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14.05.2012

10:00 Uhr

Verkehrssicherheit

Experte findet „Autofahren ist zu einfach“

Quelle:MID

Prof. Dr. Mark Vollrath von der TU Braunschweig stellt bei einem Seminar des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) eine gewagte These auf.

Multi-Tasking im Auto: Seit Jahren steigt die Anzahl der Verstöße während der Fahrt kontinuierlich, berichten Kraftfahrt-Bundesamt und Polizei. dpa

Multi-Tasking im Auto: Seit Jahren steigt die Anzahl der Verstöße während der Fahrt kontinuierlich, berichten Kraftfahrt-Bundesamt und Polizei.

FuldaWarum lassen sich Menschen beim Autofahren durch innere und äußere Einflüsse ablenken? „Das Auto fahren ist zumindest teilweise so einfach, dass sich Fahrer sicher genug fühlen, um sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.“ Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Dr. Mark Vollrath von der TU Braunschweig auf einem Seminar des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR). Und da Unfälle seltene Ereignisse sind, Ablenkungen für die Fahrer meist folgenlos bleiben, fühlen sich Fahrer bestätigt, dass sie die Situation im Griff haben.

Befragungsstudien im Raum Braunschweig zeigten, dass nur vier Prozent aller Fahrer während der letzten halben Stunde nichts Fahrfremdes getan hatten. Etwa 20 Prozent berichteten von einer anderen Tätigkeit, knapp 40 Prozent von zweien und der Rest hatte sich mit drei oder mehr Dingen beschäftigt. Am häufigsten wurden das Bedienen von Geräten, die Unterhaltung mit Beifahrern und gedankliche Ablenkungen genannt.

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Am Nutzen von Assistenten besteht kein Zweifel: Sie machen das Autofahren komfortabler und sicherer. Jedoch sollten Fahrer die Grenzen von Einparkhilfen, Notbremsassistenten und anderen elektronischen Helfern kennen.

Die Studie zeigte einmal mehr: Fahrer lassen sich gern und häufig ablenken: Und: Sie finden das zwar generell gefährlich, sind aber überzeugt, dass sie selbst die Situation im Griff haben.

Inwieweit die Selbsteinschätzung der Fahrer mit der Realität übereinstimmt, ist Gegenstand von Untersuchungen, etwa der Analyse des Unfallrisikos. So kann geprüft werden, ob die Fahrer vor einem Unfall telefoniert haben oder nicht. Das Ergebnis bestätigt die Gefährlichkeit des Telefonierens beim Autofahren.

Deutlich wird aber auch, dass Langeweile ebenfalls kein geeigneter Beifahrer ist. Angestrebt werden solle eine „leichte Ablenkung“, etwa belanglose Gespräche. Tiefgründige Diskussionen lenken schon wieder zu stark ab.

Noch gefährlicher wird es, wenn der Blick von der Fahrbahn abgezogen wird, etwa beim Schreiben einer SMS. In der Phase der Blickabwendung wird unterbewusst automatisch gefahren, werden Hindernisse und andere Verkehrsteilnehmer übersehen.

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Kommentare (1)

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Hermann.12

15.05.2012, 10:59 Uhr

Das Problem mit solchen Statistiken ist, das alle am Ende durchschnittlich bewertet werden.
Es ist wohl unbetritten, das den meisten Unfällen eine Ablenkung voraus ging. Aber nicht jeder der sich ablenken lässt ist deshalb auch höher gefährdet.
Statistiken lassen individuelle Fähigkeit völlig außer acht. Ein Grund, warum die immer enger gesetzten Vorschriften nicht nur im Strassenverkehr so nerven, sie nehmen den Fähigeren den Spielraum.
Klar, das Mancher sich nur fähiger wähnt, es aber nicht ist. Da es aber schwierig ist das abzugrenzen, macht man es sich lieber einfach.
Solche Statistiken geben aber keine Antworten darauf, wer sich wie selbst täuscht, sie unterstellen die Selbsttäuschung schlicht Allen.
Die Versuchung dazu ist auch deshalb so einfach, weil niemand gerne erträgt, das Andere möglicherweise besser oder leistungsfähiger sind.
Wer das herausarbeitet macht sich unbeliebt, besonders wenn es gelingt auch noch klare Kriterien dafür zu formulieren.
Man könnte einwenden, dass dieser Verlust im Strassenverkehr ob des allgemeinen Sicherheitsgewinns vertretbar ist. Aber es ist nicht möglich eine Gesellschaft auf Sicherheit zu trimmen und gleichzeitig eine Risikokultur für Innovationen zu pflegen, dass schließt sich schlicht und einfach aus.
Und die Tatsache, dass so mancher Fahrer durch die engen Vorschriften erst recht zum Risiko gereizt wird, die geringe Akzeptanz von bevormundenden Vorschriften, macht diese Politik eben auch fragwürdig.

H.

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