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27.09.2012

11:30 Uhr

Verbrauchswerte in der Kritik

Greenpeace stört VW Golf-Präsentation

Bereits zum zweiten Mal hat Greenpeace eine Präsentation des Golf VII gestört. Auf dem Pariser Autosalon entrollten Aktivisten ein Transparent mit der Aufschrift " Volkswagen. Nous enfume!" Die Reaktion war eloquent.

VW-Technik-Vorstand Ulrich Hackenberg bei der Präsentation des Golf VII. Im Hintergrund haben Greenpeace-Aktivisten ein Protest-Transparent entrollt. Reuters

VW-Technik-Vorstand Ulrich Hackenberg bei der Präsentation des Golf VII. Im Hintergrund haben Greenpeace-Aktivisten ein Protest-Transparent entrollt.

Paris/DüsseldorfDie Präsentation von Volkswagens Kompaktauto-Hoffnungsträgers Golf, der nun bereits in der siebten Generation produziert wird, haben Aktivisten der Umweltorganisation auf dem Pariser Autosalon erneut zum Anlass genommen medienwirksam gegen den "klimaschädlichen Golf" zu protestierten. Am Donnerstag, dem ersten Messetag für Fachbesucher, entrollten sie während der Vorstellung durch Technik-Vorstand Ulrich Hackenberg im Hintergrund ein Transparent mit der Aufschrift "Volkswagen. Nous enfume!". Für Volkswagen ist der Golf das Brot- und Buttergeschäft. Der Hersteller lobte den Rückgang im Verbrauch mit bis zu 23 Prozent und mit durchschnittlich 14 Prozent bezogen auf die Gesamtflotte. Die spontane Reaktion eines Volkswagen-Sprechers war eloquent: "Aufs Stichwort. Danke, dass auch unsere Freunde von Greenpeace unserem Modell applaudieren."

Eine ähnliche Aktion hatte Greenpeace bereits am Rande der Weltpremiere des Golf VII am 4. September in Berlin inszeniert. "Zu viel Verbrauch, zu wenig Klimaschutz" lautete die Parole und Greenpeace argumentierte, der neue Golf habe sein Klimaziel klar verfehlt. Ihre Forderungen hatte die Umweltschutzorganisation zuvor in der technischen Studie „Vier Schritte zum Drei-Liter-Golf – Erwartungen an den neuen Golf VII“ dokumentiert.

Der durchschnittliche Verbrauch von fünf Litern auf 100 Kilometer beim Einstiegsmodell sei „... ist ein kläglicher Wert“, sagt Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte der Umweltschützer. Volkswagen müsse mit dem Golf als Massenprodukt Maßstäbe für den Klimaschutz setzen. Mit vorhandener Technik sei dies aus dem Stand möglich.

Ob es dann allerdings bei 16.975 Euro für die Einstiegsvariante geblieben wäre, ist mehr als fraglich.

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Am Vorabend hatte beim traditionellen Konzern-Markenabend noch weißer Nebel das Präsentationsauto eingehüllt. Dieser weise auf die Vernebelungstaktiken des VW-Konzerns, und auf die riesige CO2-Wolke der künftigen Golf-Flotte hin, meint nun die Umweltorganisation. "Wieder einmal setzt Volkswagen bei seinem Kassenschlager die vorhandene Spritspartechnik nicht konsequent ein. Das ist angesichts der wachsenden Klimaprobleme unverantwortlich", sagt Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven. Seine Argumentation: Im Laufe seiner Nutzung werde die Golf-Flotte rund 150 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Ein Auto auf dem Stand der Technik würde um die 50 Millionen Tonnen CO2 weniger verursachen.


