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11.03.2014

11:58 Uhr

Warum Automarken verschwinden

Sag beim Abschied leise Servus

VonHeiko Haupt
Quelle:Spotpress

Sie bauten „pure Emotion“, boten Autos in „sportlichem Maßanzug“ oder einfach „günstig wie nie“ an – dann waren sie plötzlich weg. Mehr als zehn Marken sind seit dem Jahr 2000 vom deutschen Markt verschwunden.

Panorama: Warum Automarken verschwinden - Sag beim Abschied leise Servus Lancia

Ende einer traditionsreichen Fiat-Tochter: Lancia wird außerhalb Italiens bald Geschichte sein.

Nun also doch: Zwei Jahrzehnte schaute die Autowelt Lancia bei einem aussichtslosen Überlebenskampf zu. Bis kürzlich aus Italien gemeldet wurde, man wolle die Marke in allen Märkten außerhalb der Heimat sterben lassen. Doch das ist nur die jüngste Todesnachricht. In den vergangenen Jahren wurde eine ganze Reihe von Marken zu Grabe getragen.

Bei einigen wird das Verschwinden bis heute bedauert, bei anderen kam das Ende unbemerkt, weil sich längst niemand mehr um die Modelle scherte. Denn wenn Automarken eingestampft werden, verbergen sich dahinter sehr unterschiedliche Gründe: Mal machten potenzielle Käufer schlicht einen großen Bogen um die Verkaufsräume, mal setzten profilierungssüchtige Manager ihren Willen durch, ohne an geschäftliche Realitäten zu denken – nicht selten allerdings wurden Autobauer Opfer der unfassbaren Langweiligkeit ihrer Produkte.

Proton: Klingt irgendwie nach Waschmittel, ist aber die Abkürzung für Perusahaan Otomobil Nasional – übersetzt Nationale Automobil-Gesellschaft. Die Marke aus Malaysia ging 1995 in Deutschland an den Start. Das Versprechen einer sechsjährigen Garantie sollte damals Kunden davon ablenken, dass man eigentlich nur Lizenzmodelle auf Mitsubishi-Basis anbot.

Was nicht funktionierte: 2001 gab Proton in Deutschland wieder auf. „Das größte Problem einer Marke wie Proton war die Beliebigkeit“, sagt Automobil-Experte Andreas Bremer vom IfA-Institut für Automobilmarktforschung. „Ich kann mich heute an kein Modell von denen mehr erinnern.“ Nichtssagende Modellbezeichnungen wie Proton 300 oder 400 beschleunigten das Vergessen.

Saab: Bei den Schweden lief es genau umgekehrt: Die Marke war dafür berühmt, dass ihre Autos etwas Besonderes darstellten – daran änderten auch die ebenfalls nichtssagenden Modellbezeichnungen wie 900, 9000 oder 9-3 nichts. „Saab war die Marke für Individualisten – doch dann kam General Motors“, fasst Bremer das Problem zusammen.

Nach dem Beginn der sogenannten Partnerschaft mit dem US-Konzern wurde Saab zum Schatten seiner selbst: Man baute leidlich getarnte Abklatsche von Großserienmodellen wie dem Opel Vectra – die Kunden blieben aus. Später stieß GM Saab wieder ab, Ende 2011 stellte der Autobauer in Schweden Insolvenzantrag. Seit Herbst 2013 werden in den Werkshallen zwar in kleinster Kleinstserie wieder Saab gebaut, wirklich sicher erscheint die Zukunft jedoch nicht.

Lancia: Noch im Herbst 2013 wurde ein Sprecher damit zitiert, dass es Wahnsinn wäre, diese Marke sterben zu lassen. Doch Lancia existiert im Grunde schon seit Jahren nicht mehr wirklich. Was einst als Synonym für fortschrittliche Technik und begeisterndes Design stand, war zum Schluss – mit Ausnahme des Kleinwagens Ypsilon - nicht viel mehr als ein Typenschild auf Chrysler-Blech.

Trotz des langen Siechtums mag Experte Bremer ein Lancia-Comeback in der Zukunft nicht ausschließen: „Diese Marke hat so einen Namen, so einen Klang – die wird nicht ewig verschwinden.“

Maybach: Eine Marke mit großer Geschichte – die jedoch längst vergessen war, als sich Daimler 2002 zur Wiederbelebung von Maybach als Luxussparte entschloss. „Das war eine Marke, nach der niemand gerufen hat“, fasst Bremer zusammen. Vor allem enttäuschte das Design der Autos, die zudem noch als „gepimpte S-Klasse“ von Mercedes wahrgenommen wurden. Letzte Fahrzeuge verkaufte man 2013, das war’s dann. Böse Zungen behaupten, dass der Ursprung des Maybach-Plans ohnehin darauf zurückzuführen sei, dass sich ein ehemaliger Konzernchef damit ein Denkmal setzen wollte. Das allerdings bröckelte schnell.

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