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23.05.2013

08:12 Uhr

Vollelektronische Lenkung

Direkter Draht zur Straße

Quelle:dpa

Wenn sich ein Auto nicht mehr per mechanischer Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern steuern lässt, dürfte das viele Fahrer irritieren. Dabei ist Steer-by-Wire - also das Lenken per Datenkabel - potenziell sicherer.

Wirklich neu ist Steer-by-Wire nicht: Das Mercedes-Forschungsauto F 500 Mind hatte die Technologie schon 2003 eingebaut. PR

Wirklich neu ist Steer-by-Wire nicht: Das Mercedes-Forschungsauto F 500 Mind hatte die Technologie schon 2003 eingebaut.

BerlinAm Steuer sitzen - das trifft nicht nur wortwörtlich auf Autofahrer zu. Es steht im übertragenen Sinn auch für das Ausüben von Macht: Der Fahrer hat seinen Wagen über das Lenkrad in der Hand, kann ihn in Extremsituationen rumreißen, es geht um Gehorsam des Blechkameraden. Doch was ist, wenn es zwischen Lenkrad und Achse keine mechanische Verbindung mehr gibt und die Lenkbefehle nur über ein Datenkabel weitergegeben werden?

Bei den aktuellen Pkw werden die Räder wie zu Anfangszeiten des Fahrzeugbaus letztlich immer noch über eine mechanische Verbindung gelenkt, wenngleich selbst bei Kleinwagen die Servolenkung heute Standard ist. Funktioniert die Unterstützung des Fahrers bei den Lenkbewegungen dort oft noch mittels Hydraulik, hat sich in höheren Fahrzeugklassen die elektrische Servolenkung etabliert. Hier helfen kleine E-Motoren, die sich aber nur zuschalten, wenn der Fahrer eine Lenkunterstützung braucht, erläutert der TÜV Nord.

Drive-by-wire

Begriffsklärung

Der Begriff by-wire bedeutet in der Autotechnik, dass mechanische und hydraulische Komponenten durch elektrische und mechatronische Bauteile ersetzt werden. Der Kraft- und Signalweg werden so voneinander getrennt.

Lenkung: Steer-by-wire

Ein Sensor am Lenkrad erkennt die Drehbewegungen. Ein Elektromotor am Lenkgetriebe generiert die Kräfte und schickt sie auf die Spurstangen. Am Steuer simuliert ein kleiner E-Motor die Rückmeldungen (force-feedback), die der Fahrer gewohnt ist.
Das Lenkgefühl bleibt erhalten, unerwünschte Impulse von Fahrbahn und Antrieb entfallen.

Bremsen: Brake-by-wire

Audi setzt beispielsweise im R8 e-tron so genante Spindelbremsen ein. An der Vorderachse drücken elektrisch betätigte Kugelgewindetriebe blitzschnell an die aus Kohlefaser-Keramik gefertigten Bremsscheiben.
Den Vorderwagen erleichtert das, weil voluminöse und gewichtige hydraulische Bauteile entfallen. Im Innenraum könnte zukünftig das starre Bremspedal einem kleinen Hebel oder einer Sensorfläche weichen, an der die Kräfte simuliert werden.

Schaltung: Shift-by-wire

Es ist die Fortetzung der tiptronic. Wenn die Wahl der Fahrstufen per Platz und Gewicht sparendem Joystick erfolgt, kann auch das klassische Schaltgestänge entfallen. Die Hydraulikeinheit von Automatikgetrieben bekommt ihre Kommandos elektrisch.

Vorteile

By-wire-Technik eröffnet den Autobauern neue Möglichkeiten. Beispiel Lenkung. Die Lenksäule entfällt, der Lenkgetriebe kann anders eingebaut werden. Per Tastendruck kann der Fahrer verschiedene Lenkübersetzungen und Setups wählen, von komfortabel bis sportlich. Mit anderen Systemen vernetzt, kann eine Steer-by-wire-Lenkung teils neue Korrektur- und Assistenzfunktionen ausführen.

Doch noch in diesem Sommer wird ein Vorreiter es anders machen: der Q50 der Nissan-Marke Infiniti, der erst in den USA und im September auch in Europa starten soll. Die Mittelklasselimousine wird laut dem Hersteller das weltweit erste Serienfahrzeug mit vollelektronischer Lenkung sein. Die Steuerbefehle werden über die Elektronik viel schneller umgesetzt, «als es die Mechanik je könnte», heißt es bei Infiniti. Das vermittle das Gefühl einer besonders direkten Lenkung, sagt Sprecherin Michaela Potisk. Die Steer-by-Wire-Technologie ermögliche auch die individuelle Einstellung der Lenkkraftunterstützung sowie der Lenkübersetzung.

«Die Kräfte bei vollelektronischen Lenkungen können frei ausgelegt werden», bestätigt Bettina Abendroth von der Technischen Universität Darmstadt. Und ihr Kollege vom Fachgebiet Fahrzeugtechnik, Prof. Hermann Winner, ergänzt: «Diese Stellschraube haben Sie.» Das Lenk- und Fahrgefühl, das dem Fahrer über das Steuer mitgeteilt wird, kann also unabhängig von der Straßenbeschaffenheit beeinflusst werden.

Kommentare (2)

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zephyroz

23.05.2013, 09:47 Uhr

Wieder ein Grund mehr, einen Youngtimer oder noch besser einen Oldtimer zu fahren.

Frieda

23.05.2013, 12:08 Uhr

"ist potentiell sicherer"
"kann auch bei xxxx helfen"
"kann tödlich sein"
"hat eventuell gravierende Nebenwirkungen"
"kann ... heilen"

Ich kaufe ungern von Firmen, die mich für blöd halten.
"Kann sein, dass auch andere Konsumenten sich so verhalten" 8-)

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