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04.11.2011

11:42 Uhr

Autobahn-Baustellen

Versetzt fahren senkt Gefahr

Quelle:dpa

Autobahnbaustellen bergen enorme Unfallrisiken: Die Autoclubs kritisieren die engen linken Fahrstreifen und fordern die Verkehrspolitiker. Doch Autofahrer können jetzt schon selbst etwas für ihre Sicherheit tun.

Vorsicht bei Autobahnbaustellen: Vor allem auf der linken Spur wird es oft enger als die Polizei erlaubt. dpa

Vorsicht bei Autobahnbaustellen: Vor allem auf der linken Spur wird es oft enger als die Polizei erlaubt.

StuttgartEnge linke Fahrstreifen an Autobahnbaustellen sind der Horror vieler Autofahrer. Wenn rechts Lastwagen über den Mittelstreifen ragen, und von hinten Wagen mit überhöhter Geschwindigkeit drängeln, sinkt manch einem das Herz in die Hose. Ein Autoclub dringt auf Abhilfe. Die engen linken Fahrstreifen an Autobahnbaustellen sind aus Sicht des Autoclubs Europa "tückische Crash-Fallen". "Jede entschärfte Baustelle ist ein Plus an Verkehrssicherheit", mahnt ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Auch zum Schutz der Beschäftigten im Straßenbau müsse eine Richtlinie endlich in Kraft gesetzt werden, die eine Verbreiterung der Spur einschließlich Pufferzone um 50 Zentimeter auf drei Meter vorsieht.

Der ACE wies darauf hin, dass die amtlichen Fahrzeugpapiere bei der Angabe der Breite des Fahrzeugs die Seitenrückspiegel nicht berücksichtigten. Wenn jemand also mit einem Wagen, der durch Spiegel noch breiter ist, auf dem linken Fahrstreifen fährt, könnte er streng genommen mit einem Bußgeld von 20 Euro bestraft werden.

Wenn es eng wird, sollten Autofahrer versetzt fahren. Das heißt: Auf ein Auto auf der linken Spur folgt ein Wagen auf der rechten. Denn es erhöhe das Unfallrisiko, an solchen Stellen nebeneinander zu fahren oder zu überholen, sagte Rainer Hillgärtner vom ACE. Durch versetztes Fahren könnten insbesondere "prekäre Situationen" entschärft werden, in denen ein LKW auf der rechten Spur ist. Dabei müsse auch beim versetzten Fahren der nötige Sicherheitsabstand zum Vordermann eingehalten werden, wenn dessen Fahrzeug so breit ist, dass es auf die andere Spur ragt.

Schmalspur-Tipps für Autobahn-Baustellen

Viel Unsicherheit

In Autobahnbaustellen ist die linke Spur oft beängstigend schmal. Die einschlägigen Richtlinien schreiben eine erlaubte Breite von mindestens zwei Metern vor - ein Maß, das auch viele Autos der kleineren Klassen inzwischen überschreiten. Es herrscht nicht nur Unsicherheit bei der Fahrt, sondern auch Rechtsunsicherheit. Nachstehend einige Fragen und Antworten zum Thema ...

Beschilderung beachten

Woran erkenne ich rechtzeitig eine sehr schmale Überholspur in der Autobahnbaustelle?

An der Beschilderung vor der Baustelle, wenn dort das Schild „Verbot für Fahrzeuge mit einer Breite über zwei Meter“ (Zeichen 264) steht. Wer unsicher über die tatsächliche Breite seines Fahrzeugs ist oder psychische Probleme mit engen Wegen hat, sollte auf der rechten Spur bleiben.

Autobreite feststellen

Wie ermittele ich die tatsächliche Breite meines Autos?

Im Fahrzeugschein steht nur die Fahrzeugbreite, bezogen auf die Karosserie ohne vorstehende Teile. Das Verkehrsschild gilt aber für die tatsächliche Breite, also einschließlich Außenspiegeln. Ein neuer Golf ist 2,04 Meter, ein Mercedes der E-Klasse 2,09 Meter und ein BMW-X5-SUV 2,20 Meter breit. Bei vielen Typen geben die Homepage oder die Bedienungsanleitung des Herstellers Auskunft. Ansonsten hilft nur der Griff zum Maßband.

Verstoß-Folgen

Was passiert bei einem Verstoß?

Der Autofahrer - nicht der Halter - ist dafür verantwortlich, dass er die Straßenverkehrsordnung beachtet. Er kann sich im Zweifel nicht auf den Eintrag in den Papieren berufen, falls sein Auto tatsächlich zu breit für die linke Spur ist. Der Verstoß kann mit einem Verwarnungsgeld von 20 Euro geahndet werden. Nach Recherchen des ACE gehen einige Bundesländer gegen Fahrer vor, die trotz Überbreite die Überholspur in der Baustelle befahren. Im Zweifel
gilt: rechts bleiben.

Baldige Besserung?

Ist Abhilfe in Sicht?

Baustellen gelten als höchst unfallträchtige Punkte. Deshalb machen die Autoklubs ACE und ADAC Druck auf die Behörden, der Rechtsunsicherheit ebenso wie der Gefährlichkeit beim Einrichten und Befahren der linken Spuren abzuhelfen. Einzelne Länder richten bereits laut ACE-Recherchen die linken Spuren breiter als vorgeschrieben ein. Der Klub appellierte an die Ministerien, sich zu einigen. Der ADAC forderte, die erlaubte Fahrzeugbreite mindestens auf 2,10 Meter, am besten aber auf 2,20 Meter heraufzusetzen. Einige Länder haben die Problematik bereits auf ihre Agenda gesetzt.

Generell rät der ACE zu erhöhter Vorsicht an Autobahnbaustellen, da jederzeit auch Baumaschinen unterwegs sein könnten und auf verschmutzter Fahrbahn aufwirbelnder Dreck die Sicht behindern könne. Besonders gefährlich werde es an Beginn und Ende von Baustellen: "Dort macht die Fahrbahn einen Schwenk, und es geht oft noch über Schwellen", so Hillgärtner. "Deshalb sollten Tempolimits und Überholverbote besonders ernst genommen werden." Die linke Spur an Autobahnbaustellen ist in vielen Fällen auf 2,5 Meter Breite verengt und darf nur von Fahrzeugen befahren werden, die nicht breiter als zwei Meter sind.

Kommentare (4)

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Apollo

04.11.2011, 12:17 Uhr

Wäre es nicht besser zu raten sich in diesen Engpässen auf der rechten Spur einzureihen, anstatt hier einen Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot als Sicherheitstipp zu verkaufen? Wieso soll ich die linke Spur dicht machen, wenn ich keine Überholabsicht habe anstatt auf die rechte Spur zu wechseln und erst nach Ende der Baustelle zu überholen?

FoCS

04.11.2011, 14:41 Uhr

Ist doch logisch: Ein vorsichtiger Deutscher, der sich nicht traut zu überholen, traut dieses natürlich auch keinem anderen zu. Er fühlt sich förmlich dazu verpflichtet, andere am Überholen zu hindern.

Axel

04.11.2011, 16:34 Uhr

Ja. Wer nicht überholen kann oder möchte, soll rechts bleiben. Aber auch wirklich rechts fahren und nicht irgendwie.

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