Der VW-Konzern, Europas größter Autohersteller, bezeichnet sich selbst als "Nummer 1 in Sachen Klimaschutz". Greenpeace meint aber, Belege für unseriöse Zahlen und Werbeversprechen zu haben, die die Öffentlichkeit täuschen würden. So erklärt Volkswagen laut Greenpeace, der Golf VII verbrauche im Vergleich mit der Golf VI-Serie bis zu 23 Prozent weniger Sprit und wiege bis zu 100 Kilogramm weniger.

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Doch keines der bisher bekannten Golf VII-Modelle erreiche im Vergleich mit seinem Vorgänger diese Werte. Der sparsamste Golf VII-Benziner beispielsweise stoße nur 7,4 Prozent weniger CO2 aus, verbrauche nur 0,3 Liter weniger Sprit und wiege lediglich 29 Kilogramm weniger.

Auch sei die Behauptung irreführend, der Golf VII sei de facto ein Dreilliterauto. Das sparsamste und teure Vorzeigemodell verbrauche 3,2 Liter Diesel. Das voraussichtlich meistverkaufte Benziner-Massenmodell komme jedoch auf 4,9 Liter. Greenpeace hatte berechnet, dass VW mit vorhandener Technik durchaus den Golf in der Basisversion als umweltschonendes 3-Liter-Auto anbieten könnte.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Vor dem Hintergrund der neuerlichen Kritik betonte VW in einem Statement, dass die neue, verbrauchsoptimierte Baureihe auch als Drei-Liter-Auto erhältlich sein werde. Behauptungen, der Konzern erreiche keine Umweltfortschritte, seien unbegründet. Die sparsamsten Motoren zur Markteinführung verbrauchen nach offiziellen Angaben 3,8 Liter Diesel bei 99 g/km CO2 (als 1,6 l TDI mit 105 PS) beziehungsweise 4,8 Liter Benzin bei 112 g/km CO2 (als 1,4 l TSI mit 140 PS). Das Unternehmen betonte, mit lauten PR-Aktionen und falschen Behauptungen sei niemanden gedient.

Volkswagen strebt an, bis 2018 der ökologisch nachhaltigste Automobilhersteller der Welt zu sein. Dazu fließen mehr als zwei Drittel der Investitionen von insgesamt 62,4 Milliarden Euro bis 2016 in immer effizientere Fahrzeuge, Antriebe, Technologien und umweltschonende Produktion. Der Konzern hat sich freiwillig auf ein CO2-Ziel von unter 120 Gramm pro Kilometer bis 2015 verpflichtet.

Kommentare (5)

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27.09.2012, 11:43 Uhr

Jedes Mal wenn Volkswagen ein neues Auto vorstellt meckert Greenpeace. Nicht bei BMW, nicht bei Mercedes, nicht bei GM erst recht nicht bei Toyota. VW muss sich überlegen auch an Greenpeace zu spenden, dann hört das auf.

harry

27.09.2012, 12:12 Uhr

Der Golf ist, wie der Hersteller auch, ein "Volkswagen" und somit nicht für kritische Denker gedacht. Dem "Ottonormalverbraucher" ist das Klima egal,er meckert höchstens über die Rechnung an der Tankstelle.

Account gelöscht!

27.09.2012, 12:58 Uhr

Die 1937 produzierte Citroen "Ente" verbrauchte fünf Liter.
Dass Volkswagen es in 75 Jahren technischen "Fortschritts" es nicht schafft, diesen Verbrauch zu drücken, ist ein einmaliges Zeugnis für die absurde Produktionsweise der deutschen Autobranche.

Immer schwerere Wagen bedienen die Bequemlichkeit und den Egoismus der Autofahrer; Volkswagen hinterlässt mit seiner Expansion gen Osten verbrannte Erde. In China haben sie jetzt dieselben Zivilisationskrankheiten wie hier. Als sie noch Fahrrad fuhren, konnten sie wenigstens atmen. Privatautos sollten streng für Gehbehinderte, Alte und Kranke reserviert sein; ansonsten empfehle ich dem dtsch u. chines. Publikum.
"Die Nashörner" von Ionescu.



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