Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.04.2014

14:21 Uhr

Turbotechnik im Motorradbau

Aufgeladen oder abgeblasen?

Quelle:dpa

Aus dem Automobilbau sind Turbomotoren nicht mehr wegzudenken. Sie bringen viel Leistung bei geringem Verbrauch. Für Motorräder gab es in den 80er Jahren ebenfalls Turbomodelle - ein Riesen-Flop. Aber warum eigentlich?

Neue Studie: Suzuki hat die Idee vom Turbo-Motorrad noch nicht ganz begraben und stellte jüngst das Konzept-Bike Recursion auf die Räder. dpa

Neue Studie: Suzuki hat die Idee vom Turbo-Motorrad noch nicht ganz begraben und stellte jüngst das Konzept-Bike Recursion auf die Räder.

StuttgartAus dem Automobilbau sind Turbomotoren nicht mehr wegzudenken. Mittels eines vom Abgasstrom angetriebenen Verdichters wird dabei zusätzlich Luft zur Verbrennung in die Brennkammern geleitet. Der Effekt ist eine deutliche Steigerung von Leistung und Drehmoment, bei immer kleiner werdenden Hubräumen und reduziertem Spritverbrauch. Downsizing lautet die Devise.

Aber warum gibt es aktuell eigentlich keine Turbomotorräder? Und wie stehen die Chancen für Zweiräder mit Aufladung in Zukunft?

In den 1980er Jahren haben es die japanischen Motorradhersteller Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha versucht und Maschinen mit Turbo bestückt. Das Resultat war einer der größten Verkaufsflops in der Geschichte des Motorradbaus: Rund 3500 Maschinen rollten damals weltweit zu den Kunden - wohlgemerkt: alle Modelle zusammengenommen. Danach verschwanden die Turbomotorräder genauso schnell wieder aus den Modellprogrammen wie sie gekommen waren.

Mit aufgeladenem Vierzylinder bestückt: Kawasaki hatte vor rund drei Jahrzehnten die Z 750 Turbo im Programm. dpa

Mit aufgeladenem Vierzylinder bestückt: Kawasaki hatte vor rund drei Jahrzehnten die Z 750 Turbo im Programm.

Dass sich die Turbotechnik auch in Motorrädern sinnvoll einsetzen lässt, davon ist Hans-Jürgen Berner vom Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart überzeugt. "Dazu muss man das Drehzahlniveau senken und stattdessen einen höheren Mitteldruck in den Brennräumen anstreben", sagt der Leiter der Abteilung Thermodynamik und Brennverfahren. Mit geringeren Drehzahlen gehen auch geringere Reibungsverluste im Motor einher. "Deshalb brauchen wir nicht nur ein Downsizing, sondern auch ein Downspeeding, um wirklich Sprit zu sparen."

Dennoch geht Berner davon aus, dass die Turbotechnik beim Motorrad vorerst keine Rolle spielen wird. Zu gering seien die Stückzahlen und zu rückläufig die Märkte, um den Entwicklungsaufwand zu betreiben.

Eine Absage erteilt Norbert Klauer dem Turbo im Motorradbau. Das Potenzial zur Gewichts- und Verbrauchsreduzierung durch Downsizing sei beim Motorrad viel kleiner als bei Pkw. "Der Hubraumreduzierung steht eine gewichtserhöhende Umkonstruktion der gesamten Motor- und Getriebemechanik gegenüber", erläutert der Leiter Entwicklung Antrieb bei BMW Motorrad.

Manfred Kolb, Technikexperte bei Honda, sieht das ähnlich: "Nach dem heutigen Stand der Technik wird der Turbo auch in naher Zukunft bei Motorrädern keine Rolle spielen."

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.04.2014, 16:45 Uhr

Wer in leichter Schraeglage bei Regen Gas gibt waere nicht begeistert, wenn der Turbo ziemlich ploetzlich Kraft liefert. Das Motorrad wird ja nur durch die Kreiselkraefte stabilisiert. Ein Auto steht auf seinen Raedern ein Motorrad nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×