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14.12.2011

13:02 Uhr

Autokauf in Übersee

US-Schnäppchen müssen Import-Hürden überwinden

Quelle:dpa

Verschiffung, Zoll, Einfuhrsteuer, Einzelabnahme - bis ein Neuwagen aus Amerika auf deutschen Straßen rollen darf, müssen etliche Hürden genommen werden. Lohnt da noch das vermeintliche Schnäppchen aus dem US-Showroom?

Autoterminal in Bremerhaven: Hier kommen massenweise Import-Fahrzeuge an. Darunter sind auch US-Autos, wie der Ford Mustang. dpa

Autoterminal in Bremerhaven: Hier kommen massenweise Import-Fahrzeuge an. Darunter sind auch US-Autos, wie der Ford Mustang.

BerlinEin nagelneuer 3er BMW 328i mit sechs Zylindern für knapp 25.000 Euro? Oder soll es doch lieber ein Audi A3 sein für umgerechnet 19.500 Euro? Wer die Preise von Neuwagen in den USA studiert, kommt spätestens beim Vergleich mit den Preistafeln in Deutschland ins Stutzen. Denn hierzulande kostet schon ein 318i mit Vierzylindermotor mindestens knapp 29.000 Euro. Und für den kompakten Ingolstädter mit 2,0 Liter TFSI und 147 kW/200 PS, der mit dem US-Modell vergleichbar ist, werden fast 10.000 Euro mehr verlangt. Sind Autos in Übersee also echte Schnäppchen?

Steuer draufrechnen

Zunächst sollte sich vom reinen Fahrzeugpreis auf dem US-Markt niemand täuschen lassen: Die Preise sind dort ohne die Kaufsteuer «sales tax» ausgezeichnet. Je nach US-Bundesstaat müssen manchmal mehr als zehn Prozent des Netto-Kaufpreises addiert werden. Fällig wird die Kaufsteuer, weil das Fahrzeug vor dem Export kurz zugelassen werden muss. «Wenn der US-Händler das Auto ohne Zulassung direkt exportiert, kann er seine Lizenz verlieren», erklärt Jens Wilde, Betreiber der Webseite Importhelfer.de.

Die Steuer können sich Kunden nach der Verschiffung bei den US-Behörden zwar prinzipiell zurückholen, doch nach Auskunft von ADAC-Experte Manfred Groß ist das nicht immer einfach. Der Händler sollte mit Bedacht gewählt werden.

Um später bei einem möglichen Streit über die Sachmängelgewährleistung bessere Karten zu haben, sind Autokäufer laut dem ADAC am besten mit einem behördlich registrierten «DMV Licensed Dealer» beraten. Bei der Garantie gibt es häufig Einschränkungen: «Bei Fahrzeugen von US-Herstellern sind keine Garantieleistungen durch deren deutsche Vertretungen zu erwarten», erläutert der ADAC auf seiner Internetseite.

Was bei Auto-Re-Importen zu beachten ist

Warum Re-Import?

Weils billiger ist. Bis zu 30 Prozent sparen Neuwagenkäufer, wenn sie das Fahrzeug über einen freien Händler als Re-Import bestellen. Möglich ist dies, weil die Hersteller in den Ländern der Europäischen Union eine flexible Preispolitik betreiben.

Vorteile

Durch einen Re-Import kann beispielsweise der Nettopreis eines Fahrzeugs aus deutscher Produktion in Italien mehrere tausend Euro unter dem Verkaufspreis beim Vertragshändler hierzulande liegen. Außerdem sind andere Paket-Zusammenstellungen bzw. Ausstattungs-Zusammenstellungen in unterschiedlichen Ländern üblich, die für den Käufer von Vorteil sein können. Kunden sollten sich vom Anbieter alle Details lückenlos dokumentieren zu lassen.

Gibt's Unterschiede?

