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18.03.2016

10:35 Uhr

E-Bike Katalog 2016

Mehr Durchblick im Pedelec-Dschungel

VonFrank G. Heide

Trekking-, Touren-, und Citybikes, Fattys, Lasten- und Liegeräder: Die Auswahl eines E-Bikes ist kein Kinderspiel. Ein Katalog schafft zu Saisonbeginn Übersicht. Dank großer Kaufberatung und fundiertem Technikteil.

DüsseldorfWährend Politik und Autoindustrie beim Ausbau der Elektromobilität scheinbar nur im Stolperschritt vorankommen, weisen die Teilnehmer des Fahrradmarktes jedes Jahr Statistiken aus, die glänzen, wie eine frisch polierte Chromfelge im Sonnenschein. 2009 wurden in Deutschland laut Statista 150.000 Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor verkauft, 2015 waren es nach Schätzungen des ZIV schon 520.000.

Doch wenn ein Markt seit Jahren so wächst wie der der Elektrofahrräder, dann wird es gerade für Einsteiger von Saison zu Saison immer schwerer, den Überblick zu behalten. Hersteller und Profis unterscheiden mittlerweile in so viele Kleinst-Segmente, dass dem Erstkäufer schnell der Schädel brummt wie ein Nabenmotor.

City- oder Trekkingbike, Sportbike, vielleicht sogar als S-Pedelec, oder doch ein Tourenrad als Tiefeinsteiger? Mountainbike, Faltrad, Kompaktrad, Liegerad, oder eines der angesagten Lastenräder? Und lieber mit Frontmotor, Mittel- oder Heckmotor? Welcher Akku, und wo machen eigentlich diese dicken modischen Reifen Sinn? Fragen über Fragen. Und man möchte ja nichts verkehrt machen, schließlich lässt sich der Deutsche sein E-Bike im Durchschnitt laut SAZbike rund 2.300 Euro kosten. (Link zum Thema: Die Fahrradwelt in Zahlen (pdf))

Also: Was wollen Sie, was brauchen Sie, welcher Radler-Typ sind Sie? Antworten auf die wichtigsten Fragen und einen Überblick über alle Neuheiten liefert einmal im Jahr – und natürlich rechtzeitig vor dem Saisonstart der Mitte Februar erschienene Katalog der Redaktion e-bike.

Worauf man beim E-Bike-Kauf achten sollte

Kauf beim Fachhändler

E-Bikes sollte man nur beim guten Fachhändler mit eigener Werkstatt kaufen. Nicht nur wegen der Beratung, sondern auch, weil der Fachhändler das Rad repariert. Pedelecs sind Hightech-Produkte, die man nur noch schwer selbst reparieren kann.

Defekte Akkus

Defekte Akkus darf man nicht per Post zurückschicken. Umso mehr ist man auf einen Fachhändler angewiesen.

Kettenschaltung

Ein Tipp der für Bikes und E-Bikes gleichermaßen gilt: Eine Kettenschaltung benötigt mehr Wartungsaufwand als Nabenschaltungen.

Ein Blick auf den Akku

Beim Kauf sollten Sie einen Blick auf Antriebseinheit und Akku werfen. Wenn Sie längere Wochenendtouren planen, sollte der Akku eine entsprechende Reichweite haben.

Motorposition bedenken

Auch die Position von Motor und Akku ist zu bedenken. Nichts falsch machen kann man beim Mittelmotor, da er die Gewichtsverteilung beim Fahrrad nicht verändert.

Einkaufen mit dem Rad

Wer sein Rad zum Einkaufen nutzt, achtet darauf, dass der Akku nicht auf dem Gepäckträger sitzt. Wird nämlich darauf noch der Einkaufskorb gesetzt, dann liegt der Schwerpunkt relativ hoch, was wiederum der Fahrstabilität nicht zugute kommt.

Problemlose Teilladung

Die weit verbreiteten Lithiumionen-Akkus vertragen auch problemlos Teilladungen. Sie können den Akku beispielsweise also auch dann aufladen, wenn er noch zu 30 Prozent geladen ist.

Längere Nichtnutzung

Ein Tipp des ADFC: Wenn Sie das E-Bike über längere Zeit nicht nutzen, dann sollten Sie den Akku kühl lagern (zwischen zehn und 15 Grad Celsius) und den Ladestatus etwa bei 60 Prozent halten.

Fahren im Winter

Wie alle Batterieprodukte mögen auch die Lithiumionen-Akkus weder extreme Kälte noch starke Hitze. Wenn Sie das Bike auch im Winter bei Temperaturen unter null nutzen, sollten Sie den Akku nach beendeter Fahrt mit ins Haus nehmen.

Fahren im Sommer

Auch die Radtour an einem heißen Sommertag kann für den Akku zur Belastung werden. Parken Sie das Fahrrad deshalb nicht in der prallen Sonne, stellen Sie es in den Schatten.

Schwere Pedelecs

Pedelecs oder E-Bikes wiegen wesentlich mehr als Fahrräder. Die meisten bringen zwischen 22 und 25 Kilo auf die Waage. Wer sein Bike also täglich in den Fahrradkeller oder in die Wohnung schleppen muss, sollte das Gewicht bedenken.

Sicherheit geht vor

Pedelecs sind meist schneller als Fahrräder. Deshalb bitte einen Helm tragen - und Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer sollte selbstverständlich sein.

Zum Preis von zwei Latte Macchiato leisten die Experten neben dem gut segmentierten Überblick über die Produktneuheiten, mit vielen technischen Details, einen sehr guten Service. Der Ratgeber- und Test-Teil des Katalogs umfasst 40 der 338 DIN-A4-Seiten.

Darin geht es leicht verständlich und doch technisch versiert um die Fragen: Welcher Radtyp eignet sich für welchen Einsatzzweck? Was sind die Unterschiede bei den verschiedenen Akku-Typen, und wie sicher ist das Nachrüsten eines älteren Rades?

Moderne E-Antriebe sind – ebenso wie die teuren und schnell veraltenden Akkus – kleine Wunderwerke der Technik, auch sie wird auf 8 Seiten vor allem für den Laien anschaulich erläutert.

Vier Seiten Platz nimmt sich die Redaktion um noch einmal die wichtigsten Testergebnisse aus 2015 kompakt zu präsentieren, allein diese Übersicht sowie der Ratgeber zum Thema E-Bike leasen statt kaufen rechtfertigen den Kaufpreis.

Und was gibt’s zu meckern? Der Schwerpunkt der 600 neu vorgestellten Produkte liegt ganz überwiegend bei den Mountainbikes. Die im hinteren Teil aufgeführten Händler können unmöglich vollständig sein, so wird beispielsweise jeweils nur ein E-Bike-Händler für Berlin und für Düsseldorf genannt. Und die Übersicht über die Falt- und Lastenräder, die schlicht unter „Sonstige“ firmieren, ist zu dürftig ausgefallen.

Last but not least: Wenn im vorderen Teil so vernünftig und kompetent auf die Einsteiger eingegangen wird, muss man dann hinten unbedingt noch Exoten für mehr als 22.000 Euro reinpressen? Eine kleine Marotte, die man sich aus der alten Welt der Auto- und Motorradkataloge abgeschaut hat.
E-Bike – Der Katalog 2016
6,50 Euro, 338 S.
Delius Klasing Verlag, Bielefeld

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