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06.01.2015

02:21 Uhr

Wasserstoff-Autos

Toyota erlaubt Nutzung seiner Patente

Auf der Technik-Messe CES zeigen Autobauer Touch-Screens und Selbstfahrtechnik. Toyota dagegen setzt auf Brennstoffzellen, die Wasserstoff in Strom umwandeln - und macht der Konkurrenz ein kostenloses Angebot.

Fährt mit Brennstoffzellen-Technik: das Wasserstoffauto "Mirai" von Toyota. AFP

Fährt mit Brennstoffzellen-Technik: das Wasserstoffauto "Mirai" von Toyota.

Las VegasToyota stellt seine Patente für Brennstoffzellen-Technologie der Konkurrenz kostenlos zur Verfügung, um den Markt in Bewegung zu bringen.

Das Angebot solle für die Einführungszeit des ersten kommerziell vermarkteten Brennstoffzellen-Modells „Mirai“ von Toyota voraussichtlich bis Ende 2020 gelten, sagte Konzernmanager Bob Carter auf der Technik-Messe CES in Las Vegas am Montag. Die 170 Patente für Nachfüllstationen will Toyota sogar unbegrenzt gratis nutzen lassen.

Das Wichtigste über Wasserstoff und Brennstoffzellen

Wasserstoff und Brennstoffzelle

Wasserstoff ist im Gegensatz zum Öl kein begrenzter Rohstoff. Es ist das am häufigsten vorkommende chemische Element. Größter Erzeuger ist die chemische Industrie, die Wasserstoff als Neben- oder Koppelprodukt herstellt. Allein damit könnten in Deutschland nach Angaben des Technologiekonzerns Linde 750.000 Fahrzeuge betrieben werden.

Das Prinzip

Das Prinzip ist einfach, die technische Umsetzung aber anspruchsvoll: Bei der energieaufwendigen Elektrolyse wird Wasser mit Hilfe von Elektrizität in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Wasserstoff ist ein flüchtiges und reaktionsfreudiges Gas, das nur unter hohem Druck oder extrem gekühlt gelagert werden kann.

Wirkungsweise

In einer Brennstoffzelle erzeugen Wasserstoff und Sauerstoff an einer Membran in einer sogenannten kalten Verbrennung Elektrizität. Dabei entsteht auch Wärme. Das Abgas ist Wasserdampf. In einem Auto kann mit einer Brennstoffzelle ein Elektromotor angetrieben werden.

Teures Platin

Bei den Kosten ist Platin, das in der Brennstoffzelle als Katalysator dient, ein gewichtiger Faktor. Eine Feinunze (31,1 Gramm) des edlen und seltenen Metalls kostet derzeit rund 1.000 Euro. Aktuell benötigen die Hersteller für den Brennstoffzellenantrieb eines Autos zwischen 30 und 40 Gramm Platin. Zwar peilt man Werte von 6 – 10 Gramm pro Auto an, völlig platinfreie Lösungen sind aber noch nicht in Sicht.

Umstrittene Erzeugung

Umstritten ist aber die Erzeugung des Wasserstoffs. Bislang wird der Energieträger zu 90 Prozent aus dem fossilen Rohstoff Erdgas hergestellt. Während aus dem Auspuff eines Brennstoffzellenautos nur Wasserdampf entweicht, wird bei der Herstellung des Wasserstoffs das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Wird Wasserstoff aber mit Hilfe von Strom aus Windenergie oder Photovoltaik gewonnen, ist die Klimabilanz deutlich besser.

Reichweite

Die Reichweite von Autos mit Brennstoffzelle ist deutlich größer als die der batteriegetriebenen Fahrzeuge. Ein Beispiel: Eine Mercedes-Benz B-Klasse mit Brennstoffzelle hat nach Unternehmensangaben eine Reichweite von 385 Kilometern, der Elektro-Smart mit Batterie kann bis zu 135 Kilometer zurücklegen.

Während andere Autobauer in Las Vegas einen Schwerpunkt auf selbstfahrende und vernetzte Autos setzten, beschränkte Toyota die kurze CES-Präsentation fast ausschließlich auf das Brennstoffzellen-Auto. Es kommt in diesem Jahr auf den Markt.

Man werde 2015 voraussichtlich nur 700 „Mirai“-Fahrzeuge bauen, sagte Carter. In den 2020er Jahren dürften es „Zehntausende“ jährlich sein.

Toyota arbeitet seit rund 20 Jahren an der Brennstoffzellen-Technologie und nahm dafür auch hohe Investitionen in Kauf. Im Rest der Branche wird die Technik, bei der Wasserstoff in Strom umgewandelt wird, größtenteils skeptisch gesehen.

Es ist kein Einzelfall, dass ein Unternehmen seine Patente frei nutzen lässt, um einem Markt einen Schub zu geben. Einen ähnlichen Weg ging zum Beispiel auch der Elektroauto-Hersteller Tesla.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Horst Mueller

06.01.2015, 08:44 Uhr

Die Mineralölindustrie wird alles tun um den Brennstoffzellenantrieb auf den Nimmerleinstag zu verschieben.

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