Ja. Es kann zum Teil sogar an wichtiger Ausstattung mangeln, erklärt der TÜV Nord. Re-Importe sind oft landestypisch ausgestattet, deshalb können zum Beispiel Sicherheitssysteme wie Airbags oder ESP fehlen. Danach sollten Kunden auf jeden Fall beim Händler fragen. Müssen diese entsprechend der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) nachgerüstet werden, wirds teuer. In Streitfällen darf der Re-Import-Käufer außerdem keine besondere Kulanz in der deutschen Markenhändler-Werkstatt oder beim Hersteller erwarten.

Papiere

Alle Fahrzeugpapiere und die Rechnung müssen im Original vorliegen, denn Kopien werden von den deutschen Zulassungsbehörden und bei der Hauptuntersuchung nicht akzeptiert. Beim Entgegennehmen des Fahrzeugs muss der Händler dem Kunden diese Original-Papiere übergeben. Außerdem ist der europäische Händler dazu verpflichtet, das "Certificate of Conformity" (COC) auszuhändigen.


Garantie

Mit Blick auf die Garantie haben Re-Import-Käufer gegenüber dem Hersteller die gleichen Rechte wie bei einem in Deutschland gekauften Fahrzeug - sofern der Händler das Wartungsheft gestempelt und mit dem Auslieferungsdatum versehen hat.

Lediglich bei Ladenhütern sollten Kunden vorsichtig sein, denn in manchen Ländern läuft die Garantiezeit ab der Auslieferung an den Zwischenhändler, nicht erst ab der Zulassung wie in Deutschland; ein Minus für Autos, die lange auf dem Hof gestanden haben. 

Abgasnorm & Allgemeines

Außerdem ist bei Re-Importen auf die im Ausland vergebene Abgasnorm zu achten. Manchmal werden die Pkw nach Angaben des Internet-Portals "AutoTopdeal" schlechter eingestuft, als dies in Deutschland der Fall wäre. Das kann steuerliche Nachteile bringen. 
Und generell sollten Kunden natürlich auf die Seriosität des Händlers achten, niemals Vorkasse leisten und alle Dokumente genau prüfen. Dann kann mancher Autokäufer mit einem Re-Import ein guten Fang machen, ohne böse Überraschungen dabei zu erleben.

Wichtige Unterlagen, die später noch benötigt werden, sind der Kaufvertrag, in dem die Fahrgestellnummer notiert sein sollte, und das «Certificate of Title», das für die Zulassung in Deutschland unerlässlich ist. Auch die US-Kennzeichen sollten vorgelegt werden können - auch wenn es nur Überführungskennzeichen («one day permit») sind.

Verschiffung und Versicherung

Für den Transport per Frachtschiff wenden sich Autokäufer, die ein US-Modell in Eigenregie importieren, am besten an eine Spedition. Die Preise variieren je Anbieter und Kosten für eine zu empfehlende Transportversicherung. Gut 1.000 Euro müssen allein für Verschiffung und Versicherung einkalkuliert werden. Einen weiteren Posten bilden Zollabgaben, die derzeit 10 Prozent von Nettokaufpreis, Transport und etwaigen Versicherungskosten ausmachen. Von der Summe werden laut dem ADAC zusätzlich 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer fällig.

Die komplizierten Formalitäten übernehmen in der Regel Speditionen. In Bremerhaven oder Hamburg angekommen, darf das Auto nicht einfach nach Hause gefahren werden. Für den Transfer ist dem ADAC zufolge ein deutsches Kurzzeitkennzeichen notwendig. Das gibt es bei den Zulassungsstellen, wenn eine Haftpflichtversicherung nachgewiesen werden kann. Eine Kurzzeit-Police kostet um die 100 Euro.

Kommentare (1)

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hg67

14.12.2011, 15:15 Uhr

da zeigt sich wieder, wie Hersteller geschützt werden...der Markt in Europa wirft sicherlich für die meisten Hersteller den höchsten Profit zur Zeit ab und anstaat es Bürgern einfach zu machen, selbst Waren aus aller Welt zu importieren und zu nutzen, werden ihm nur Steine in den Weg gelegt..
EMV...sorry...wenn ich das lese...kein Gerät darf ein anderes stören...naja..da müssten eigentlich alle Mobiltelefone verboten werden..

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