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28.12.2011

08:10 Uhr

Warum kleine SUVs boomen

Cooler als Kombis, aber ebenso praktisch

Quelle:dpa

Immer mehr Menschen wollen Geländewagen fahren, als wären unsere Autobahnen Geröllfelder. Die Industrie trägt der Entwicklung mit vielen neuen Modellen Rechnung - auch eher kleinen.

Mit 4,35 Metern etwas kürzer als der VW Tiguan: das CrossCoupé von Volkswagen. Gezeigt wurde die deutlich sportlicher als ein herkömmlicher Geländewagen gezeichnete Hybrid-Studie auf der Motorshow in Tokio. PR

Mit 4,35 Metern etwas kürzer als der VW Tiguan: das CrossCoupé von Volkswagen. Gezeigt wurde die deutlich sportlicher als ein herkömmlicher Geländewagen gezeichnete Hybrid-Studie auf der Motorshow in Tokio.

Tokio/Los AngelesDer Trend zum Geländewagen ist ungebrochen: «Kein anderes Segment hat in den letzten Jahren so konstant zugelegt», sagt der Chef des Analyseinstitutes Jato Dynamics in Limburg, Nick Margetts. Warum diese Liebe der Deutschen zum hochbeinigen Fahrzeug? Auch darauf hat der Marktforscher eine Antwort: «Sie sind mittlerweile genauso praktisch wie Kombis, sehen aber cooler aus.

Und selbst den Verbrauchsnachteil haben die Hersteller in den Griff bekommen.» Die Hersteller schlachten diesen Trend aus. Dabei haben sie eine Marktnische aufgestemmt: Nachdem die großen Geländewagen wegen ihres Gewichts und des hohen Verbrauchs in Verruf geraten waren und die kompakteren wie ein VW Tiguan nichts Neues mehr sind, drängen vermehrt kleine Kraxler zu den Händlern.

Für Jato-Manager Margetts ist das nur logisch: «Hier gibt es noch nicht so viel Konkurrenz, und viel Kritik haben so kleine Fahrzeuge auch nicht zu erwarten. Selbst der Allradantrieb scheint heute generell verzichtbar.»

Musste man früher tief in die Tasche greifen, sind Geländewagen auch wegen des vereinfachten Antriebs heute ein vergleichsweise preisgünstiges Vergnügen. Los geht es zum Beispiel mit Fahrzeugen wie dem Dacia Duster bereits ab 11 190 Euro. Der Fiat Panda 4x4 steht vor dem Generationswechsel mit 13 890 Euro in der Liste, den Suzuki Jimny gibt es für 14 990 Euro, und der Skoda Yeti steht für 19 000 Euro beim Händler. Und wenn es etwas mehr Lifestyle sein soll, steht ab 15 690 Euro der Nissan Juke als kleines SUV-Coupé beim Händler.

Citroën mischt mit dem C4 Aircross weiter mit im Segment der kompakten Geländewagen. Der vom Mitsubishi ASX abgeleitete Wagen soll auf dem Genfer Autosalon Weltpremiere feiern. PR

Citroën mischt mit dem C4 Aircross weiter mit im Segment der kompakten Geländewagen. Der vom Mitsubishi ASX abgeleitete Wagen soll auf dem Genfer Autosalon Weltpremiere feiern.

Und der Reigen geht weiter: Der jüngste Entwurf kommt von VW. Auf der Motorshow in Tokio (3. bis 13. Dezember) zeigten die Niedersachsen gerade das Cross Coupé, das mit 4,35 Metern etwas kürzer als der VW Tiguan ist. Es hat zwar vier Türen, sieht aber deutlich sportlicher aus als ein konventioneller Geländewagen. Angetrieben wird die Studie laut VW von gleich drei Motoren: Im Bug arbeiten ein Benziner mit 110 kW/150 PS und ein Elektromotor mit 40 kW/54 PS, die alleine oder gemeinsam auf die Vorderachse wirken. Ist Allradantrieb vonnöten, schaltet sich ein Elektromotor mit 85 kW/115 PS an der Hinterachse zu. Bis zu 201 km/h schnell, verbraucht das CrossCoupé im Normzyklus 2,7 Liter (CO2-Ausstoß: 64 g/km). Rein elektrisch fährt es bis zu 45 Kilometer weit.

