großen Autokonzerne.

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Kommentare (3)

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Frau Monika Eichner

02.09.2014, 15:49 Uhr

Kann ich mich anschliessen:
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ca. 650 Euro
Scheibe mit Einbau FACHHÄNDLER
ca. 1250 Euro
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Noch Fragen?

Herr Josef Hirsepp

02.09.2014, 18