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15.05.2013

14:28 Uhr

Wie Handelsblatt-Leser über Mercedes denken

„Daimler muss sich mit Skoda messen – und verliert dabei“

VonFrank G. Heide

Kennen Sie Zetsche-Bashing? Zurzeit ist das ein beliebter Zeitvertreib in den Internet-Foren - auch bei Handelsblatt Online. Berechtigt oder unberechtigt? Entscheiden Sie selbst.

Daimer-CEO Dieter Zetsche mit einem A-Klasse-Modell auf dem Genfer Autosalon im März 2013. AP/dpa

Daimer-CEO Dieter Zetsche mit einem A-Klasse-Modell auf dem Genfer Autosalon im März 2013.

DüsseldorfZurzeit gießen vermeintliche Experten und Journalisten reichlich Rat über Mercedes-Benz und Daimler-Chef Dieter Zetsche aus. Nach einem schwachen Jahresauftakt der börsennotierten AG und einem Image-schädlichen dem Crash-Test-Flop des neuen Transporters Citan brauche der Unternehmenslenker dringend einen Erfolg, heißt es unisono. Der Erfolg der neuen S-Klasse, die am Abend des 15. Mai im Hamburg Weltpremiere feiert, sei überlebenswichtig, für Boss und Betrieb. Als ob man das bei Daimler und anderswo nicht alles schon wüsste.

Wir wollten ganz bewusst nicht in das Konzert der Mahner einstimmen, sondern denjenigen den Vortritt lassen, die bereits Mercedes fahren, und/oder Aktionär sind, und die ihr Urteil zu Marke und Management schon gefällt haben: Unsere zahlreichen Leser, die das Geschehen um den Stuttgarter Konzern stets rege online kommentieren. Was denken Sie? Einige, natürlich nicht repräsentative, Meinungen zu verschiedenen Daimler-Baustellen im Überblick.

Zu einem Testbericht des neuen 500er E-Klasse Cabrios schreibt etwa „realist“ (wie immer) betont kritisch: „Den Namen dieses Autoladens sollte man nicht mehr in den Mund nehmen. Es sei denn, er wird wieder in Mercedes Benz umbenannt. Warum? Nun, diese abgewirtschaftete und ruinierte Firma ist nicht mehr erwähnenswert. Der jetzige und die beiden Vorstände davor (Schrempp und Reuter) haben aus der Firma das gemacht, was der jetzige Zustand ist, nämlich zum Verkauf anstehend. China wartet schon, prozentual haben sie ja schon ein Bein in der Tür.
Die Marke ist durch Unfähigkeit zerstört worden. Rost ohne Ende bei LKW und PKW haben tiefe Spuren beim Kunden hinterlassen. Technische Probleme kamen und kommen hinzu. Innovation gibt es nicht mehr. Der Vorstand steht nur noch am Fenster und schaut, was unten auf der Straße fährt, was Audi und BMW auf die Beine gestellt hat, um danach zeitlich verzögert eine Alternative auf die Beine zu stellen.

Daimler alias Mercedes Benz muss sich heute mit Skoda messen lassen und verliert noch dabei.“

hans“ hingegen bezieht sich beim gleichen Modell mehr auf den Preis(verfall) der E-Klasse, und freut sich: „Ich habe mir das Vorgänger-Modell 250CDI Coupé mit 5.000 km auf der Uhr und Baujahr 09/2012 geholt. Neupreis: 70.000 € jetzt für 39.900 €. Was will man mehr?“

Teure Extras der neuen S-Klasse

Auffälligkeiten bei Extras und Preisen

Verkaufsprospekt und Preisliste der neuen S-Klasse lagen dem Internet schon vor, als der Hersteller das Modell noch gar nicht präsentiert hatte. Wir haben mal einige besonders interessante Punkte herausgepickt ...

Ohne Schlüssel

Sonderausstattung Keyless Go: Zugangs- und Fahrberechtigungssystem, besteht aus Kofferraumdeckelfernschließung, Servoschließen für Kofferraumdeckel, Hands-Free Access, Griffmuldenbeleuchtung: 1.737,40 Euro.

Fahrwerk

MAGIC BODY CONTROL: vorausschauendes Fahrwerk, das die aktive Federung des Fahrwerks mit kontinuierlich einstellbaren Dämpfern und ROAD SURFACE SCAN kombiniert: 5.057,50 Euro.

