Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.04.2011

11:18 Uhr

Autokauf

Mit Augenmaß: Auf Gesamtkosten schauen

Quelle:dpa

Die Freude über Rabatte beim Kaufpreis ist oft groß, egal ob bei Neu- oder Gebrauchtwagen. Groß ist dann auch der Schock beim nächsten Werkstattbesuch, wenn dieser teurer wird als gedacht. Nachrechnen lohnt sich.

Wurde ein günstig gekaufter Gebrauchtwagen nachlässig gewartet, können plötzlich hohe Reparaturkosten die Schnäppchen-Freude trüben.

Wurde ein günstig gekaufter Gebrauchtwagen nachlässig gewartet, können plötzlich hohe Reparaturkosten die Schnäppchen-Freude trüben.

MünchenIst das Auto wirklich billig? Wer beim Kauf nicht richtig nachrechnet, macht womöglich ein schlechtes Geschäft. Denn der Preis eines Wagens hat nichts mit den Gesamtbetriebskosten zu tun - und die sind oft höher als gedacht. "3.000 Euro Rabatt, und das nach nur fünf Minuten Verhandlung" - eine Lehrerin aus Hessen kann ihr Glück kaum fassen. Bestens gelaunt fährt sie mit einem neuen Mittelklasse-Kombi vom Hof des Autohändlers. Aber hat sie wirklich ein gutes Geschäft gemacht? "Das hängt nicht allein vom Kaufpreis ab", sagt Ralf Mühlbichler. "Viele vergessen bei der Suche nach dem billigsten Auto, dass nicht nur der Händler die Hand aufhält, sondern während des Autolebens noch viel mehr Kosten auflaufen."

Mühlbichler arbeitet für den Marktanalysten Audacon in Weikersheim. Die Firma ermittelt zum Beispiel für Flottenmanager und Fuhrparkbetreiber die Betriebs- und Unterhaltskosten aller gängigen Fahrzeugmodelle. Obwohl die Werbung immer neue Schnäppchen suggeriert und die Hersteller mit zum Teil großen Rabatten um Kunden werben, müssen Autofahrer oft tiefer in die Tasche greifen als sie vermuten: "Die Betriebskosten bewegen sich wie so viele andere Ausgaben konstant nach oben", hat Mühlbichler beobachtet. Genau ablesen lässt sich das am Autokosten-Index von ADAC und Statistischem Bundesamt. Nach Angaben des Automobilclubs in München sind die Kosten für Anschaffung und Unterhalt von Autos 2010 um durchschnittlich 3,7 Prozent gestiegen. "Damit sind die Autokosten den allgemeinen Lebenshaltungskosten regelrecht davon gelaufen", sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. "Deren Teuerungsrate lag 2010 nur bei 1,1 Prozent." Ursache dafür sind dem ADAC zufolge nicht die Anschaffungskosten für Fahrzeuge: Sie stiegen nur um 0,3 Prozent. Was den Index in die Höhe trieb, waren die Spritpreise (plus 12,4 Prozent), die Preise für Ersatzteile (plus 2,1 Prozent) und Reparaturen (plus 1,1 Prozent).

Teilweise müssen noch bis zu 3.000 Euro dazugerechnet werden

All das summiert sich zu den "Total Costs of Ownership", also zu den Gesamtbetriebskosten, erklärt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics. Er beziffert den Bundesdurchschnitt auf 49 Cent pro Kilometer. Daran mache zwar die Differenz aus Kaufpreis und Wiederverkaufswert eines Wagens den mit 49 Prozent größten Teil aus. Doch enthält die Musterkalkulation für einen geleasten oder finanzierten Wagen mit 75.000 Kilometer Laufleistung in drei Jahren noch viele weitere Posten: 19 Prozent für den Kraftstoff, neun Prozent für die Versicherung und fünf Prozent für Wartung und Verschleißteile. Hinzu kommen dreizehn Prozent für Zinsen und Verwaltungsgebühren, ein Prozent für die Kfz-Steuer und vier Prozent für die Reifen.

Wer sich für ein neues Auto interessiert, ist deshalb gut beraten, nicht allein auf den Kaufpreis zu schauen. "Die Betriebskosten sollten immer im Blick sein, nur hier kann der Autofahrer seine Bilanz positiv beeinflussen", sagt Mühlbichler und rät: "Vergleichen Sie auch die Verbrauchswerte, die Kfz-Steuer und die Versicherungseinstufung. Und schauen Sie auf die Wartungsintervalle." Diese geben vor, wann und wie oft ein Auto in die Werkstatt muss, damit es die Garantie nicht verliert. Laut Mühlbichler ist das Studium dieser Fristen bei Gebrauchtwagen besonders wichtig: "Viele teure Standardreparaturen wie der Austausch eines Zahnriemens werden heute so spät fällig, dass sie erst den Zweit- oder Drittbesitzer treffen." Wer ehrlich nachrechnet, müsse deshalb auf den Kaufpreis oft noch zwei oder drei Tausender draufschlagen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×