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15.08.2012

14:54 Uhr

Den Motorradführerschein machen

Vom Neider zum Easy Rider

Quelle:dpa

Erst fehlt das Geld, dann die Zeit. Deshalb macht so mancher erst im fortgeschrittenen Alter den Motorradführerschein. Was der Einstieg in die Zweiradwelt kostet und warum es wichtig ist, einen guten Lehrer zu finden.

Mittelklasse für den Anfang: Das Institut für Zweiradsicherheit empfiehlt Einsteigern Allrounder und Naked Bikes mit rund 600 Kubikzentimetern Hubraum und 60 bis 100 PS Motorleistung. Yamaha

Mittelklasse für den Anfang: Das Institut für Zweiradsicherheit empfiehlt Einsteigern Allrounder und Naked Bikes mit rund 600 Kubikzentimetern Hubraum und 60 bis 100 PS Motorleistung.

BerlinDas vorbeiziehende Motorrad wirkt wie ein Magnet: Der Blick des Autofahrers bleibt am Heck der Maschine haften, bis sie hinter der nächsten Kurve verschwindet. Wie gerne würde er tauschen - doch leider fehlt ihm der passende Führerschein. Der Neid weckt die Lust, nach Jahren noch einmal eine Fahrschule zu besuchen und die Zweiradlizenz nachzuholen.

Und so geht es vielen: «Der Großteil aller Motorradnovizen hat schon jahrelang eine Fahrerlaubnis für Pkw in der Tasche», berichtet Rainer Zeltwanger vom Bundesverband deutscher Fahrschulunternehmen (BDFU). Die Zeiten, in denen viele Fahrschüler den Führerschein für Auto und Motorrad noch in einem Abwasch gemacht haben, sind vorbei. «Eine Frage des Geldes», sagt Zeltwanger.

Für einen Pkw-Führerschein seien mittlerweile zwischen 1.700 und 2.500 Euro fällig - wenn alles glatt läuft. «Der Motorradführerschein der Klasse A kostet noch einmal dasselbe», erklärt der BDFU-Vorsitzende. «Das können sich die wenigsten jungen Menschen leisten, da muss schon eine sehr spendable Oma im Spiel sein.» Also hat der Pkw-Führerschein Vorrang.

Doch manchem juckt es nach Jahren doch wieder in den Fingern, und auch das nötige Kleingeld ist nach einigen Berufsjahren verfügbar. Wer sich dann den Traum vom Zweiradfahren endlich verwirklicht, sollte dabei allerdings nichts überstürzen, warnt Achim Kuschefski, Leiter des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz).

Angehende Biker sollten sich für die Suche nach einer Fahrschule Zeit nehmen und dabei nicht nur auf die Preise schauen. «Der Ausbilder sollte eine hohe Affinität zum Motorradfahren haben und in den Fahrstunden selber auf einer Maschine sitzen, statt im Auto hinterherzufahren», betont Kuschefski.

So könne sich der Schüler beim Lehrer unterwegs eine Menge abschauen, was sich in der Theorie schwer vermitteln lässt, etwa die richtige Fahrtechnik in Kurven. Zeltwanger gibt zu bedenken: «Bis auf die Funkverbindung sind Fahrschüler auf dem Motorrad sich selbst überlassen, und Fehler können lebensgefährliche Folgen haben - anders als im Auto, wo der Ausbilder notfalls eingreifen kann.» Deshalb bräuchten Motorradneulinge einen besonders guten Coach, der sie in den Fahrstunden nicht überfordert, ihnen aber auch nicht zu wenig zutraut.

Ein Traum, der keiner bleiben muss: Der Motorradführerschein lässt sich in wenigen Wochen nachholen. Harley-Davidson

Ein Traum, der keiner bleiben muss: Der Motorradführerschein lässt sich in wenigen Wochen nachholen.

