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24.06.2014

11:03 Uhr

Verkehrssicherheit

Schockwerbung gegen SMS-Wahn

VonFrank G. Heide

Autofahrer wissen um die Gefahren, die durch texten, simsen und surfen während der Fahrt entstehen. Verzichten wollen aber die wenigsten darauf. VW und Apple greifen daher zu drastischeren Maßnahmen.

Wer sich während der Fahrt von Geräten ablenken lässt und einen Unfall baut, handelt grob fahrlässig. Das hat Konsequenzen: Die Versicherungen können den Vollkaskoschutz einschränken. allianz.de

Wer sich während der Fahrt von Geräten ablenken lässt und einen Unfall baut, handelt grob fahrlässig. Das hat Konsequenzen: Die Versicherungen können den Vollkaskoschutz einschränken.

DüsseldorfFast jeder zweite deutsche Autofahrer liest am Steuer SMS auf seinem Smartphone. Immerhin jeder Fünfte schreibt solche Kurznachrichten auch während der Fahrt, geht aus einer Umfrage des Elektronik-Verbandes Bitkom hervor.

Ebenfalls jeder Fünfte liest im fließenden Verkehr seine E-Mails. Fast schon weniger erschreckend: Lediglich gut die Hälfte nutzt während der Fahrt ihr Handy zum Telefonieren.

Dabei sind sich die meisten Autofahrer der daraus ergebenden Gefahren durchaus bewusst. Und der Gesetzgeber hat das Telefonieren hinterm Steuer ohne Freisprecheinrichtung schon vor über zehn Jahren eindeutig geregelt: „Dem Fahrzeugführer ist die Benutzung eines Mobil- oder Autotelefons untersagt, wenn er hierfür das Mobiltelefon oder den Hörer des Autotelefons aufnimmt oder hält“, heißt es in der Straßenverkehrsordnung.

Streng genommen dürfen Autofahrer auf ihrem Smartphone nicht einmal nachschauen, ob jemand angerufen hat oder eine SMS eingetroffen ist. Wird der Verkehrssünder von der Polizei erwischt, kostet das nach dem neuen Punktesystem seit Mai 2014 einen Punkt in Flensburg und 60 Euro Bußgeld.

"Wer bei Tempo 50 den Blick nur für zwei Sekunden von der Straße abwendet, fährt fast 28 Meter im Blindflug", erklärt Dr. Gerd Neumann, Mitglied der Dekra-Geschäftsführung. Erlaubt ist die Nutzung dagegen, wenn das Fahrzeug steht und der Motor abgestellt ist.

Gegen den offenbar unwiderstehlichen Drang zur Mitteilung, die durch Ablenkung lebensgefährliche Unfälle verursachen kann, unternehmen nun zwei Firmen ungewöhnliche Schritte. So hat Volkswagen Anfang Juni 2014 ein Video ins Netz gestellt (siehe unten), das sich vor allem an Jugendliche wendet.

Der Clip „Eyes on the road“, der schon von mehr als 23 Millionen Nutzer auf Youttube angeschaut wurde, spricht eine Warnung praktisches als soziales Experiment aus.

Ein Kinobetreiber in China hatte gemeinsam mit einem Provider die Mobilnummern aller Gäste ausgelesen, die im Vorführraum ihre Smartphones eingeschaltet ließen. Dann wird den jungen Kinobesuchern ein eher unspektakuläres Video einer Autofahrt aus Fahrerperspektive gezeigt.

Eine flotte Fahrt auf einer langen, geraden Straße, laute Musik, links und rechts viel Vegetation. Dann, gesteuert von der Regie, empfangen zahlreiche der Kinobesucher eine SMS, sofort greifen sie zum Smartphone, ihre Blicke wändern von der Leinwand aufs Display.

In genau diesem Moment hört man ein kurzes Reifenquietschen und einen plötzlich lauten Knall. Das Fahrzeug ist, immer noch aus Fahrerperspektive zu sehen, mit einem Baum kollidiert.

Der Abspann warnt noch einmal nüchtern in Textform, man sieht schockierte Gesichter und nachdenkliche junge Menschen, die sichtlich beeindruckt sind.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

24.06.2014, 13:34 Uhr

Nicht das ich für Phones im Auto wäre, aber gerade die genannten Firmen sollten doch nicht so heuchlerisch sein.
Heute sind es noch Handys, morgen ist es dann das ganze Auto welches den Fahrer permanent und penetrant ablenkt.
Glauben diese Firmen eigentlich das es weniger gefährlich ist die Bedienelemente eines Fahrzeugs erst mühsam zu suchen, statt tastend zu finden. Oder das Fahrzeugsinfos, Karten oder Nachrichten in der Frontscheibe sicherer sind? Solcher technischer Firlefanz soll uns als wegweisend schmackhaft gemacht werden, obwohl so etwas mindestens genauso gefährlich ist wie Smartphones beim fahren.

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