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01.09.2012

08:52 Uhr

Wie die Käufer manipuliert werden

Die großen Tricks der Autobauer

VonFrank G. Heide

Autokäufer schauen auf Marke, Leistung, Design, Ausstattung, Image und Verbrauch ihres Wunschfahrzeugs – und fallen damit auf unfeine Methoden der Industrie herein. "Dank" einiger Tricks, die jeder kennen sollte.

Bitte nicht auf der heimischen Schanze nachmachen: Wenn Autohersteller werben, wird auch schon mal ein ganz klein wenig übertrieben. Pressefoto

Bitte nicht auf der heimischen Schanze nachmachen: Wenn Autohersteller werben, wird auch schon mal ein ganz klein wenig übertrieben.

DüsseldorfAutos werden zum Geldverdienen gebaut. Folglich setzen Marketing, Vertrieb, Werbung und Handel alles daran, möglichst gute Argumente für die Ware zu finden, um die Käufer von hohen und steigenden Preisen zu überzeugen. Diese simple Wahrheit kennen zwar die meisten Autokäufer. Doch beim Kauf schauen sie auf Marke, Leistung, Design, Ausstattung, Image und Verbrauch ihres Wunschfahrzeugs – und fallen auf mehr oder weniger unsaubere Methoden der Industrie herein, die sie nach bestem Wissen und ohne Gewissen ausgenutzt. Dank einiger Tricks, die jeder Autokäufer kennen sollte.

Die folgende Inhaltsübersicht gibt einen kurzen Überblick, um welche Themen es geht, und sie enthält verlinkte Sprungmarken. Interessiert Sie Punkt 6. SUV´s am meisten, so beginnen Sie dort mit einem einfachen Klick in die Übersicht.

1. Die Verbrauchslüge

2. Unnötige Ausstattung & teure Extras

3. Größer, breiter, schwerer

4. Premium-Wahn

5. Unreife Assistenten

6. Teure Originale, billige Klone

7. Zulassungstricks

8. Die überflüssige Leistungsspirale

1. Die große Verbrauchslüge
Wie viel Sprit verbraucht der neue (Gebraucht-)Wagen? Zu Zeiten von Spritpreisen auf Rekordniveau eine wichtige Frage, die sich Käufer von Neu- und Gebrauchtwagen gleichermaßen stellen. Die offizielle Antwort dürfte aber in den meisten Fällen eine Lüge sein, wenn sie nämlich vom Hersteller oder Autohändler kommt und sich auf den sogenannten Normverbrauch bezieht, der auch EG- oder Euro-Mix genannt wird.

Fahrzeug auf dem Prüfstand für den EcoTest. ADAC

Fahrzeug auf dem Prüfstand für den EcoTest.


Denn unabhängig von der wenig richtigen Bezeichnung liegt er rund ein Fünftel bis ein Drittel unter den Verbräuchen, die Otto Normalfahrer auf die Straße bringt. Das bestätigen Fachzeitschriften, Prüforganisationen wie TÜV und Dekra, Autoclubs und professionelle Autotester schon seit Jahren immer wieder.

So ergab eine Auswertung des Autoclub Europa (ACE) im Februar 2012, dass bei knapp 250 getesteten Neuwagen der Verbrauchsschnitt bei 8,5 Liter pro 100 Kilometer lag, - und damit um 19,6 Prozent höher als von den Herstellern angegeben. Die hatten im Durchschnitt aller Verbrauchsangaben nach dem sogenannten EG-Mix 7,2 l/100 km genannt. Bei Benzinern lag die Differenz bei +17,2 Prozent, bei Selbstzündern gar bei + 23,8 Prozent.

„Auto Bild“ weist in den eigenen Fahrzeugtests ebenfalls regelmäßig Mehrverbräuche von bis zu 30 Prozent nach, im Vergleich zu den Herstellerangaben.

Und der Münchener Autoclub ADAC bestätigt diese für Autofahrer ärgerlichen Resultate am 15. März 2012 indirekt mit eigenen Testergebnissen für acht Fahrzeuge im Rahmen seines neuen EcoTests. Allerdings lagen Audi A4 2.0 TDI und BMW 328i mit +13 und +14 Prozent mehr Spritverbrauch noch tolerierbar daneben. Offensichtlich ist aber, dass hier ein Fehler im System steckt, der die geschönten Angaben der Hersteller zumindest nicht sanktioniert.

