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30.10.2015

09:54 Uhr

Toyota Mirai

Wunderauto mit Ausgangssperre

Hiroshi Matsushita ist stolz auf sein Traumauto, das viel Aufmerksamkeit bekommt. Doch sein mit Wasserstoff betriebener Toyota Mirai hat einen Haken: das Auto hat so eine Art integrierte Ausgangssperre.

Angetrieben wird der Mirai von einem 113 kW starken Elektromotor. Den Strom liefert eine Brennstoffzelle, indem sie über spezielle Membranen Wasserstoff und Sauerstoff zusammenbringt. Der Chemiker spricht von „kalter“ Verbrennung. Als „Abgas“ entsteht nichts außer Wasser, das als Dampf oder in Tröpfchen dem Auspuff entweicht. AFP

Mirai heißt auf Japanisch Zukunft

Angetrieben wird der Mirai von einem 113 kW starken Elektromotor. Den Strom liefert eine Brennstoffzelle, indem sie über spezielle Membranen Wasserstoff und Sauerstoff zusammenbringt. Der Chemiker spricht von „kalter“ Verbrennung. Als „Abgas“ entsteht nichts außer Wasser, das als Dampf oder in Tröpfchen dem Auspuff entweicht.

TokioÜber die vielen neugierigen Blicke und Fingerzeige der Passanten freut sich Hiroshi Matsushita, wenn er mit seinem Toyota Mirai unterwegs ist. Doch es gibt ein massives Problem mit dem Tankstellennetz, denn er per Brennstoffzelle angetriebene Elektromotor tankt keinen Strom, sondern Wasserstoff. Und der Bau von Wasserstofftankstellen hinkt weltweit allen Plänen hinterher. Das behindert die Bemühungen der Autohersteller, die Verbraucher zum Wechsel von Benzinern auf solche Fahrzeuge zu überzeugen, die lediglich Wasserdampf ausstoßen. Das gilt auch für Japan, wo Toyota und Premierminister Abe eine "Wasserstoff-Gesellschaft" aufbauen wollen.
Der Mangel an Tankanlagen sei so massiv, sagt Matsushita, dass er seine Fahrten mit den Öffnungszeiten der Wasserstoff-Station in der Nähe seines Hauses in Tokio abgleichen muss. Damit ist Autofahren für ihn nur von neun bis 17 Uhr möglich. "Das ist die Herausforderung, die Erstkäufer überwinden müssen", sagt der 63jährige, der Motorjournalist und Mitglied der Jury ist, die in Japan das Auto des Jahres wählt. "Ich bin bei meiner Terminplanung wirklich sehr sorgfältig."

Toyota Mirai : Eine sehr exklusive Alternative

Toyota Mirai

Eine sehr exklusive Alternative

Wasserstoff gilt als Treibstoff der Zukunft. Dem Mirai dient es bereits heute als Energiequelle – und macht die eigenwillig gestylte Limousine zum ersten serienmäßigen Brennstoffzellen-Auto von Toyota. Ein Fahrbericht.

Matsushitas Erfahrungen bringen etwas Realität in die Lobesreden, die Japans größter Autohersteller bei der Tokyo Motor Show in dieser Woche halten dürften -- denn hier stehen Brennstoffzellenfahrzeuge im Mittelpunkt. Während Toyota ein FCV Plus genanntes Konzept zur Schau stellt, dessen aus Wasserstoff gewonnene Energie sowohl das Auto als auch das Haus mit Strom versorgen kann, präsentiert Honda ein Fahrzeugmodell mit Brennstoffzelle, das über eine höhere Reichweite verfügt und ab Anfang kommenden Jahres dem Mirai Käufer wegschnappen soll.

Abe unterstützt den Vorstoß in die Wasserstoff-Gesellschaft durch Deregulierung. So wird Toyota erlaubt, die Hochdruck- Wasserstofftanks selbst zu inspizieren und Selbstbedienungstankstellen zu entwickeln. Die Zentralregierung bietet Mirai-Käufern zudem Zuschüsse in Höhe von etwa einem Viertel der Anschaffungskosten für das Auto. Damit sind die Anreize zum Kauf von Brennstoffzellenfahrzeugen in Japan höher als in anderen Ländern. 

Trotzdem verfehlte Japan sein Ziel, etwa 100 Wasserstoffstationen bis März zu eröffnen. Nur 81 sind es, was teils auch an den hohen Kosten für den Bau liegt. In Kalifornien, dem einzigen US-Bundesstaat, in dem Toyota den Mirau verkauft,- gab es bis Anfang dieses Monats lediglich zwei Wasserstofftankstellen für private Autofahrer. Auch Deutschland und Großbritannien liegen hinter Plan.
"Das Problem mit der Wasserstoff-Betankung ist wahrscheinlich die größte Hürde, vor der die Branche steht", sagte Claire Curry, Analystin von Bloomberg New Energy Finance in New York. "Die sehr geringe Anzahl an Brennstoffzellenfahrzeugen, deren Auslieferung bis 2020 erwartet wird, bedeutet, dass die Stationen keine Chance auf die Erwirtschaftung eines Gewinns haben."

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