Neben dem Fahrlehrer müssen Führerscheinanwärter auch mit der Trainingsmaschine gut klarkommen. Größe und Gewicht des Motorrads müssen zum Schüler passen. «Deshalb vorher in der Fahrschule zum Probesitzen vorbeischauen», empfiehlt Kuschefski.

Idealerweise stünden dort mehrere Motorräder zur Auswahl. Fahrschulen müssen ihrer Zweiradkundschaft außerdem Schutzkleidung von Kopf bis Fuß zur Verfügung stellen. Für die Fahrausbildung sollten laut Zeltwanger regulär mindestens vier bis sechs Wochen Zeit eingeplant werden. «Einige Fahrschulen bieten auch Intensivkurse an, die etwa zwei Wochen dauern. Dafür müssen Sie aber Urlaub nehmen», sagt er.

Intensivkurse seien oft auch etwas teurer als die Standardausbildung. Zwar sollten routinierte Autofahrer die Verkehrsregeln aus dem Effeff kennen, für die Erweiterung ihrer Fahrerlaubnis müssen sie aber trotzdem zehn Pflichteinheiten Theorieunterricht à 45 Minuten absolvieren. «Sechsmal Grundunterricht und viermal Sonderunterricht speziell für Motorradfahrer», erläutert der BDFU-Vorsitzende.

Im Praxisteil sind insgesamt zwölf Sonderfahrten über Landstraße, Autobahn und bei Nacht vorgeschrieben. «Zu den Pflichtfahrten kommen noch weitere Fahrstunden hinzu. Wer vorher nur Auto gefahren ist, darf nicht unterschätzen, wie viel Zeit es braucht, sich an ein Zweirad zu gewöhnen», sagt Zeltwanger. «Ich habe selten erlebt, dass jemand nach weniger als 20 Motorradfahrstunden zur Prüfung angetreten ist», berichtet der Fahrlehrer.

Nach bestandener Prüfung will natürlich kein frisch gebackener Biker lange abwarten - ein eigenes Motorrad muss her. «Für Anfänger eignen sich am besten Allrounder und Naked Bikes mit etwa 600 Kubikzentimetern Hubraum und ABS-Bremsen», empfiehlt Kuschefski. Handhabung und Sitzposition seien bei diesen Mittelklassemaschinen in der Regel sehr einsteigerfreundlich. «Solche Modelle leisten zwischen 60 und 100 PS - das überfordert Anfänger nicht, reicht zum Überholen aus und wird so schnell nicht langweilig.»

Heutzutage machen nur noch die wenigsten Fahrschüler den Auto- und Motorradführerschein in einem Abwasch - aus Kostengründen. dpa

Heutzutage machen nur noch die wenigsten Fahrschüler den Auto- und Motorradführerschein in einem Abwasch - aus Kostengründen.

Freiwillige Fahrstunden Besitzer eines Motorradführerscheins, die lange pausiert haben oder sich erst Jahre nach der Prüfung ihr erstes Motorrad kaufen, sollten freiwillig ein paar Fahrstunden nehmen, bevor sie durchstarten. «Motorrad fahren dürfen heißt nicht, es zu können», betont Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz). Wer viele Jahre nicht gefahren sei, begebe sich ohne Übung in große Gefahr. «Das ist absolut leichtsinnig», warnt der Experte.

Kommentare (1)

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llechwedd

07.05.2013, 16:34 Uhr

Ich habe mir vor 13 Jahren den A-Schein zum 50. geschenkt. Zuvor war ich ein Jahr lang mit einem 125er-HOnda-Cruiser unterwegs gewesen. Das hat sich positiv auf die Anzahl der benötigten Fahrstunden auswirkt. Nach der Prüfung gings mit einer Suzuki GSX 750 weiter, die nach fünf Jahren und 75000 Kilomtern einer Suzuki Bandit 1250 weichen mußte. Die hat auch schon wieder 60000 auf der Digitaluhr.

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