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29.04.2015

11:29 Uhr

Wie gefährlich sind E-Bikes?

Wenn Opa die Bremse nicht findet

Quelle:dpa

Mit wenig Kraftaufwand und nicht verschwitzt ans Ziel zu radeln - das klingt verlockend. Kein Wunder, dass Pedelecs und E-Bikes immer beliebter werden. Experten sind alarmiert: Die Zahl der Unfälle nimmt zu.

E-Bikes sind bei Senioren beliebt - und teilweise sehr flott unterwegs. An das Fahrgefühl muss man sich erst gewöhnen. PR

Unterwegs auf dem Winora Comfort

E-Bikes sind bei Senioren beliebt - und teilweise sehr flott unterwegs. An das Fahrgefühl muss man sich erst gewöhnen.

BerlinPedelecs sind Räder mit einem Motor, der die Zweiräder bis zu 25 Kilometer pro Stunde schnell macht. E-Bikes, die weit weniger verbreitet sind, erreichen ein höheres Tempo und müssen deshalb ein Nummernschild tragen und auf der Straße fahren. Elektrische Räder sind vor allem bei Älteren beliebt, aber nicht mehr nur ein Rentner-Phänomen: „Immer mehr Menschen über 30 interessieren sich dafür - für ihren Arbeitsweg mit dem Fahrrad, damit sie nicht mehr verschwitzt im Büro ankommen”, sagt der Münchner Fahrrad-Fachverkäufers Hans Gröss.

Pedelecs waren 2014 bundesweit in rund 3700 Unfälle mit Verletzten verwickelt, wie aus einer Statistik des Automobilclubs ACE hervorgeht, die sich auf Daten des Statistischen Bundesamts stützt. 59 Menschen starben demnach, 1178 verletzten sich schwer. Die meisten Unfälle gab es im Mai und im Juni. Vergleichszahlen werden erst in einem Jahr vorliegen.

Für einige Bundesländer gibt es schon eine Tendenz: Im großen Flächenland Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Verletzten bei solchen Unfällen von 322 im Jahr 2012 auf 714 im Vorjahr. In Bayern gab es 2014 370 Unfälle mit Pedelecs, 60 mehr als im Vorjahr. In Brandenburg gab es im vergangenen Jahr 38 Unfälle, zehn mehr als 2013. Die meisten Personen seien 45 Jahre und älter gewesen, sagt ein Polizeisprecher. In Bremen waren unter den sechs Schwerverletzten fünf älter als 65.

Dass die Zahlen zum Teil sprunghaft gestiegenen sind, spiegelt die große Nachfrage nach den motorisierten Rädern. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband gingen 2014 480 000 E-Bikes über den Ladentisch, 70 000 mehr als im Jahr zuvor. 95 Prozent aller verkauften E-Bikes waren Pedelecs. Inzwischen sei jedes zehnte verkaufte Rad in Deutschland eines mit Elektroantrieb. 2,1 Millionen E-Bikes sollen mittlerweile auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Doch wie gefährlich sind diese Fahrräder?

„Laut statistischen Erhebungen ist das Risiko, bei einem Pedelec-Unfall ums Leben zu kommen, viermal höher als bei Unfällen mit herkömmlichen Rädern”, sagt Constantin Hack vom ACE. Die Entwicklung der Unfallzahlen gebe durchaus Anlass zur Besorgnis. Trotzdem: „Diese Räder gehören zu unserer modernen Verkehrswelt, sie haben ihre Zukunft noch vor sich.” Hack forderte deshalb mehr Unfallprävention.

Die Bedenken des ACE teilt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) nicht. „Die Menschen, die regelmäßig Rad fahren, sind auf Pedelecs mit einer ähnlichen Reisegeschwindigkeit unterwegs wie Menschen auf herkömmlichen Rädern”, betont Sprecher René Filippek. Ältere Menschen verletzten sich bei Stürzen genauso schwer wie auf Rädern ohne Elektroantrieb.

Untersuchungen bestätigen den ADFC zum Teil. Laut der Technischen Universität Chemnitz sind E-Bikes zwar deutlich schneller und Pedelecs geringfügig schneller unterwegs als Fahrräder ohne Antrieb. Trotzdem kämen selbst E-Bike-Fahrer nicht häufiger in gefährliche Situationen als Räder ohne Motor.

Die Deutsche Polizeihochschule kommt nach einer Auswertung von Unfallzahlen aus Baden-Württemberg zu einer ähnlichen Einschätzung. Allerdings seien die Folgen bei Unfällen mit Pedelecs schwerer.

Fahrer eines Pedelecs brauchen Übung

Pedelec fahren will gelernt sein: Bevor sich Neulinge auf einem Fahrrad mit elektrischem Hilfsantrieb ins Verkehrsgetümmel stürzen, sollten sie Übungsfahrten machen. Am besten dort, wo viel Platz ist und wenige Autos unterwegs sind - „auf einem Parkplatz zum Beispiel”, schlägt René Filippek vom ADFC vor. „Denn wenn der Motor sich ein- und ausschaltet, fühlt sich das schon sehr anders an als normales Fahrradfahren. Das darf einen im Verkehr nicht verunsichern.”

Filippek rät, zur Eingewöhnung die niedrigste Unterstützungsstufe des Elektromotors zu wählen und sich dann langsam weiter vorzutasten. Mit den Bremsen sollten sich Pedelec-Novizen ebenfalls vertraut machen: Die packen oft kräftiger zu als bei konventionellen Fahrrädern.

Dazu kommt das höhere Gewicht durch Motor und Akku, was sich beim Fahren und vor allem auch beim Auf- und Absteigen oder beim Ampelstopp bemerkbar machen kann: Auch dafür gilt es, ein sicheres Gefühl zu entwickeln, um Stürze und Unfälle zu vermeiden.

Kommentare (2)

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Herr Clemens Keil

29.04.2015, 12:19 Uhr

Das Leben als Rentner könnte so schön sein, wenn nicht hin und wieder selbsternannte Rentnerversteher (z.B. Rentenkürzer) durch unsachgemäße Bemerkungen deren Kreise zu stören versuchen würden. Hört lieber auf Singer Songwriter Sigismund Ruestig:
http://youtu.be/BgVWI_7cYKo
http://youtu.be/TgAi7qkD8qg
http://youtu.be/mQvThNJkKbA
Viel Spaß beim Anhören!

Herr M. M.

29.04.2015, 13:02 Uhr

Wow,habe versucht mir das erste Video anzuschauen,eine echte Zumutung,aber Youtube macht´s möglich!

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