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28.01.2005

17:36 Uhr

Nachrichten

Unterschätztes Risiko Medikamente

Eine Tablette gegen die Kopfschmerzen, ein anderes Mittel gegen Grippe - der Griff zu Medikamenten gehört zum Alltag. Doch viele Arzneien haben Nebenwirkungen, die sich kaum mit aktiver Teilnahme am Straßenverkehr vereinbaren lassen.

Medikamente

Im Zweifel sollten Autofahrer ihren Arzt fragen. (Bild: Haupt/dpa/gms)

dpa/gms KÖLN/MECKENHEIM. Eine Tablette gegen die Kopfschmerzen, ein anderes Mittel gegen Grippe - der Griff zu Medikamenten gehört zum Alltag. Doch viele Arzneien haben Nebenwirkungen, die sich kaum mit aktiver Teilnahme am Straßenverkehr vereinbaren lassen.

Medikamente können müde machen, die Aufmerksamkeit verringern oder das Sehvermögen beeinträchtigen. Zwar gibt es keine offiziellen Angaben darüber, wie hoch die Zahl der durch Medikamenten-Einfluss verursachten Unfälle ist. „Es ist aber anzunehmen, dass es sich um eine Ernst zu nehmende Zahl handelt“, sagt Erna Schandua, Verkehrsmedizinerin des TÜV Rheinland in Köln. Das unterstreicht ein Blick auf die Zusammensetzung der Medikamente: So können nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) in Berlin rund ein Fünftel der auf dem Markt befindlichen Medikamente das Reaktionsvermögen beeinträchtigen.

„Alles, was auf die Sinne wirkt, hat auch Auswirkungen auf das Autofahren“, fasst Jörg Hütter, Verbandsdirektor der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Meckenheim bei Bonn, die Problematik zusammen. So kann nach Angaben des TÜV Rheinland die Einnahme von Beruhigungsmitteln zur Folge haben, dass Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsgeschwindigkeit herabgesetzt sind.

Auswirkungen haben bereits jene Arzneien, die fast schon nebenbei eingenommen werden: „Unter anderem finden sich in Grippemitteln oft müde machende Substanzen“, erklärt Thilo Bertsche, Fachreferent für Arzneimittelinformationen bei der Abda. Auch nach dem Arztbesuch kann es ratsam sein, das Auto stehen zu lassen. „Die Betäubungsspritze beim Zahnarzt kann unangenehme Nebenwirkungen haben“, warnt Jörg Hütter. Klaus Brandenstein, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin, weist darauf hin, dass auch Augentropfen für den Autofahrer eine Gefahr sein können.

Um Risiken eines Medikaments rechtzeitig zu erkennen, sollten Betroffene den Beipackzettel gründlich lesen, rät Brandenstein. Ist die Arznei für Autofahrer nicht geeignet, steht dort in der Regel eine Standardformulierung, die darauf hinweist.

Zwar werden heute bei Unfällen Medikamente als Ursache immer noch bestenfalls zufällig entdeckt - die Folgen für einen „benebelten“ Verursacher sind aber weit reichend: Die Haftpflichtversicherung kann von einem medikamentös beeinträchtigten Unfallverursacher Geld zurück fordern: „Die Konsequenzen sind im Endeffekt die gleichen wie beim Missbrauch von Alkohol oder Drogen“, warnt Klaus Brandenstein.

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