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13.12.2013

16:32 Uhr

Vom Sportwagen zum Jedermann-Auto

Auf der Suche nach der verlorenen Porsche-DNA

Porsche, das heißt für die meisten, reinrassige Sportwagen, linke Spur. Obwohl alles mit aufgemotzen Käfern begann. Doch dieses Image ist überholt, SUV bringen das große Geld. Überspannt Porsche mit dem Macan den Bogen?

Handelsblatt Online-Autoredakteur Frank G. Heide fährt gerne Porsche. Aber nicht alle Modelle. Sebastian Schaal

Handelsblatt Online-Autoredakteur Frank G. Heide fährt gerne Porsche. Aber nicht alle Modelle.

DüsseldorfIch liebe Porsche. Und zwar den alten luftgekühlten 911er, den Cayman S und den neuen Turbo. Aber nicht Panamera, nicht Cayenne, und schon gar nicht Macan. Sie können mich altmodisch nennen, denn ich habe großes Verständnis dafür, wenn VW-Konzerninsider die Zuffenhausener Marke mittlerweile „Sport-Skoda“ nennen, und Presseleute für Panamera und Cayenne hausintern neckisch „Lkw-Abteilung“ gerufen werden.

Für mich ist der Markenkern der 911er, der im Grunde „als aufgemotzter Käfer“ begann, wie es eine Führungskraft aus der VW-Nutzfahrzeugsparte auf den Punkt bringt. Und ich bin damit nicht allein. Porsche steht für die meisten Menschen immer noch für reinrassige Sportwagen. Doch längst baut der Stuttgarter Hersteller Limousinen und vor allem Geländewagen. Und das neue, kleinere Sports Utility Vehicle Macan verschiebt die Gewichte wohl bald endgültig.

Zwar stellt sich für Porsche selbst offiziell die Frage nicht, welche Art von Autos das Unternehmen baut: Sportwagen, und ausschließlich Sportwagen. Mal haben sie reinrassig zwei Sitze, mal bieten sie den Komfort und Platz einer Limousine und mal geraten sie etwas höher und wuchtiger wie ein Geländewagen. Und doch, es bleiben immer Sportwagen, sagt die Konzern-Sprachregelung. Über diesen Erfolg des Marketings können Sportwagenenthusiasten natürlich nur schmunzeln.

Aber die Zeit, in der Porsche von reinrassigen Sportwagen lebte, ist längst vorbei. Markiert wurde die Wende 2002, als man den damals noch viel zu plumpen Cayenne einführte. Seit diesem Zeitpunkt begann ein schleichender Prozess: Die Sportwagen gerieten in die Minderheit, weil die steigenden SUV-Verkäufe mehr Geld einbrachten.

Sportler-DNA in fetten SUV

Und der Cayenne läuft, obwohl in die Jahre gekommen, immer noch wie geschnitten Brot: Von den annähernd 120.000 Autos, die Porsche in den ersten neun Monaten des Jahres 2013 auslieferte, waren 63.000 Cayenne. Der Rest verteilte sich zu fast gleichen Teilen auf 911, Boxster/Cayman sowie Panamera. „Wenn sie den Cayenne nicht auf die Straße gebracht hätten, wäre das ein Problem gewesen“, sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Mit Sportwagen allein hätte Porsche seine traumhaften Renditen der vergangenen zehn Jahre nicht verdient.

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Erstaunlich für Sportwagen-Liebhaber war dabei stets, wie reibungslos der heutigen VW-Tochter der Imagetransfer gelang, wie gut und schnell auch fette Geländewagen und überdimensionierte Limousinen unter dem Label einer Sportwagen-Manufaktur von den Käufern akzeptiert wurden.

Und nach Ansicht von Stefan Bratzel dürfte auch der Macan dem Image Porsches als Sportwagenschmiede noch nicht schaden. Allerdings: „Irgendwann ist die Grenze erreicht, dann überdehnt man die Marke“, warnt der Auto-Experte.

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