Darkroom

Sonnenschutz-Paket: elektrischer Sonnenrollo für die Heckscheibe und Sonnenrollos in den Fondtüren: 1.178,10 Euro.

Anhängerkupplung

Anhängevorrichtung mit ESP Anhängerstabilisierung und elektrischer Entriegelung: 1.356 Euro.

Guter Klang

Burmester High-End 3D-Surround-Soundsystem: mit 24 Lautsprechern, 24 Verstärkerkanälen und insgesamt 1.540 Watt Systemleistung: 7.497 Euro.

Nappaleder

Polsterung Leder Nappa: bestehend aus Sitzen, Armauflagen in Türen und Mittelarmlehne in Leder Nappa mit Kontrastziernähten, Instrumententafel-Oberteil in Ledernachbildung ARTICO, Sitzgrafik im Pfeifen-Design, Innenhimmel Stoff und Fußmatten Velours: 4.641 Euro

Aschenbecher und Cupholder

Doppelcupholder vorne und Aschenbechereinsätze inklusive Deckel mit Zigarettenanzünder in den Ablagefächern vorne und hinten: jeweils 89,25 Euro.

Teure Sicherheit

Fahrassistenz-Paket Plus: inklusive DISTRONIC PLUS mit Lenk-Assistent und Stop & Go Pilot, PRE-SAFE Bremse, BAS PLUS mit Kreuzungs-Assistent, Aktivem Totwinkel-Assistenten, Aktivem Spurhalte-Assistenten und PRE-SAFE PLUS: 2.677,50 Euro.
Nachtsicht-Assistent Plus: mit Personenerkennung inklusive Frontscheibe wärme- und geräuschdämmend und Infrarot reflektierend: 2.6180 Euro.
Park-Paket: inklusive Aktivem Park-Assistenten mit PARKTRONIC und Rückfahrkamera: 1.344,60 Euro.
360°-Kamera: 1.023,40 Euro.

Es werde Licht

LED Intelligent Light System: Variable Lichtverteilung für Landstraße und Autobahn, aktive Kurvenlichtfunktion, Abbiegelichtfunktion, erweitertes Nebellicht und adaptiver Fernlicht-Assistent Plus: 1.773,10 Euro.

Nach oben offen

Panorama-Schiebedach: mit Komfort- und automatischer Regenschließung, elektrischem Sonnenrollo, Einklemmschutz sowie PRE-SAFE-Schließfunktion: 1.666 Euro.

Beduftung

Überraschend preiswert mutet der Parfümzerstäuber im Handschuhfach an: 416,50 Euro kostet das System AIR BALANCE, das von der Klimaanlage losgelöst die Möglichkeit bietet, den Innenraum mit vier verschiedenen Düfte anzureichern.

Infotainment

TV-Tuner für digitalen Fernsehempfang mit Unterstützung u.a. von Mehrkanalton, EPG (Elektronische Programmzeitschrift) und Videotext: 1.285 Euro.

Business-Telefonie im Fond: Bedienhörer mit Touchscreen (8,9 cm/3,5" Display mit TFT-Technologie) in der Fondarmlehne bzw. Mittelkonsole in einer Aufnahmeschale: 1.130 Euro

Tablet-Ablage

Klapptische im Fond: mechanisch, ausklappbar und in der Business-Konsole des First-Class Fond (1.368,50 Euro zusätzlich) versenkbar: 2.142 Euro.

Große Räder

20" Leichtmetallräder im 5-Speichen-Design, VA 245/40 R 20 auf 8,5 J x 20 ET36,5 und HA 275/35 R 20 auf 9,5 J x 20 ET44: 3.689 Euro.