Er trägt den sperrigen Namen MNEFZ. Das steht für Modifizierter Neuer Europäischer Fahrzyklus gemäß Richtlinie 93/116/EWG). Wie der und andere internationale Fahrzyklen funktionieren, und was Experten daran auszusetzen haben, erklären wir für technische Interessierte an anderer Stelle ausführlich. Hier nur soviel: Das 1996 eingeführte und im Jahr 2000 überarbeitete Messverfahren ist hoffnungslos veraltet, hat mit unserem täglichen Fahrverhalten nur sehr wenig zu tun.

So wird es auf dem Rollprüfstand ermittelt, und die Hersteller dürfen mit verbrauchsmindernden Spritsparreifen und Leichtlaufölen tricksen, bei Maximaltempo 120, während so realistische – und den Spritverbrauch steigernde - Verbraucher wie Klimaanlage oder Fahrtlicht ausgeschaltet bleiben.

Laut ADAC schluckt aber beispielsweise ein Auto mit aktivierter Sitz- und Heckscheibenheizung, Beleuchtung und Lüftung auf 100 Kilometern etwa einen halben Liter Kraftstoff zusätzlich. Für Autofahrer heißt das: Gute Tests zu Rate zu ziehen, die die echten Verbräuche nennen, und sich nicht auf die Angaben der Hersteller zu verlassen.

Kommentare (32)

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clemens

01.09.2012, 11:00 Uhr

Bitte, bitte, bitte weiter so! Die Handelsblatt App ist die letzte die der etablierten Medien, welche bei mir noch in Anspruch genommen werden. Mit diesem Artikel bin ich mir auch sicher, dass das so bleiben wird! Ich habe nicht mal einen Führerschein, aber jedes Wort dieses Artikels verschlungen. Sicherlich auch, weil ich es bemerkenswert finde, wenn man als grosse Zeitung gegen die Autoindustrie mit ihren Werbemilliarden Stellung bezieht und für den Leser schreibt. Dieses Phänomen hat einen Namen: Journalismus.
Grund genug mir in der nächsten Zeit das eine oder andere Handelsblatt physischer Natur zu zulegen!

DANKE!

Berti

01.09.2012, 11:20 Uhr

Zitat:"Der Golf GTI der ersten Generation wog rund 800 Kilo, mittlerweile sind wir in Generation VI bei 1.217 - 1.541 Kilo. Abspecken als Innovation zu vermarkten hat vor diesem Hintergrund schon einen kleinen Beigeschmack."
Zur Ehrenrettung der Autoindustrie muss bei diesem Punkt widersprochen werden. Wer sich mit Leichtbau auskennt, weiß vermutlich, dass das Gewicht maßgeblich durch die Verbesserung des Insassenschutz z.B. durch verstärkte Fahrgastzellen, Crashtubes etc. verursacht wurde. Des weiteren will heutzutage doch keiner mehr auf Komforteinrichtungen wie elekt. Fensterheber oder bequeme Sitze verzichten. Das Gewichtswachstum stellt daher keine Überraschung dar. Da man aber natürlich dem Kunden diese Sicherheits- und Komforteinrichtung nicht wieder wegnehmen kann, bleibt den Autoherstellern nichts anderes übrig, als die Karosserie möglichst leicht zu bauen, ohne die Sicherheit der Insassen zu gefährden. Das kann man durchaus als Innovation bezeichnen, ganz ohne kleinen Beigeschmack. [...]. +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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Account gelöscht!

01.09.2012, 11:26 Uhr

Der Platz in Parkhäusern wird nicht durch die SUV's eng, sondern durch die Gier der Parkhausbesitzer, die die Größe der Parkbucht nach den Maßen eines VW Fox oder Daihatsu Coure oder eienes Fiat 500 bemessen. In anderen Ländern sind die Parkbuchten größer bemessen. Weshalb sind SUV's das erfolgreichste Marktsegment im Automobilmarkt? Weil die Käuferschicht älter wird, weil ältere Leute bequem einsteigen wollen, weil sie in erhöhter Position bessere Übersicht haben, weil sie sich sicherer fühlen. Ihre Schlussfolgerung, dass sei von der Automobilindustrie gelenkt ist nicht richtig: Es ist der Markt - stupid.

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