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22.07.2014

09:53 Uhr

Von einem Fettnäpfchen ins nächste

BBC droht „Top Gear“ mit Aus

Wer „Top Gear“ liebt, hat mit seriösen Tests wenig im Sinn. In der erfolgreichsten Auto-TV-Sendung der Welt geht es um freche Sprüche, Vorurteile, schräge Experimente und Nonsense. Der wächst der BBC nun über den Kopf.

Auto-Infotainment nach Art von „Top Gear“: Jeremy Clarkson hat den Dreh fest im Blick. PR

Auto-Infotainment nach Art von „Top Gear“: Jeremy Clarkson hat den Dreh fest im Blick.

LondonMit weltweit bis zu 350 Millionen Zuschauern zählt „Top Gear“ zu den erfolgreichsten Motorsendungen im internationalen Fernsehen. Trotz der Kritik, die Sendung sei zu machohaft, verleite zu einem unverantwortlichen Fahrstil und ignoriere Umwelt sowie Umweltschutz.

Ihren Riesenerfolg verdankt die Sendung in erster Linie wohl der irren Mischung aus dem typisch schwarzen, aber selten feinen britischen Humor ihrer Moderatoren Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May, und schamlosen Übertreibungen und klassischem Nonsens, mit dem insbesondere Deutschland und dessen unrühmliche Geschichte oft durch den Kakao gezogen werden.

Aber auch andere Nationen wie Frankreich und die USA bekommen ihr Fett weg. Dass es dabei regelmäßig auch unter die Gürtellinie geht, scheint die Zuschauer kaum nennenswert zu stören, im Gegenteil. Vielleicht gewann die Show ja gerade deshalb 2005 den Internationalen Emmy für die beste Entertainmentshow.


Neben ernsthafter Kaufberatung und Vergleichstests werden regelmäßig überraschende Experimente in die Sendung integriert, wie zum Beispiel „Wie weit fliegt ein Volvo 240 Kombi über eine Rampe und einige Wohnwagen?“

Ein Highlight waren die verschiedenen Versuche, einen Toyota Hilux Pickup zu vernichten: Er wurde gegen einen Baum gefahren, ein Wohnwagen wurde auf ihn fallen gelassen, er wurde der Flut vor Bristol ausgesetzt, er wurde angezündet und schlussendlich auf ein Hochhaus gestellt, das gesprengt wurde. Danach fuhr er immer noch und war ausschließlich mit dem serienmäßigen Bordwerkzeug fahrtüchtig gemacht worden.

In die Kategorie „lebensgefährlicher Nonsense“ dürfte auch die Vergleichsfahrt dreier offener Cabrios von Arbil im Irak nach Bethlehem im Westjordanland einzuordnen sein. Die Reiseroute verlief durch den Irak, die Türkei, Syrien und Jordanien.

Wie weit kann der fliegen? E in Volvo als Opfer. PR

Wie weit kann der fliegen? Ein Volvo als Opfer.

Jetzt aber scheint Top Gear mit seinen allzu lockeren Sprüchen etwas zu weit gegangen zu sein. Jeremy Clarkson bekam von der BBC einen Schuss vor den Bug - werde er so weitermachen, dann sei Schluss mit lustig.

Was war geschehen? Drei Vorfälle hatten den Zorn der BBC-Intendanz geweckt. Zunächst hatte Top Gear das Elektroauto von Tesla in Bausch und Bogen niedergemacht.

Auf der hauseigenen Rennstrecke, einem ehemaligen Flughafen, war dem Tesla Roadster angeblich schon nach 55 Meilen der Strom ausgegangen und nicht erst nach 200 wie Tesla versprochen hatte. Es kam zu einem Gerichtsverfahren, bei dem Top Gear erst in letzter Instanz mit einem blauen Auge davon kam.

Kommentare (7)

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Herr Joachim Buch

22.07.2014, 10:37 Uhr

Mein Gott, was sind die Leute empfindlich. Man WEISS doch, daß TopGear IMMER unter der Gürtellinie ist und wer das nicht ab kann, der soll die Sendung halt nicht gucken. Die Drohung der BBC ist (wenn sie denn ernst gemeint ist) ein vollkommen zahnloser Tiger, denn Herr Clarkson würde schneller als man gucken kann, einen Sender finden, der das Format mit anderem Namen übernimmt. Die Fangemeinde zieht da sofort mit, denn die Nachricht darüber wird sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Ohne Mr. Clarkson könnte die BBC die Sendung zwar weitermachen, aber vermutlich mit den Einschaltquoten einer Sendung über die Erstellung von Grünkernbratlingen. Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, daß die BBC Herrn Clarkson droht, um die Kritiker zu beruhigen, denn die Jungs bei BBC wissen doch auch um den Erfolg der Reihe und so einen wie Clarkson schmeißt man nicht freiwillig über Bord. Die Gutmenschen sollen sich nicht so haben - diese Sendung ist das Ventil, das es bei zu viel political Correctness braucht.

Herr Immer

22.07.2014, 10:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Moritz J. Mueller

22.07.2014, 11:08 Uhr

Auf der Sucht nach Einschaltquoten sind diese Herren schon lange ins Pathetische abgedriftet. Futter fürs gemeine Folk. Früher wohnte man öffentlichen Hinrichtungen bei und applaudierte (auch wenn der Hingerichtete unschuldig war), heute, da nicht mehr möglich, freut man sich wenn irgendwelche Fahrzeuge (zu unrecht) nieder gemacht werden.

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