Generation, die zweite: Auf der Automesse in Los Angeles wurde der Ford Escape gezeigt. Formgleich wird das Kompakt-SUV als neuer Kuga nach Europa kommen. PR

Generation, die zweite: Auf der Automesse in Los Angeles wurde der Ford Escape gezeigt. Formgleich wird das Kompakt-SUV als neuer Kuga nach Europa kommen.

Während VW nur wenig Hoffnung auf eine schnelle Serienumsetzung macht, geht Opel weiter: «Im Frühjahr zeigen wir zum ersten Mal einen kleinen Geländewagen auf Basis des Corsa», sagt ein Pressesprecher in Rüsselsheim. Premiere feiern solle der kleine Bruder des Antara auf dem Genfer Autosalon im März. Kurz darauf könne man ihn kaufen.

Ebenfalls beschlossene Sache ist nach Angaben von Fiat in Turin auch die Allradversion des neuen Panda.

Bei Audi übt man sich noch in Gedankenspielen: Nach Q7, Q5 und Q3 ist ein Q1 nicht unwahrscheinlich, zumal Entwicklungsvorstand Michael Dick für den A1 gerade eine Version mit Allradantrieb angekündigt hat, der als technische Basis herhalten könnte. Aber eine offizielle Bestätigung für ein kleines SUV aus Ingolstadt gibt es nicht.

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Die kleinen Helfer fürs Allrad-Abenteuer

Allradantrieb, Unterbodenschutz, Bergassistent: Kaum ein Fahrer nutzt, was sein Geländewagen kann. Parallel grübeln Entwickler, wie sie Offroad-Trips und Flussdurchfahrten beherrschbarer machen können. Dabei genügen manchmal einfache Ideen.

Selbst Porsche folgt dem Trend zu kleineren Autos: Zwar wird es so schnell keinen wirklich kleinen Geländewagen aus Zuffenhausen geben. Aber immerhin hat Porsche-Chef Matthias Müller wiederholt einen kleinen Bruder des Dickschiffs Cayenne bestätigt: «Die Arbeiten unter dem Projektnamen Cajun gehen nach Plan, und 2013 werden wir das Auto präsentieren.»

Und im Segment der kompakten Geländewagen ist weitere Bewegung: Dem Branchenprimus Tiguan wollen im kommenden Jahr ein halbes Dutzend neue Allradler ans Leder. So hat Ford auf der Autoschau in Los Angeles gerade den neuen Espace enthüllt, der mit größerem Format und kleinerem Verbrauch im Sommer als zweite Generation des Kuga auch nach Europa kommt.

Honda stellt für den Genfer Salon die nächste Auflage des CR-V in Aussicht, den man als US-Modell ebenfalls schon in Los Angeles sehen konnte. Mazda startet im Frühjahr mit dem CX-5. Und die Franzosen versuchen es mit einem Zwillingspärchen: Abgeleitet vom Mitsubishi ASX bringt Peugeot den 4008 und Citroën den C4 Aircross. Beide Autos feiern ihre Weltpremiere den Herstellern zufolge ebenfalls in Genf und sollen noch vor dem Sommer an den Start gehen.

In Los Angeles war die US-Version des CR-V schon zu sehen. Auf dem Genfer Autosalon will Hersteller Honda das Kompakt-SUV auch für Europa vorstellen. dpa

In Los Angeles war die US-Version des CR-V schon zu sehen. Auf dem Genfer Autosalon will Hersteller Honda das Kompakt-SUV auch für Europa vorstellen.

