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11.01.2005

10:10 Uhr

Nachrichten

Virtuelle Auto-Rennen in der Kritik

Das Auto ist getunt und startklar, die Straßen der Großstadt sind verwaist: Entsprechende Szenen sind täglich in Wohn- und Kinderzimmern zu beobachten, wenn Jugendliche an der Videokonsole oder dem PC ihre Rennspiele starten.

Virtuelles Auto-Rennen

Fahren ohne Rücksicht auf Verkehrsregeln. (Bild: Electronic Arts/dpa/gms)

dpa/gms MÜNCHEN/KÖLN. Das Auto ist getunt und startklar, die Straßen der Großstadt sind verwaist: Entsprechende Szenen sind täglich in Wohn- und Kinderzimmern zu beobachten, wenn Jugendliche an der Videokonsole oder dem PC ihre Rennspiele starten.

Doch solche Spiele sind jetzt in die Kritik geraten: Es gibt Befürchtungen, dass sich rücksichtsloses Fahren in den virtuellen Städten negativ auf das Verhalten im realen Straßenverkehr auswirken kann.

Hintergrund ist eine Pilot-Studie, die der Diplom-Psychologe Jörg Kubitzki vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) in München vorgenommen hat. „Wir haben in Bayern 657 männliche Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren ausdrücklich zu dem Thema Auto-Rennspiele befragt“, erläutert Kubitzki. Allerdings standen dabei eben nicht jene Spiele im Vordergrund, in denen auf ausgewiesenen Rennpisten um den Sieg gekämpft wird. „Von Bedeutung waren für uns vielmehr die so genannten Street Racing Games“, sagt Kubitzki.

In diesem Spiele-Genre geht es um Rennen in virtuell nachgebildeten Städten: Gefahren wird dabei ohne Rücksicht auf Verkehrsregeln, das Anrempeln anderer Fahrzeuge dient ebenso wie halsbrecherische Stunts oder heftige Unfälle eher der Unterhaltung. Die Alterseinstufungen solcher Spiele sorgen dafür, dass sie oft schon an Kinder unter zwölf Jahren verkauft werden dürfen.

Ein Ergebnis der Pilot-Studie ist laut Kubitzki, dass mehr als drei Viertel der Befragten Rennspiele mehr oder minder regelmäßig spielen. Davon wiederum spielen drei Viertel Street Racing Games. Während das allein noch nichts über das Verhalten im realen Straßenverkehr aussagt, könnten andere Ergebnisse Anlass zur Sorge sein: „25 Prozent der Jugendlichen gaben an, schon vor ihrem 18. Geburtstag mit dem Auto Erfahrungen im Straßenverkehr gemacht zu haben, und 4,6 Prozent, auch schon illegale Rennen gefahren zu sein.“

Laut Kubitzki lassen diese Zahlen der ersten Pilot-Studie noch keine wirklichen Rückschlüsse über mögliche Zusammenhänge zu - sie seien aber ein Anlass, das Thema weiter zu verfolgen. „Grundsätzlich belohnt die Philosophie dieser Spiele das Brechen von Regeln sowie ein zu Gewalt neigendes Verhalten. Sie sind kein Kinderspielzeug und sollten nicht an Jugendliche unter 16 Jahren verkauft werden.“

Andere Verkehrsexperten sehen das Problem nicht nur in den Spielen an sich - sondern auch bei den Eltern. „Die selben Eltern, die ihre vom Straßenverkehr gefährdeten Kinder in die geschützte Wohnung holen, lassen es zu, dass sich ihre Sprösslinge am Computer aggressive Verkehrsspiele reinziehen“, kritisiert Rainer Hillgärtner, Sprecher des Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart.

Es gibt allerdings auch andere Stimmen. Und die sagen, dass Kindern durchaus zuzutrauen ist, die Bildschirmwelt nicht mit der realen Umgebung zu verwechseln. „Schon ein Heranwachsender kann unterscheiden, in welcher Welt er sich gerade bewegt“, sagt Professor Jürgen Fritz, Leiter des Forschungsschwerpunktes „Wirkung virtueller Welten“ an der Fachhochschule Köln. Zwar geht Fritz davon aus, dass Spiele Auswirkungen auf die Menschen haben - nur hängen diese mit der Persönlichkeit zusammen. Wenn jemand ohnehin schon leichtsinnig ist, außerdem gerne Auto fährt und dann noch Rennspiele spielt, könnte diese Kombination riskant sein. „Aber eine generelle Aussage, dass solche Spiele problematisch sind, würde ich nicht treffen wollen.“

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