Garantieverlängerung

Das Mercedes-Benz Garantie-Paket schließt an die 2-jährige Neufahrzeug-Garantie an und schützt vor unvorhersehbaren Reparaturkosten. Es kostet für 24 Monate genau 1.035 Euro

Und die vermeintliche kurze Liebelei zwischen Daimler-Chef Zetsche und Schauspielerin Désirée Nosbusch, nur ein Thema fürs Boulevard? Das sieht „Profit“ anders, wie er zu unserem Bericht schreibt: „Als Aktionär will ich klare Verhältnisse. Daimler krankt an allen Enden. Einen liebestollen CEO kann das Unternehmen nicht verkraften. Frau Nosbusch und das private "Glück" von Zetsche interessieren mich nicht die Bohne. Der Rückstand zu BMW: Allein das zählt! Verdammt noch mal: Lasst einen Manager ran, der uns (!) Aktionäre glücklich macht. Die Frau an seiner Seite interessiert keinen Menschen, es sei denn, sie unterstützt ihn und macht ihn nicht verrückt. Ansonsten müsste Zetsche zurücktreten.“

Kommentare (14)

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scharfschuetze

15.05.2013, 16:10 Uhr

Nun, Daimler muss sich sicher nicht mit Dacia messen, denn das ist 30 Jahre alte ex-Renault-Technik, die im europäischen Armenhaus zusammengedengelt wird. Klar, das fährt schon auch (irgenwie).
Ich fahre aber nach 12 Mercedes (neu gekauft, privat und als Firmenfahrzeuge) selber auch ein anderes, europäisches Premium-Fahrzeug. Nicht wegen der Qualität (mein CLS lief 5 Jahre und 200.000 km ohne jeden Defekt!), sondern weil mich die Überheblichkeit der Leasing- und der Kulanzbereiche (nicht alle unsere Sterne waren so problemlos wie der CLS)angekotzt haben. Und wegen des neuen Designs, welches von Asiaten in Kalifornien entwickelt wurde (CLS). Sowas will ich nicht.
PS: Den Bart vom Zetsche find ich auch unpassend.
Denn er zeugt von überzogener Eitelkeit, und zu viel Zeit (für die erforderliche "Pflege")scheint der Mann auch zu haben. Auch für eine Eskapade mit der unerträglichen Desiree. Nö, das alles ist nicht mehr "mein Daimler"

W116er

15.05.2013, 16:28 Uhr

Die ganze Diskussion zeigt doch nur, daß sich das Thema rund ums Auto gewandelt hat. Vergleichbar mit dem Wandel von analog zur digital Photographie.
Kein Neukunde würde einen über 30 Jahre Modellgepflegten 123 kaufen. Neue Mode ist gefragt, besonders in den Wachstumsmärkten. Die alten Mercedes Kunden müssen diese Kröte schlucken ob sie wollen oder nicht. Das G-Modell wäre der einzige Ausweg. ( hier gibt es die Professional Version mit begehbarer Motorhaube)

W116er

Lava

15.05.2013, 16:38 Uhr

Als langjähriger Mercedesfahrer (über 30 Jahre und 60+) fährt Mercedes in den letzten Jahren einen hochriskanten Kurs. Man ist bei Mercedes ja der Meinung, dass die Absatzrückgänge auf der konservativen Form beruhen. Ich kann dem in keiner Weise zustimmen. Meiner Meinung nach ist der Rückgang auf die nachlassende Qualität (Rostprobleme bei C- und E-Klasse, Bremsen E-Klasse, Injektoren der neuen Dieselmotoren der C- und E-Klasse, usw.) zurückzuführen.
Gleichzeitig verlässt man den Grundsatz einer Einheit von Form und Funktion. Wenn man nur noch mit Verrenkungen einsteigen kann und sich beim Aussteigen die Hosenbeine dreckig macht, dann wird man schon nachdenklich. Bei einer Kundenbefragung wurde mir gesagt, dass heute die Form und die Emotion wichtiger seien als die Funktion. Na gut, dann soll man das machen. Allerdings halte ich das für eine kurzsichtige Strategie. (Halt amerikanisch.)
Ferner ist es natürlich ärgerlich, dass Mercedes immer noch eine Hochpreispolitik fährt, die auf Grund der nachgelassenen Qualität nicht mehr gerechtfertigt ist. Wenn man dann noch sieht, wie ungezählte Milliarden bei Chrysler, Mitsubishi, usw. versenkt wurden, anstatt sie in die Qualität der Produkte zu stecken, dann muss man sich nicht wundern, wenn immer mehr ältere Kunden ins Grübeln kommen. In meinem Bekanntenkreis haben sich schon 2 von Mercedes verabschiedet und bei mir steht es auf der Kippe.

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