Auch wenn den kleinen Kraxlern eine große Zukunft vorausgesagt wird, sterben die großen Geländewagen nicht aus. Im Gegenteil: «Auch in der Allrad-Oberliga wird es im nächsten Jahr reichlich Nachschub geben», sagt Nick Margetts. Er spielt damit auf Premieren wie den nächsten Range Rover von Land Rover an oder die zweite Auflage des GL von Mercedes, die beide 2012 ihren Einstand geben. Aber auch bei den großen Geländewagen beginnt ein Umdenken: «Mit Leichtbau und Hybridantrieb wollen sie aus der Kritik fahren und ihren Kundenstamm behalten», sagt Margetts.

Auto-Antriebe

Verbrennungsmotor

Billiges Öl in den USA und der Beginn der Massenmotorisierung durch Ford haben dem „Verbrenner“ zum Durchbruch verholfen. In verschiedenen Varianten treibt er heute beinahe alles an, was fährt. Ob Ottomotor oder Dieselmotor, beide Aggregate werden vor allem mit fossilen Brennstoffen, also Produkten aus Erdöl betrieben. Doch die Technik lässt je nach Modifikation auch anderen Treibstoff zu, etwa Alkohol, Biodiesel, Gase oder gar Frittenfett. So kann der Verbrenner auch ein alternativer Antrieb sein.

Autogas und Erdgas

Der Antrieb mit Autogas funktioniert nach einer technischen Umrüstung in fast allen Benzinmotoren. Die kostet je nach Modell einige tausend Euro. Der günstigere Preis für das Gas spart zwar Geld, die Investition rechnet sich meist aber nur für Vielfahrer. Autogas (LPG) ist allerdings nicht an allen Tankstellen zu haben, zudem schmälert der Zusatztank meist den Platz im Kofferraum. Ist der Gastank leer, fährt der Motor mit Benzin weiter.

Eine andere Möglichkeit ist Erdgas, das ebenfalls in einem herkömmlichen Ottomotor verbrannt wird. Autos mit Erdgas-Antrieb finden sich häufiger in größeren Flotten oder auch in Bussen. Auch hier ist das Tankstellennetz noch nicht flächendeckend. Ein redaktionelles Special zu diesem Thema finden Sie hier.

Hybrid

Autos mit Hybrid-Antrieb haben beides an Bord: einen Verbrennungs- und einen Elektromotor. Dabei gibt es mehrere Varianten wie sogenannte „milde“, „volle“ und Plug-in-Hybriden. In der „milden“ Variante wird die Batterie etwa mit der Bremsenergie aufgeladen und greift dem Verbrennungsmotor unter die Arme. Ein Vollhybrid kann auch rein elektrisch fahren, die Batterie wird während der Fahrt mit dem Benziner geladen, auch wird Energie beim Bremsen erzeugt. Der Plug-in-Hybrid schließlich kann an der Steckdose geladen werden, was seine Reichweite beim elektrischen Fahrbetrieb verlängert. Mehr zum Thema Hybrid und Elektro-Auto lesen Sie hier.

Elektromotor

Reine Elektroautos sind zurzeit noch echte Raritäten auf den Straßen der Welt, obwohl sie in den Anfangsjahren des Automobils schon einmal breiter vertreten waren als Verbrennungsmotoren. Sie werden von Batterien gespeist und kommen ganz ohne fossile Energieträger aus - wenn man davon absieht, dass der Strom oft aus Kohle, Gas oder Atomkraft gewonnen wird. Viele Hersteller forschen derzeit an E-Autos und verfolgen dabei etliche verschiedene Ansätze. So werden etwa herkömmliche Fahrzeuge umgebaut oder ganz neue Konzepte speziell für den Stromantrieb entwickelt.

Dabei hat der Antrieb eine lange Geschichte und ist alles andere als eine neue Idee. Bereits in der Frühzeit der Automobilgeschichte gab es „Stromer“, bei kleinen Lieferwagen erhielt sich der Antrieb. Billiges Öl und wachsender Bedienkomfort verhalfen dem Verbrenner aber zum Durchbruch. Nun erlebt die E-Technik eine Wiedergeburt. Das größte Problem dabei ist die Speichertechnik, sprich die Batterien. Mehr zum Thema Hybrid und Elektro-Auto lesen Sie hier.

