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17.02.2011

10:04 Uhr

Tuminellis Designkritik

Der US-Passat wird zum Buddy

VonPaolo Tumminelli

Für die Amerikaner gibt es jetzt einen eigenen VW Passat. Kein Angeber mehr, sondern eher ein Kumpeltyp für die breite Masse.

Ganz einfach "Das Auto". Mit Werbung, die so simpel ist wie damals der Käfer, greift VW auf dem US-Markt nun nach größeren Marktanteilen. Quelle: Reuters

Ganz einfach "Das Auto". Mit Werbung, die so simpel ist wie damals der Käfer, greift VW auf dem US-Markt nun nach größeren Marktanteilen.

Früher war Volkswagens Käfer in den USA mal ein Renner. Damals machte der Käfer vier Prozent des Markts aus, doppelt so viel wie heute die gesamte Produktpalette: Amerika will einen Volkswagen im Premium-Kleid offensichtlich nicht haben. VWs Bestseller, der Jetta, schwebt auf Rang 19, gefolgt vom Nichts.

Insgesamt kommt VW knapp über den Marktanteil von Nischenmarken wie BMW und Mercedes-Benz – im Riesenmarkt USA eine Schande. Ganz oben stehen die Japaner. Sie bieten einfach das beste Preis-Qualitäts-Verhältnis. Selbst Subaru ist in den USA stärker als VW, Toyota siebenmal stärker. In der publikumswirksamen Hitliste wird die Marke VW nicht mal erwähnt. Das ist bitterer Reis für Japan-Freund Ferdinand Piëch. Mit einem neuen Auto soll sich das bald ändern. VWs Passat zielt direkt auf den Toyota Camry und den Honda Accord, die meistverkauften Limousinen in den USA.

Schlicht, aber raffiniert

Der in Chattanooga, Tennessee, gebaute Passat ist freilich keine Überraschung: Die Limousine kommt so konstruktiv überzeugend und gestalterisch sicher wie jeder VW der Neuzeit. Doch der Wagen, der speziell für den amerikanischen Markt konzipiert wurde, ist kein geliftetes Modell wie die Mehrheit unserer VWs. Sondern ein völlig neues Automobil mit raffiniertem Design. Neben dem schlichten VW-Gesicht, sind seine Merkmale ein drittes Fenster im Audi-Stil und der knackige Po eines BMW. Außen gilt der Amerika-Volkswagen als Synthese guten deutschen Designs.

Innen gibt er sich betont hochdeutsch, wobei die Applikationen in Holzfällerstil und die Kuckucksuhr in der Mittelkonsole eher mittelmäßigem Mittelklassegeschmack entsprechen. Im Sinne der Positionierung ist der Stilbruch aber goldrichtig. Größer, attraktiver, günstiger: Mit umgerechnet 15.500 Euro für das 170-PS-Einstiegsmodell, ist ein Volkswagen endlich so billig wie Toyota und billiger als VW bisher. Unser Passat ist kleiner, weniger attraktiv und 30 Prozent teurer.

VW-Chef Martin Winterkorn präsentierte auf der Autoshow in Detroit den neuen US-Passat als Weltpremiere. Quelle: dpa

VW-Chef Martin Winterkorn präsentierte auf der Autoshow in Detroit den neuen US-Passat als Weltpremiere.

Der Konzern begründet den Preisvorteil mit Ausstattungs- und Materialunterschieden. Wer die Wolfsburger Qualitätsansprüche sowie die amerikanische Obsession für Zuverlässigkeit kennt, wird sich von diesem Argument kaum überzeugen lassen. Indirekt wird auch auf die niedrigen Produktionskosten des amerikanischen Werks und auf wenig nachvollziehbare Dumpingstrategien hingewiesen. Das Passat-Thema muss zu einem Politikum werden. Zu Recht fühlt sich der deutsche Kunde – und Bürger – ausgebeutet. Zu Unrecht ärgert er sich: Selbst schuld, wer Mondpreise für mutmaßliche Premiumautos bezahlt – und damit die überteuerte heimische Produktion subventioniert!

Back to the roots

Die Marke VW profitiert in Deutschland von einer starken Bindung der Kunden und hebt sich technisch wie preislich vom Wettbewerb ab. Dieses Spiel geht in Übersee nicht auf. Mit kluger Demut positioniert sich Volkswagen nun um – nach unten und zurück zu den Wurzeln. VW ist vom Ziel, Weltmarktführer zu werden, weit entfernt. In den USA kann nur ein Volkswagen für die Massen siegen. Kein Angeber mehr, sondern ein Buddy. Auch ohne Wolfsburg-Wappen, der Chattanooga-Choo-Choo hat die Kraft, Volkswagen zu verändern. Abfahrt USA. Nächste Station: die Welt.

Mit dem Darth-Vader-TV-Werbepot für den neuen Passat erregte Volkswagen in den USA während des 2011er Super-Bowl-Finales viel Aufmerksamkeit. Quelle: dapd

Mit dem Darth-Vader-TV-Werbepot für den neuen Passat erregte Volkswagen in den USA während des 2011er Super-Bowl-Finales viel Aufmerksamkeit.

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