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16.01.2017

20:51 Uhr

Tokyo Auto Salon

Die schrille Schraubermesse auf der Überholspur

VonMartin Kölling

Heiße Schlitten, Lack und Leder – Japans Tuning-Messe ist berühmt-berüchtigt. Die Hersteller haben die verrückte Schraubermesse für sich entdeckt. Bald könnte sie Japans eigentliche Automesse in der Relevanz überholen.

Von heißen Sportwagen bis Träumen in Rosa, von professionellen Bodyshops zu studentischen Fantasieergüssen. AFP; Files; Francois Guillot

Tokyo Auto Salon

Von heißen Sportwagen bis Träumen in Rosa, von professionellen Bodyshops zu studentischen Fantasieergüssen.

TokioLena und Shiho sehen ungewöhnlich aus an ihrem Messestand. Im Gegensatz zu den übrigen Hostessen auf dem Tokyo Auto Salon, der größten, verrücktesten asiatischen Schraubermesse, tragen sie nicht knappe Kostüme, sondern Rennanzüge. Und die sind keine Schau: Die beiden jungen Frauen haben sich tatsächlich von Boxengirls zu Rennfahrerinnen gewandelt.

Wie zum Beweis steht neben ihnen ihr Rallye-Auto. In den Händen haben sie ihre Helme und auf den Lippen eine Botschaft, die ihnen wichtig ist: Sie wollen Frauen für den Motorsport begeistern. Und mehr noch: „Wir möchten Frauen zeigen, dass wir die Männer in Autorennen besiegen können.“

Auf dieser Auto-Tuningmesse ist für jeden und jede etwas dabei. Martin Kölling

Tokyo Auto Salon

Auf dieser Auto-Tuningmesse ist für jeden und jede etwas dabei.

Einer, der bereits Respekt vor bekommen hat, ist Justin Gardiner. Er hat sich vom Autojournalisten zum Importeur von Supersportwagen umerzogen. Sein Kassenschlager sind britische Caterham Cars, die aussehen wie Rennautos aus den Nachkriegsjahren. Allerdings fährt er auch gerne Rennen. Dabei jagte er auch mit Frauen durch die Kurven. „Die sind inzwischen verdammt gut“, erkennt Gardiner an.

Frauen in der Männerhochburg, PS-Boliden und Kitsch – es sind genau diese Widersprüche auf dem Tokyo Auto Salon, die für Gardiner die Anziehungskraft der Messe erklären. Auf dieser Auto-Tuningmesse ist für jeden etwas dabei: für Männer, Frauen und Kinder. Von heißen Sportwagen bis Träumen in Rosa, von professionellen Bodyshops zu studentischen Fantasieergüssen.

Motorenfans lassen ihre Finger über Getriebe gleiten, Frauen streichen über die Messe auf der Suche nach Tuningideen. Kinder tollen herum in diesem Mischmasch aus Blech, Gummi, kunstvollen Sportfelgen, zügelloser Fantasie und gerade noch Facebook-freien Standdamen. Und über allem wummert eine Kakophonie an Beats. Wer hier nicht zum Autofan wird, wird es nirgendwo.

Das haben auch die Autohersteller erkannt. In den vergangenen Jahren hat sich die Schraubermesse von einst zum Schaulaufen von Toyota, Nissan, Honda & Co. entwickelt. Auch Volkswagen und Mercedes-AMG treten groß auf. „Schau dich um“, rät Gardiner, „was die hier für Stände aufgebaut haben, fantastisch.“ Die Auftritte seien größer als auf der Tokyo Motor Show, der japanischen Version der deutschen Branchenmesse IAA in Frankfurt.

Sein Fazit: „Hier muss man sein, die Messe ist für die Hersteller inzwischen relevanter als die Tokyo Motor Show.“ Seine Aussage wirkt nicht übertrieben. Hier glänzen die CEOs der Autobauer vielleicht nicht mit futuristischen Konzeptautos und visionären Reden. Stattdessen gibt es Autos, Motoren und Tuningartikel zum Anfassen und Kaufen satt.

Diese Kundennähe zieht längst nicht mehr nur in Japan. Aus ganz Asien kommen Autofans, Journalisten und vor allem Einkäufer vorbei. Denn der Ruf von japanischen Tuning-Artikeln wie Sportfelgen oder Auspüffen ist in der Region legendär. Zudem tummeln sich allerlei Anbieter aus Europa. Im Gegensatz zur renommierteren Tokyo Motor Show, die kaum noch internationale Strahlkraft hat, ist der Auto Salon eine wirkliche regionale Leitmesse.

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