Brennstoffzelle

Für Ingenieure ist sie die Krönung des Antriebs - lautlos, leistungsstark und aus dem Auspuff strömt nur Wasserdampf. Die Brennstoffzelle treibt bereits U-Boote an, auch Versuchsautos gibt es längst. Dennoch ist Technik noch lange nicht für den Massenmarkt bereit. Ungeklärt ist etwa die Frage, wie der Wasserstoff energieeffizient und umweltschonend gewonnen werden kann. Auch technisch gibt es noch viel zu klären, vom Ausbau des nötigen Tankstellennetzes einmal ganz zu schweigen. Trotzdem halten viele Experten die Brennstoffzelle für den Königsweg und das batteriegetriebene E-Auto für nicht viel mehr als einen Zwischenschritt in der Entwicklung der Mobilität der Zukunft.

Kommentare (3)

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28.12.2011, 08:40 Uhr

Es sind blödsinnige Überschriften wie diese, die den unseligen Boom dieser albernen Kisten noch befördern: Was um Himmels willen ist daran "cool"? Der zweite Teil der Überschrift ist zudem häufig schlicht unwahr - ich kenne SUV´s, in die weniger Gepäck passt als in meinen Kompakt-Kombi. Und spätestens beim Einparken hört es dann auf mit "praktisch" - da wird dann gern mal der Platz für die Rollifahrer okkupiert, weil der so schön breit ist. Der Planet erstickt an unseren Abgasen, das Öl neigt sich dem Ende zu - aber wir gewöhnen uns an, allein oder zu zweit in lächerlich aufgeblasenen Proleten-Karren durch die Gegend zu fahren, die allein qua Gewicht und Luftwiderstand rund 30 bis 50 Prozent mehr Sprit verbauchen (Praxis, nicht Schwachsinns-Norm) - das nennt man dann Fortschritt und findet es "cool", wie absurd.

Ex-VW-Fahrer

28.12.2011, 08:48 Uhr

Ein richtiger Cooler ist der Dacia Logan Kombi. Günstig in der Anschaffung. Kein Schnickschnack für Memmen, wie z.B. Servolenkung. Und ein Wiederverkaufswert von dem selbst VW-Fahrer nur träumen können.

Account gelöscht!

28.12.2011, 10:13 Uhr

Wir schreiben das Frühjahr 2007, bei BMW steht im Vorstand die Produktionsentscheidung für einen X7 an. Das Ergebnis war die Entscheidung für den X1. Er mußte auf Planstückzahlbasis den gleichen DB einbringen wie ein X7. Also nahm man die schon abgeschriebene Heck- und Allradantriebsplattform des E46 Touring, legte sie durch modifizierte Feder-Dämpferelemente etwas höher und stülpte ihr eine sportlicher und robuster wirkende Coupe-Karosse über. Innen bekam er den Armaturenträger des jüngst eingeführten 1er und modifizeirte Verkleidungen. Fertig war der nach dem Tiguan erfolgreichste SUV.

Rational ist der Run auf diese Fahrzeuggattung nicht erklärbar. Zumal es ja keine Geländewagen sind. Kaum jemand fährt damit über Wald- und Wiesenwege, geschweige denn durchs Gelände. Ca 80% aller Kompakt SUV werden mit 2-Radantrieb geordert. Die wahren Kaufmotive lassen sich in einem Satz formulieren: "My car is my castle". Bequemer Ein- und Ausstieg, erhöhte Sitzposition, großzügiges Raumgefühl, Herr über das Geschehen und unangreifbar sein. Die äußerlich robuste Erscheinung suggeriert Dominanz, Autorität und Überlegenheit. Gefühlsmäßig verschafft man sich mit solchen Autos Respekt.

Und was den Trend zum sportlich dynamischen Design angeht kann ich nur sagen: Wenn das Alter an der Physis nagt, wird es peinlich, nicht mehr behende in einen richtigen Sportwagen ein- und aussteigen zu können. Dann wird eben aus einem 911er ein Cayenne. Der ist nun mal komfortabler. Anders gesagt: Wir Menschen sind bequem vielleicht sogar träge geworden.

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