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16.01.2007

09:51 Uhr

Motorradhelm dpa

Auch gute Helme kommen noch auf Lautstärken von 82 Dezibel. (Bild: Adac/dpa/gms)

dpa/gms BRAUNSCHWEIG/LANDSBERG. Wenn die Begriffe Lärmbelästigung und Motorrad genannt werden, geht es meist um heftige Töne aus den Auspuffrohren. Doch auch der Fahrer ist auf Landstraße und Autobahn einem nicht zu unterschätzenden Lärmpegel ausgesetzt.

Auf dem Motorrad pfeift einem der Wind um die Ohren. Die Fahrer sehen es als ein Stück der Freiheit und Naturverbundenheit an, die sie bei ihren Ausfahrten genießen. Doch der Wind hat auch eine Stimme und die ist ziemlich laut. Verantwortlich dafür ist vor allem, was der Helm an die Ohren lässt.

Selbst in optimalen Testsituationen kommt man auf Werte, die hart an der Grenze sind, das Gehör zu schädigen. „Es gibt gute Helme, mit denen in Testsituationen Werte von 82 Dezibel erreicht werden“, erklärt Ruprecht Müller, Motorradexperte des Adac-Technikzentrums im bayerischen Landsberg. „In der Praxis kommt auch so ein Helm wohl auf 85 Dezibel bei einer Fahrgeschwindigkeit von Tempo 100.“

Der Helmhersteller Schuberth in Braunschweig gehört zu den wenigen, die sich um die Minderung dieser Lärmbelastung kümmern, vor allem durch Helmkonstruktionen. „Man kann sagen, dass ein leiserer Helm bei 100 Stundenkilometern auf etwa 85 Dezibel kommt“, erklärt Schuberth-Sprecher Andreas Rimböck. „Ein Helm ohne Geräusch dämmende Maßnahmen erreicht bei Tempo 100 Werte bis zu 107 Dezibel.“ Bei höheren Geschwindigkeiten sind durchaus Pegel von 120 Dezibel möglich - was dem Lärm eines dicht vorbeifliegenden Düsenjets entspricht.

Was diese Werte im Alltag bedeuten, zeigt ein Beispiel aus der Arbeitswelt: „Bei 85 Dezibel liegt hier die Schallgrenze“, sagt Karsten Mohr vom Forum Besser Hören in Hamburg. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer einen Gehörschutz tragen müssen, wenn sie regelmäßig einem Lärm von entsprechenden Ausmaßen ausgesetzt sind.

Bei Motorradfahrern kommt zur eigentlichen Belastung noch etwas anderes hinzu: Die Belastung wird meist nicht einmal als solche angesehen. „Generell kann man sagen, dass die Geräuschbelastung bis vor kurzen kein Thema war“, sagt Andreas Rimböck. „Das ändert sich erst jetzt langsam.“

Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass sich der Lärm nicht einfach durch das Aufsetzen eines entsprechend konstruierten Helmes ausblenden lässt. „Es kann zum Beispiel sein, dass ein Helm auf einem Motorrad leise, auf dem anderen sehr laut ist“, erklärt Michael Lenzen, Sprecher des Bundesverbandes der Motorradfahrer (Bvdm) in Mainz. Ursache dafür ist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren: So strömt die Luft in einem bestimmten Winkel über die Verkleidung des Motorrades. Wo sie dann auf den Helm trifft, hängt von der Größe und auch der Sitzposition des Fahrers ab.

Die Arbeiten an der Geräuschminderung der Helme selbst sind noch längst nicht abgeschlossen. „Unser mittelfristiges Ziel sind 80 Dezibel“, so Andreas Rimböck. Selbst wenn die Entwicklung auf diesen Gebieten fortschreitet, gilt, dass ein Motorradfahrer sich besser keinen Helm von der Stange kauft. „Man sollte mit einem Helm auf jeden Fall eine Probefahrt vor dem Kauf machen“, rät Michael Lenzen. Nur so lässt sich klären, wie der spezielle Helm sich bei der Kombination des jeweiligen Fahrers und seines Motorrades verhält.

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