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06.12.2013

10:45 Uhr

Wertanlage oder Liebhaberei?

Was den Wert von Oldtimern ausmacht

Quelle:dpa

Als Garagengold bezeichnen Oldtimer-Fans gern ihre Classic Cars, - und der Markt boomt. Aber nur Experten können den Wert eines Oldtimers genau schätzen.

Seltener Käfer: Den Gelb-Schwarzen Renner baute Volkswagen nur 3.500 Mal - das macht das Sondermodell auf dem Oldtimer-Markt vergleichsweise teuer. Wenn der Zustand gut ist. PR

Seltener Käfer: Den Gelb-Schwarzen Renner baute Volkswagen nur 3.500 Mal - das macht das Sondermodell auf dem Oldtimer-Markt vergleichsweise teuer. Wenn der Zustand gut ist.

BerlinEin VW Käfer 1300 der Baujahre 1967 bis 1973 war im Jahr 2012 das Pkw-Modell mit dem größten Wertzuwachs. Noch vor wenigen Jahren gab es Käfer zu Schnäppchenpreisen im dreistelligen Bereich auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Schaut man sich heute die Preise in gängigen Internetportalen an, wird man feststellen, dass für Käfer inzwischen sogar fünfstellige Euro-Beträge keine Seltenheit sind.

«Dennoch hat sich die Wertentwicklung historischer Kraftfahrzeuge im vergangenen Jahr verlangsamt», stellt Stefan Röhrig vom Verband der Automobilindustrie (VDA) fest. «Man sollte einen Oldtimer als Kapitalanlage auch nicht überschätzen», rät der Leiter des Fachreferats Historische Fahrzeuge. Der VDA gibt die durchschnittliche Wertsteigerung von Oldtimern in Deutschland für das Jahr 2012 mit 4,2 Prozent an (2011: 9,3 Prozent).

Deutliche Wertzuwächse gab es laut Röhrig bei einigen Modellen aus Frankreich, Italien und Schweden. Auffallend sei, dass viele frühere Großserienmodelle deutliche Wertsteigerungen erfahren hätten - etwa der Volvo Amazon, der Renault 16 oder auch der Chevrolet Camaro.

Wo der Wert ihres Traumautos grob einzuordnen ist, erfahren Oldtimer-Fans beispielsweise online. Das Unternehmen Classic-Tax bietet im Internet eine kostenlose Berechnung des Marktwerts an - ein preislicher Rahmen dessen, was das ausgewählte Modell in unterschiedlichem Gebrauchszustand aktuell kostet.

Oldtimer und ihre Bewertung

Kein Oldie ohne Bewertung

Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

Note 1

Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

Note 2

Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

Note 3

Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

Note 4

Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

Note 5

Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

Ergänzungen

Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

Restauration

Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

Originalität

Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

Prominenz

Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

Frank Wilke, Geschäftsführer von Classic-Tax, erklärt, dass es bei Oldtimer-Bewertungen auf drei Werte ankomme: «Marktwert, Wiederbeschaffungswert und Wiederherstellungswert.» Die Definitionen sind eindeutig und insbesondere für Versicherungen wichtig. «Der Marktwert ist der Betrag, den der Oldtimer bei einem An- oder Verkauf auf dem Liebhabermarkt zum gegenwärtigen Zeitpunkt erzielt», so Wilke.

Dementsprechend bemessen Kasko-Versicherer ihre Beiträge. «Kauft jemand also heute einen Käfer, sollte er in zwei Jahren nachschauen, ob sich der Wert weiter erhöht hat, um auch seine Versicherungssumme anzupassen», empfiehlt Wilke und warnt: «Für die regelmäßige Kontrolle des Wertes und die Benachrichtigung des Versicherers ist allein der Halter verantwortlich. Wer das nicht macht, bekommt im Schadensfall nicht den aktuellen Wert ersetzt.»

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